Engagiertes Mädchen

Mia (10) sammelt auf eigene Faust Spenden für Flutopfer

Mia Kohlschmann (10) und Opa Ralf Bergmann mit Goldbär „Otto“. Die Goldbären liegen oft in Autos von Helfern, für den Fall, dass sie falsch stehen. Das ist das Zeichen: „Die helfen und kommen bald wieder.“
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Mia Kohlschmann (10) und Opa Ralf Bergmann mit Goldbär „Otto“. Die Goldbären liegen oft in Autos von Helfern, für den Fall, dass sie falsch stehen. Das ist das Zeichen: „Die helfen und kommen bald wieder.“

Ein Ausflug nach Ahrweiler schockierte die zehnjährige Remscheiderin. Gespendet wird an eine Familie und einen Kindergarten.

Von Lena Spataro

Remscheid. Als die erst zehn Jahre alte Mia Kohlschmann auf die Idee kam, Spendengeld zu sammeln, hätte wohl niemand gedacht, was sich daraus noch entwickeln würde. Im Juni dieses Jahres fuhr Mia mit ihrer Familie wie jedes Jahr nach Ahrweiler. Dort waren die Auswirkungen der Flutkatastrophe schockierend für die Familie. „Die Straßen sahen aus, als hätten sie Zahnlücken“, sagt Mia. Denn viele Häuser waren einfach nicht mehr da. Und die, die noch standen, befinden sich weiter in einem schlechten Zustand.

Ursprünglich hatte Mia vor, Spenden für den Grünen Zoo in Wuppertal zu sammeln. Als sie jedoch sah, wie dringend die Betroffenen des Hochwassers immer noch Hilfe benötigen, änderte Mia ihren Plan kurzerhand. Zuerst fragte sie in der Nachbarschaft nach Spenden – und hatte großen Erfolg. Mehrere Hundert Euro kamen zusammen. Statt aber alles anonym abzugeben, war für Mia klar: Es soll direkt an eine betroffene Familie gehen.

Mia sammelt Spenden für die Familie des kleinen Jakobs - Mit dem ausmaß hätte keiner gerechnet

Durch eine Nachbarin knüpfte Mia mit der Familie vom kleinen Jakob in Ahrweiler Kontakt. Dessen Mutter Anna hatte erst viele andere Familien in Ahrweiler im Kopf, die Hilfe bräuchten. Doch im Laufe des Gesprächs kam raus: Jakob und seine Familie waren selbst stark von der Flut betroffen. Bilder zeigten das Ausmaß der Katastrophe, Mia und Jakob tauschten sich aus. „Ich wollte dem Jakob doch nur ein Klettergerüst schenken“, sagt Mia lachend.

Der fünfjährige Junge verlor durch die Flut sein Fahrrad und einige Spielsachen. Seine Familie hatte nur wenige Tage zuvor das Haus gekauft, das nun baufällig war. Knapp 1,50 Meter hoch stand das Wasser im Erdgeschoss des Hauses. Gerettet werden konnte nur das „Flutklo“ aus dem Gästebad. Die Einfahrt und der Garten waren ebenfalls schwer betroffen, viel musste wegen Verunreinigungen abgetragen werden.

Dieses Schicksal ging der zehnjährigen Remscheiderin sehr nahe. Mit der Unterstützung ihrer Eltern und Großeltern schaffte es Mia, nicht nur das Fahrrad und die Spielsachen für Jakob zu ersetzen. Sie ermöglichte auch die Sanierung des Badezimmers. Denn zu den privaten Spendern kamen größere Firmen, darunter Spielzeughersteller, hinzu. Eine Kiste mit Spielwaren holte Großvater Ralf Bergmann mit Mia ab. „Das Auto war so voll, dass ich fast nicht mehr reingepasst hätte“, berichtet Mia.

In einer ersten Lieferung fuhren sie bereits in einem vollgepackten Auto und einem Anhänger voll gespendeter Muttererde nach Ahrweiler. Damit sollten die Einfahrt und der Garten aufgeschüttet werden. Die restlichen Spielsachen befinden sich seit dieser Woche im Kindergarten von Jakob. Mutter Nicole Kohlschmann ist sichtlich stolz auf ihre Tochter. „Mia wollte helfen und hat es einfach gemacht“, beschreibt sie die beeindruckende Sammelaktion ihrer Tochter.

Ich wollte dem Jakob doch nur ein Klettergerüst schenken.

Mia Kohlschmann, 10 Jahre

Der Goldbär „Otto“ erinnert Mia immer an ihre gute Tat. „Den haben alle Helfer bekommen.“ Eigentlich soll das Stofftier als Erkennungszeichen der Helfenden ins Auto gelegt werden, doch Mia möchte ihn lieber behalten.

Für die Zehnjährige ist die Aktion noch nicht vorbei, sie will weiterhin helfen. Ihr Opa Ralf Bergmann appelliert derweil an Touristen, das Ahrtal nicht zu vergessen: „Die Menschen, die an der Ahr leben, brauchen auch in Zukunft weiterhin Geld, um ihre Häuser und Geschäfte zu renovieren“, sagt er mit Nachdruck.

Spenden seien natürlich weiterhin hilfreich. Denn der Wiederaufbau sei noch lange nicht vorbei, die Menschen seien weiterhin aktiv: „Gerade feiern sie Weinfeste, die auch Touristen anziehen sollen“, sagt Ralf Bergmann. Trotzdem brauche es auch Menschen wie seine Enkelin Mia, damit die Opfer der Flutkatastrophe tatkräftige Unterstützung erhalten.

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