Konzert

Lydie Auvray Trio überzeugt in der Klosterkirche auch als Duo

Mussten auf Eckes Malz am Piano verzichten: Lydie Auvray und Markus Tiedemann.Foto:Michael Schütz
+
Mussten auf Eckes Malz am Piano verzichten: Lydie Auvray und Markus Tiedemann.

Musiker standen seit 187 Tagen wieder auf einer Bühne – und unterhielten ihr Publikum mit einer musikalischen Reise vom Feinsten.

Von Sabine Naber

Wenn Lydie Auvray mit ihrem cremefarbenen Knopfakkordeon die Bühne betritt, kann sich das Publikum einfach zurücklehnen, wunderbare Musik genießen und abschalten. „Wie schön, dass Sie da sind. Seit 187 Tagen ist das unser erster Auftritt. Und das tut wirklich gut“, begrüßte die Musikerin am Donnerstag ihre Gäste in der Klosterkirche.

Angesagt als Trio, musste auf Eckes Malz am Piano verzichtet werden. „Aber Markus Tiedemann spielt so viele Gitarren, der geht für zwei durch“, versprach Auvray. Und freute sich über den begeisterten Applaus nach „Machu Picchu“: „Toll. Sie klingen wie doppelt so viele.“

Mit charmanten Plaudereien unterhielt sie ihr Publikum zwischen der Musik, erzählte, dass sie immer wieder gefragt würde, wie sie zum Akkordeonspielen gekommen sei.

Ihr Vater brachte sie zum Akkordeon

„Mein Vater war sehr musikalisch, liebte das Akkordeon. Aber er musste früh Geld verdienen. Da blieb keine Zeit für Musik. Da hat er mich schon früh gefragt, ob ich Akkordeon spielen wollte. So hat er seinen Traum vom Musizieren quasi auf mich projiziert.“ Und weil sie ihm dafür so dankbar ist, hat sie das Lied „Pour toi“ für ihn geschrieben. Und es klang wunderbar gefühlvoll, als die beiden Musiker im perfekten Zusammenspiel das Stück präsentierten.

Seit 43 Jahren sei sie mit ihrem Akkordeon auf Reisen, habe überall – in der Karibik oder auch in Afrika oder Argentinien – Eindrücke mitgenommen und zu Kompositionen zusammengeführt. Aber am Meer, in der Normandie geboren, brauche sie das Wasser und sang ihr Lied vom Meer. Nicht ohne vorher zu empfehlen: „Machen Sie die Augen zu – dann spüren Sie das Meer.“

Einem temperamentvollen Aufruf, endlich wach zu werden, gleicht das Stück „Nach dem Frühstück“. Im französischen Musette-Stil spielt sie, großartig begleitet vom Gitarristen, einen Walzer. So schwungvoll und fröhlich, dass man am liebsten aufstehen und tanzen würde.

„Kennen Sie das, wenn man eine geliebte Person mit jemandem zusammen sieht von dem man auf den ersten Blick sieht, dass es nicht passt“, fragt sie ihr Publikum. Sie habe es bei ihrem Sohn erlebt. „Ich durfte ja nichts sagen. Aber ich habe dieses Lied geschrieben“, sagt sie ihr Stück „Oublie-le“ an. Wenn die letzten Töne verklingen, verdunkelt sich das Licht im Saal. Und dann ist es nach einem so nachdenklichen Stück auch für ein paar Sekunden ganz still, bevor der Applaus einsetzt.

Schnell, flirrend klingt es bei „Couscous“. Tiedemann klopft seine Gitarre, Auvray spielt temperamentvoll – einfach mitreißend. Für den Schluss hat sie sich ihren „Tango terrible“ und Serge Gainsbourgs Loblied aufs Akkordeon aufgehoben. Eine musikalische Reise vom Feinsten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Hilferuf: Der Kinobunker kämpft um seine Existenz
Hilferuf: Der Kinobunker kämpft um seine Existenz
Hilferuf: Der Kinobunker kämpft um seine Existenz

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare