Evangelische Stadtkirche

Kreiskantor verabschiedet sich mit „Noah“

Johannes Geßner freut sich auf die Uraufführung in der evangelischen Stadtkirche Lennep. Es herrscht 2G und Maskenpflicht. Foto: Roland Keusch
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Johannes Geßner freut sich auf die Uraufführung in der evangelischen Stadtkirche Lennep. Es herrscht 2G und Maskenpflicht.
  • Melissa Wienzek
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Johannes Geßner zieht Ende Februar nach Ostfriesland. Sein Schlussakkord ist die Uraufführung eines Oratoriums am 20. Februar.

Remscheid. Nach über acht Jahren setzt Musiker und Kreiskantor Johannes Geßner (38) einen fulminanten Schlussakkord hinter seine Arbeit: Der Lenneper verabschiedet sich nicht mit irgendeinem letzten Stück, sondern mit einer Uraufführung. Am 20. Februar bringt er Christoph Kirchbergs „Noah“ auf die Bühne der evangelischen Stadtkirche Lennep, ein Oratorium für Chor, Soli und Orchester. Auch seine Frau, die Mezzosopranistin Hae Min Geßner (37), wirkt mit. Gemeinsam haben sie für viele Stunden Musik in der Röntgenstadt gesorgt und viele Kinder ausgebildet. Jetzt sagen die Geßners adieu. Aber nicht, ohne noch einmal für Musik zu sorgen.

Was erwartet die Zuschauer beim Oratorium „Noah“?

Auch wenn der Titel nach reiner Klassik klinge und sich Komponist Kirchberg an Mendelssohn anlehne – „Noah“ vereine eher Aspekte der Filmmusik, sagt Johannes Geßner. „Wenn der zornige Gott die Flut auf die Menschheit niederprasseln lässt, ist das schon dramatisch.“ Zur Musik, die der Kantor als „Neo-Romantik“ bezeichnen würde, gibt es die biblische Geschichte. Für Kinder eignet es sich ab dem Grundschulalter. Das Oratorium dauert 90 Minuten.

Wer wirkt mit?

40 Menschen aus allen Chören der Lenneper Kirchengemeinde und des Remscheider Vokalensembles sowie 29 Orchestermusiker der Kammerphilharmonie Europa. Übrigens werden im Projektchor „Noah“ einige bekannte Gesichter dabei sein.  Weitere Mitwirkende sind Steffanie Patzke (Sopran), Hae Min Geßner (Mezzosopran) Hans-Michael Sablotny (Tenor) und Robin Liebwerth (Bass). Die Gesamtleitung hat Johannes Geßner. Zur Uraufführung seines Werks wird auch Komponist Christoph Kirchberg dazukommen. Er ist übrigens im Hauptberuf Arzt und komponiert nebenbei.

Warum dieses Werk zum Abschied?

Eigentlich war die Aufführung schon für Januar 2021 geplant. Seit Herbst 2019 hatte der Chor bereits geprobt. Nun heißt es für Johannes Geßner: „Jetzt oder nie“. In einem Komponistenforum auf Facebook hatte Christoph Kirchberg Teile des Werkes gepostet – und Johannes Geßner hatte es stilistisch sofort gefallen. „Noah“ passe auch thematisch gut in die jetzige Zeit – erstens, nach der Flutkatastrophe 2021 und zweitens, beschreibe die biblische Geschichte die Lage, in der sich die Kultur derzeit befinde. „Wenn Noah seine Vögel ausschickt und sie mit leeren Schnäbeln zurückkommen, ist das so wie das Warten für uns Musiker auf Normalität.“

Wie geht es danach für Familie Geßner weiter?

Derzeit packt die Familie ihre Koffer. Denn am 24. Februar steht der Umzug ins 280 Kilometer entfernte Leer in Ostfriesland an. „Nach über acht Jahren Dienstzeit in Lennep ist es für mich nun an der Zeit, mich beruflich anders zu orientieren.“ Geßner wird dort ab dem 1. März als Kirchenmusikdirektor beschäftigt sein. Für den 1983 im hessischen Marburg geborenen Kirchenmusiker ein neuer Lebensabschnitt. „Ich werde dann nicht mehr wie bisher jeden Sonntag zwei Mal an der Orgel sitzen, sondern auch Visitationen in den Gemeinden durchführen oder bei Bewerbungsgesprächen dabei sein.“ Derzeit bereitet er schon Konzerte vor. Denn in Leer übernimmt er nicht nur einen kleinen Kammerchor, sondern möchte dort auch einen generationenübergreifenden Popchor gründen. So manche Idee aus Remscheid reist dann mit.

Wer wird künftig die Stelle des Kreiskantors besetzen?

Das steht noch nicht fest. Die Ausschreibungen laufen nun, vermutlich könnte es im April Bewerbungsgespräche geben.

Welche Erinnerungen an Remscheid nimmt Johannes Geßner mit?

Erst einmal jede Menge Berufserfahrung, sagt er. „Viele Projekte aller Couleur, zudem die Aufgabe als Kreiskantor.“ Nicht zuletzt sei sein Sohn ein gebürtiger Remscheider. Ein Höhepunkt, der dem 38-Jährigen im Gedächtnis bleiben wird, ist die „Marienvesper“ Monteverdis, die 2019 aufgeführt wurde. „Das war ein musikalisches Ergebnis, von dem ich sagen würde: Viel besser geht es nicht.“ Und dann natürlich die Konzertreise mit seinen Chorteilnehmern nach New York. Dort durften die Remscheiderinnen und Remscheiderin bei einer Uraufführung einer Tangomesse in der Carnegie Hall singen – was groß übertragen wurde.

Karten

Karten für die Uraufführung „Noah“ am Sonntag, 20. Februar, 18 Uhr (Einlass 17 Uhr), in der evangelischen Kirche Lennep gibt es für 15 Euro plus Gebühr bei Remscheid-live im Vorverkauf. Für Kinder bis 14 Jahre ist der Eintritt frei. Es gilt 2G und durchgängig Maskenpflicht. Die Mitglieder von Chor und Orchester sind zudem getestet. 400 Gäste dürfen in die Kirche hinein.

www.remscheid-live.de

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