Sammlung von Jochen Amme

Klingenmuseum zeigt Bestecke aus Jahrtausenden

Antike Löffel sind nicht nur ein Hingucker der Schau. Die stellvertretende Leiterin des Klingenmuseums, Dr. Isabell Immel, sagt, Jochen Amme habe sehr viele wertvolle Raritäten zusammengetragen.
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Antike Löffel sind nicht nur ein Hingucker der Schau. Die stellvertretende Leiterin des Klingenmuseums, Dr. Isabell Immel, sagt, Jochen Amme habe sehr viele wertvolle Raritäten zusammengetragen.
  • Philipp Müller
    VonPhilipp Müller
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Außergewöhnliche Sammlung von Jochen Amme könnte zum letzten Mal zu sehen sein

Remscheid. Die Solinger verstehen was von Besteck. Denn sie haben es nicht nur jeden Tag in der Hand, in der Klingenstadt mit Weltruf wird es auch täglich produziert. Doch die Sammlung zum Thema, die Jochen Amme zusammengetragen hat, ist außergewöhnlich. Sie zeigt Bestecke vom Faustkeil aus dem 5. Jahrtausend vor Christi bis zum Designerstück der Neuzeit. Im Deutschen Klingenmuseum ist die umfangreiche Schau noch bis zum 5. September zu sehen.

Es könnte aber das letzte Mal sein, dass die Stücke in ihrer Gesamtheit zu sehen sind. Amme starb 2016. Die Erben möchten die Bestecke jetzt verkaufen. Die stellvertretende Leiterin des Museums, Dr. Isabell Immel, ist ganz stolz, dass die Amme-Sammlung erstmals so umfangreich im Haus zu sehen sei. Das Klingenmuseum dankt ausdrücklich der Familie des Sammlers, die die Schau ermöglicht habe.

Der Hamburger Rechtsanwalt war im Haus kein Unbekannter. Er sei der Mitinitiator des jährlichen Bestecksammlertreffens gewesen, das seit mehr als 25 Jahren stattfindet.

Jochen Amme war in der Szene eine Leuchte.

Dr. Isabell Immel, Klingenmuseum
In der Besteckausstellung von Jochen Amme im Klingenmuseum wird auch dessen Archiv ausgestellt – das sei eine wahre Fundgrube für die Bestimmung der Einzelstücke, berichtet Dr. Isabell Immel.

In der Fachwelt ist Amme bis heute hoch angesehen. Immel berichtet, dass er für viele Museen und Sammler deren Bestände taxierte, die Herkunft der Stücke genau bestimmte. Diese wissenschaftliche Arbeit habe Amme zum anerkannten Fachmann für historische Bestecke reifen lassen. „Jochen Amme war in der Szene eine Leuchte“, sagt Immel. Wie Amme das machte, zeigt das im Museum ausgestellte Archiv nebst Arbeitsplatz des Sammlers. So hat er für jedes der mehrere Tausend Exemplare in seiner umfassenden Sammlung eine Art Biografie erstellt.

Isabell Immel erklärt, was die Bedeutung der Sammlung und damit auch der Ausstellung ausmacht: „Sie ist umfassend von der Frühzeit bis zur Neuzeit.“ Das dokumentiert eine kleine Vitrine zu Beginn der Schau im ersten Stockwerk des früheren Klosterhofs. Ein auf dem heutigen Gebiet Dänemarks gefundener Faustkeil, der vermutlich um 4500 vor Christi hergestellt wurde, steht neben einem optisch fast gleich aussehenden Messer von Michael Schneider mit dem Namen „MonoZeug“.

Spannend sind beispielsweise auch im Original-Zustand erhaltene Besteckkästen. Doch nur ein Teil der mehreren Tausend Einzelstücke kann gezeigt werden.

Herzstück sei aber die Sammlung von Tischmessern und Besteck aus dem Mittelalter. Amme habe Stücke beginnend aus dem Jahr 500 nach Christi bis 1200 zusammengetragen. Davon habe das Klingenmuseum selbst nur sehr wenige im Depot. „Jochen Amme hat alles gesammelt, was es zu diesem Thema gibt.“

Interessant sind auch die eher filigran gearbeiteten Messer mit niederländischer Herkunft um das Jahr 1500. Damals blühte die Wirtschaft und entsprechend aufwendig entwickelte sich die Tischkultur. Doch beim Gang durch die Ausstellung gelangt man immer wieder von Rarität zu Rarität. Immel betont, es sei traurig, dass die Sammlung durch den Verkauf auseinandergerissen werde. Den Wert taxiert die Kunsthistorikerin auf ein einen hohen sechsstelligen, vermutlich siebenstelligen Betrag.

Ausstellung dokumentiert den Werdegang des Sammlers Amme

Wie es zu dieser einzigartigen Sammlung kam, dokumentiert das Museum mit dem Titel der Ausstellung „Es fing ganz harmlos an . . .“, der auf einem Zitat Ammes beruht: „Es fing ganz harmlos an. Ich suchte Tafelsilber für den alltäglichen Gebrauch. Von altem Essbesteck verstand ich so gut wie gar nichts.“ Das Sammelfieber muss ihn gepackt haben und der Wunsch, alles über die Herkunft seiner Erwerbungen zu erfahren. Kein leichtes Unterfangen sei das, berichtet Immel. Markierungen von Herstellern oder etwa zum Silbergehalt finden sich nicht mehr, je älter die Stücke sind. Amme habe da einen großen Erfahrungsschatz gehabt.

Fazit: Eine Ausstellung, bei der selbst wir Solinger als Mitglieder der „Fachwelt“ der Jahrhunderte alten Stahlwarenproduktion aus dem Staunen nicht rauskommen.

Klingenmuseum

Das Museum fürchtet, schon in Kürze wieder in den Lockdown zu müssen. Freie Termine zum Besuch der Ausstellung „Es fing alles ganz harmlos an . . .“ gibt es aber auch noch. Ohne Termin und Coronatest ist ein Besuch nicht möglich. Es gelten die Abstandsregeln und Maskenpflicht. Terminvergabe telefonisch unter Tel. (02 12) 2 58 36 10 oder Tel. 2 58 36 20.

Das Deutsche Klingenmuseum bereitet sich auf die Digitalisierung vor.

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