Musik

Ein Klaviertalent auf internationalem Erfolgskurs

Quentin Wächter hat an drei Online-Wettbewerben in Venedig, Florenz und Nordmazedonien erfolgreich teilgenommen.
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Quentin Wächter hat an drei Online-Wettbewerben in Venedig, Florenz und Nordmazedonien erfolgreich teilgenommen.

Quentin Wächter ist elf Jahre alt und mischt bei Online-Wettbewerben in Venedig, Florenz und Nordmazedonien ganz weit vorne mit.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Die Pandemie bremst Quentin Wächter aus. Auch für das elfjährige Klaviertalent läuft derzeit alles nur digital. Das sei zwar besser als nichts, sagt er, aber doch fühlbar nur eine Behelfslösung. „Der Klang kommt bei den Unterrichtsstunden via Zoom nicht optimal rüber und ich freue mich schon auf die Zeit, in der man sich wieder regelrecht treffen kann, um Stücke miteinander zu erarbeiten“, sagt Quentin.

Trotzdem hat der Junge auf dem digitalen Feld gerade schöne Preis-Erfahrungen machen können: Bei drei internationalen Wettbewerben, die als Onlineveranstaltungen stattfanden, stand er jeweils auf dem gedachten Siegertreppchen, zuletzt sogar ganz oben. „Wir haben im großen Saal der Musikschule jeweils ein Video gedreht und das wurde an die Jurys in Mazedonien beziehungsweise Florenz geschickt“, berichtet Quentin von diesen Erfahrungen. „So etwas ist eine ganz andere Sache als ein Liveauftritt vor Juroren und anderem Publikum, weil man kein direktes Feedback hat, sondern für sich und vor der Kamera spielt.“

Nur seine Eltern und sein Klavierlehrer Boris Radulovic waren anwesend. Schade sei natürlich auch gewesen – neben dem Verzicht auf eine schöne Reise – , dass man nicht mit den Mitbewerbern in Kontakt käme, bedauert Quentin, der schon viel Erfahrung mit Wettbewerben hat. Als Dreijähriger saß er zum ersten Mal am Klavier, seine Mutter Valerie brachte ihm die Grundbegriffe bei, bevor er in der städtischen Musikschule an den Früherziehungskursen teilnahm – und anschließend bei Ulrich Eick-Kerssenbrock, dem vor drei Jahren verstorbenen Leiter der Einrichtung, Unterricht hatte.

Menschlich wie musikalisch nehme er bei jedem Contest etwas mit, sagt Quentin. Auch bei den jüngsten Onlineerfahrungen: Da war es, Motivation und Energie aus sich selbst heraus zu holen – ohne den Kick einer anregenden Veranstaltungsatmosphäre.

Zu Bach spürt der junge Musiker eine innere Verbindung

„Er hat sich auch schon öfter Stücke-Anregungen aus den Vorträgen älterer Pianisten-Kollegen geholt, die er dann mit mir erarbeiten wollte“, sagt Boris Radulovic, der seinen begabten Schüler seit dem Tod von Ulrich Eick-Kerssenbrock unterrichtet und das „super gerne“. Sein Vorgänger habe Quentin ein Bach-Talent attestiert „eine für sein junges Alter herausragende Sensibilität für die Polyphonie der Werke des barocken Komponisten“. Dabei gelte es, alle Stimmen gleichwertig zu verknüpfen, eine Aufgabe, die der Elfjährige nicht nur technisch bravourös, sondern mit innerer Hingabe und echter Leidenschaft löst.

Diese musikalische Reife sei es, die Quentin auszeichne, sagt Radulovic. „Ein Interpret ist immer dann gut, wenn er Persönlichkeit und Seele hat, die in sein Spiel mit einfließen. Es geht ja nicht nur um einen fehlerfreien Vortrag, sondern um Ausdruck und Profil – und beides entwickelt sich allmählich, je älter man wird.“ Zu Bach habe er irgendwie eine innere Verbindung, sagt Quentin selbst. Radulovic: „Er liebt seine Musik und das spürt man.“ Genauso wichtig aber sei, dass Quentin gerne zur Schule gehe, zum Beispiel Mathe und Englisch möge und Riesenspaß an den süßen Katzenwelpen habe, die gerade als Familienzuwachs bei ihnen zu Hause eingezogen sind.

Nicht nur Bach als Komponist hat es Quentin angetan. Er mag auch Rachmaninow oder Mozart und ist offen für die sogenannte „neue Musik“. Für die nahe Zukunft hat Radulovic für Quentin iberische Musik auf den Lehrplan gesetzt - sich weiterzuentwickeln, neue Impulse aufzunehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen sei wichtig. Kein Problem für Quentin, der eine große Offenheit dafür mitbringt und spürbar weiterkommen möchte. Auch hofft er auf das baldige Ende des Lockdowns, um sich bei weiteren internationalen Wettbewerben zu erproben – und das möglichst live.

Auswahl

Die Wettbewerbe, bei denen Quentin Wächter mitmacht, werden von seiner Mutter Valerie in enger Abstimmung mit Boris Radulovic ausgesucht. Dass sich ein Elfjähriger als Musiker schon dermaßen sicher und erfolgreich auf internationalen Wettbewerben bewege, sei absolut bemerkenswert, sagte Musikschulleiterin Birgit Walter.

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