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Hospizvereine starten Trauergruppe für Kinder

Gemeinsam im Städteverbund bieten sie eine neue Gruppe nur für Kinder an: Andrea Fürst, Stefani Strobel mit dem Trosttiger, Anja Labensky, Beate Dehler (v. l.). Ihnen ist wichtig, dass die Kinder im geschützten Rahmen lernen: Trauer gehört zum Leben dazu.
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Gemeinsam im Städteverbund bieten sie eine neue Gruppe nur für Kinder an: Andrea Fürst, Stefani Strobel mit dem Trosttiger, Anja Labensky, Beate Dehler (v. l.). Ihnen ist wichtig, dass die Kinder im geschützten Rahmen lernen: Trauer gehört zum Leben dazu.
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Netzwerk Radevormwald/Remscheid/Wermelskirchen bietet neues kostenfreies Angebot.

Von Melissa Wienzek

Bergisches Land. Lara und Archie teilen dasselbe Schicksal. „Ich bin genauso traurig wie vorher, dass mein Papa gestorben ist. Aber ich traue mich jetzt, darüber zu sprechen“, sagt die zwölfjährige Lara. „Es hilft, mit meiner Oma zu sprechen, weil ich weiß, sie ist immer bei mir“, sagt Archie (6). Kindern wie Lara und Archie soll die neue Trauergruppe des Netzwerks Ambulante Hospizarbeit Radevormwald/Remscheid/Wermelskirchen helfen. Die Hospizvereine bieten nun ein kostenfreies neues Angebot speziell für Grundschüler im geschützten Rahmen an.

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Wann startet die neue Gruppe?

Am Montag, 19. September, von 16 bis 18 Uhr in den Räumen der freien evangelischen Gemeinde am Hasenberg in Lennep. Acht bis zehnmal kommen die Kinder dann hier einmal im Monat montags um diese Zeit zusammen. Weil es sich um eine geschlossene, geschützte Gruppe handelt, gibt es vorab einen Begegnungstag auf dem Herzwurzelhof, Maisdörpe 9, in Hückeswagen: Samstag, 27. August, 14 bis 17 Uhr. Die Kinder entdecken spielerisch den Hof, lernen sich untereinander kennen, Eltern können mit den Trauerbegleiterinnen und -begleitern ins Gespräch kommen. Für den Tag und die Trauergruppe ist eine Anmeldung nötig (. Beides ist kostenfrei.

An wen richtet sie sich genau?

An Grundschüler aus den Städten, die einen nahestehenden Menschen verloren haben. Zeitgleich bieten die geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Raum für Austausch für die Begleitpersonen an, während die Kinder in ihrem eigenen Raum zusammenkommen.

Was wird in der Gruppe getan?

Es gibt ein Spiel- und Bastelprogramm, aber auch Raum für Rituale. „Das Wichtigste ist, dass die Kinder in der Gemeinschaft merken, dass sie nicht allein sind in ihrer Trauer“, sagt die ehrenamtliche Trauerbegleiterin Stefani Strobel aus Remscheid. Den Kindern werde zudem in diesem geschützten Raum die Möglichkeit geboten, ihrer Trauer freien Lauf zu lassen und sie aussprechen zu können - wenn sie es denn möchten, erklärt Anja Labensky vom Ambulanten Hospizverein Remscheid.

Ziel sei es auch, dass die Kinder erführen: Trauer gehört zum Leben genauso dazu wie Freude. „Denn auch heute noch sind Tod und Trauer Tabu-Themen“, sagt Labensky. Die Themen der Gruppe würden altersgerecht ausgerichtet. „Schön ist hierbei auch die naturnahe Lage am Hasenberg - hier können wir die Jahreszeiten mit einbauen“, sagt Trauerbegleiterin Beate Dehler.

Wer leitet die Gruppe?

Ein Team von ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen, die speziell bei einem renommierten Dozenten in Düsseldorf in 80 Stunden fortgebildet wurden. Mit viel Fingerspitzengefühl gehen sie auf die Kinder ein und schauen individuell, welches Päckchen jedes mitbringt. Daher sei ein Vorabgespräch so wichtig.

Woran erkenne ich, ob mein Kind trauert?

Trauer von Kindern habe viele Gesichter, sagt Anja Labensky. Während das eine aggressiv und wütend werde, ziehe sich ein anderes ganz in sich zurück, weine. Nicht selten träten Bauchschmerzen auf. „Einige haben auch keinen Spaß mehr an Schule und Freizeit“, hat Andrea Fürst vom Ambulanten Ökumenischen Hospiz Radevormwald beobachtet.

Kinder möchten zudem oft ihre Eltern schützen - und täten oft so, als wenn es ihnen gut gehe, sagt Labensky. Sie erklärt: „Kinder springen in sogenannte Trauerpfützen. Sie erleben ihre Trauer dort intensiv, springen aber auch wieder raus und sind sofort wieder im Leben wieder drin.“ Das mache den großen Unterschied zur Trauer von Erwachsenen aus. Erwachsene seien hingegen oft unsicher - verständlicherweise, sagt Strobel. „Kinder sind dabei aber leider oft die Vergessenen.“

Warum eine Trauergruppe speziell für Kinder?

In der näheren Umgebung gebe es kein Angebot für Kinder in Trauer, man habe immer in andere Städte verweisen müssen, sagt Labensky. Die Nachfrage sei da. „Wir sehen es zudem als erweitertes Angebot“, sagt Fürst. „Unsere hauptsächliche Arbeit ist die Sterbebegleitung. Hier begleiten wir Familien - und häufig treffen wir dort auch Kinder.“

Anmeldung + Kontakt

Begegnung: Für den kostenfreien Begegnungstag für Kinder auf dem Herzwurzelhof in Hückeswagen am 27. August, 14 bis 17 Uhr, ist eine Anmeldung bei Andrea Fürst erforderlich: Tel. (0 21 95) 68 49 36. Ebenso ist eine Anmeldung für die geschlossene Gruppe nötig. Informationen und Kontakt gibt es hier:

Ambulantes Ökumenisches Hospiz Radevormwald: Andrea Fürst, Tel. (0 21 95) 68 49 36; info@hospiz-rade.de
www.hospiz-rade.de

Ambulantes Hospiz Remscheid: Anja Labensky, Tel. (0 21 91) 46 47 05; info@hospiz-remscheid.de
www.hospiz-remscheid.de

Hospizverein Wermelskirchen: Anke Stolz, Tel. (0 21 96) 88 83 40; kontakt@hospizverein-wk.de
www.hospizverein-wermelskirchen.de

Spenden: Die Angebote sind kostenfrei, die Vereine tragen die Kosten. Daher würden sie sich über Spenden freuen. Infos gibt es bei den Hospizvereinen.

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