Hilferuf: Der Kinobunker kämpft um seine Existenz

Markus Bertram sucht Mitstreiter, um das einmalige Museum in Honsberg wiederzubeleben. Zehn Tonnen Exponate gibt es hier zu sehen. Gerade hat Markus Bertram einen neuen Bereich mit Flaks gebaut (r. u.). Einst hieß das Gebäude „Lichtburg“ (o. r.). Die Leuchtreklame im Foyer erinnert an die Nutzung als Kino, nachdem der Bunker ausgedient hatte. Fotos: Roland Keusch
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Markus Bertram sucht Mitstreiter, um das einmalige Museum in Honsberg wiederzubeleben. Zehn Tonnen Exponate gibt es hier zu sehen. Gerade hat Markus Bertram einen neuen Bereich mit Flaks gebaut (r. u.). Einst hieß das Gebäude „Lichtburg“ (o. r.). Die Leuchtreklame im Foyer erinnert an die Nutzung als Kino, nachdem der Bunker ausgedient hatte.

Markus Bertram vom Museumsverein sucht dringend Unterstützer – Ausstellung thematisiert die Geschichte des Lichtspielhauses

Von Melissa Wienzek

REMSCHEID Aus dem Kinobunker in Honsberg schallt in diesen Tagen ein Hilferuf hinaus: Der Museumsverein braucht dringend neue Mitglieder, um als Verein anerkannt zu bleiben. Noch hat er 7 – dies ist die magische Schwellenzahl. Tritt auch nur einer aus, wird dem Museumsverein die Gemeinnützigkeit aberkannt. Vor allem fehlen helfende Hände, damit überhaupt wieder Führungen möglich sind. Denn es fehlt an Geld, es fehlt an Manpower. „Im Grunde mache ich derzeit alles allein: die Ausstellung herrichten, fegen, Außenanlagen säubern, im Winter Schnee schippen. Das ist frustrierend“, sagt der Vereinsvorsitzende Markus Bertram.

Das weit und breit einzigartige Denkmal an der Humboldtstraße, das als Hochbunker und Kino konzipiert wurde, kämpft ums Überleben. „Bald können wir die laufenden Kosten nicht mehr stemmen. Wir zahlen schon viel aus eigener Tasche“, drückt Markus Bertram den Ernst der Lage aus. Denn Führungen sind derzeit nicht möglich – und damit auch keine Einnahmen. „Wir brauchen immer zwei bis drei Mann pro Führung als Aufsichtspersonen“, erklärt der Vereinsvorsitzende. 2018 führte er das letzte Mal etwa 20 Besucher durch den Kinobunker. Dafür nimmt sich der Cronenberger, der sich seit Kindesbeinen an für Geschichte interessiert, übrigens immer zwei Stunden Zeit – es gibt einfach zu viel zu entdecken, und zu allem eine Geschichte.

Vor Corona hatte der Museumsverein noch die Decke im Kinosaal renovieren lassen. Durch einen Wasserschaden war sie großflächig kaputt, es rieselte Betonstaub auf die historischen Ausstellungsstücke. „Für die Renovierung in acht Metern Höhe hatten wir zehn Jahre die Eintrittsgelder und Mitgliedsbeiträge gespart.“ Dafür musste die gesamte Schau abgebaut und im Anschluss wieder aufgebaut werden. Eine Mammutaufgabe. Denn mittlerweile stehen zehn Tonnen Ausstellungsstücke im Gebäude, dessen Außenwände satte 1,75 Meter dick sind.

Auf 600 Quadratmetern Grundfläche auf drei Ebenen zeigt der Museumsverein einen Zeitstrahl vom Ersten über den Zweiten Weltkrieg bis hin zu den Firmen aus dem Städtedreieck, die für den Krieg produzierten. Uniformen, Arztausrüstungen, Patronenhülsen, Dokumente – die Exponate reihen sich aneinander. Unten wird in kleinen Nischen die Nachkriegszeit beleuchtet. Eingemachtes von 1945, selbstgebaute Karren aus Panzerteilen, Unterwäsche aus Wehrmachtsstoff.

„Das Gebäude war wie eine Stadthalle für die Honsberger.“

Markus Bertram über den Bunker

Möbel, Kaffeemühlen, Geschirr – jeder, der sich hier umschaut, wird etwas von den Eltern oder Großeltern wiedererkennen. Eine alte Boxbühne erinnert zudem an die Zeiten, als der Boxverein Honsberg hier 700 Gäste empfing. Ein Zimmer aus den 50ern mit Fernseher, der Nachbau einer Schulklasse im Zweiten Weltkrieg, eine Funk- und Telefonzentrale der Luftwaffe von 1943 und so vieles mehr gibt es zu entdecken. Gerade hatte Markus Bertram Urlaub – und verbrachte jede freie Minute im Bunker. So hat er gerade einen Betonsockel gebaut, auf dem er Flugabwehrkanonen ausstellt. „Denn auf dem Dach standen tatsächlich drei Flaks.“

Im Eingangsbereich gibt es ein Foyer, das ans Kino erinnert – mit einer selbstgebauten Bar im 50er-Jahre-Stil und Filmplakaten von „Sissi“ oder „Die Lachbombe“. Es ist kaum zu fassen, was es alles zu sehen gibt. Ein absolutes Unikat. „Wir wollen alles so authentisch wie möglich halten.“

Nach dem Krieg, als der Bunker ausgedient hatte, wurde das Gebäude bereits im März 1946 zum Kino „OK Lichtspiele“– als niemand Arbeit oder Essen hatte. Später wurde es umbenannt in „Lichtburg“. Varieté, Bälle, Sportveranstaltungen folgten. „Das Gebäude war wie eine Stadthalle für die Honsberger“, erzählt Bertram.

Die Exponate sind meist Dauerleihgaben, vieles stammt aus privaten Sammlungen oder Nachlassen. Darunter auch der eines Remscheider Jagdfliegers. Der Offizier war am 8. April 1945 mit seinem Jagdflugzeug von Tschechien aus im Tiefflug heimgekehrt, als Remscheid bereits von den Amerikanern besetzt war. Mit einer Bruchlandung setzte er seine Focke-Wulf 190 in ein Feld in Haan. Denn dort lebte seine Frau. Davon zeugen originale Exponate im Kinobunker. Diese Geschichten zu bewahren, ist die Herzensangelegenheit des Vereins.

Mehr Fotos: www.rga.de

Kontakt

Wer dem Museumsverein Kinobunker helfen möchte, wendet sich an Markus Bertram: Tel. (02 02) 2 83 86 97. Gefragt sind vor allem Ehrenamtler, die mitanpacken in Honsberg. Aber auch neue Mitglieder und Spenden sind willkommen, um den Verein zu sichern.

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