Gitarrenzentrum am Alten Markt

Kai Heumann ist der 100-Prozent-Musiker

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Mit einer kaputten Gitarre fing Kai Heumann an.

REMSCHEID Der 50-Jährige führt das Gitarrenzentrum am Alten Markt, organisiert Konzerte und hat gerade eine Künstlerkolonie gegründet.

Von Leon Hohmann

Im Schaufenster des Ladenlokals im Erdgeschoss des Bergischen Fachwerkhauses stehen diverse Gitarren und andere Zupfinstrumente in verschiedenen Größen und Formen. Im Zentrum von Lennep, am Alten Markt, ist das Gitarrenzentrum seit anderthalb Jahren beheimatet. Inhaber ist Kai Heumann (50), der vorher in der Luisenstraße in Wuppertal Instrumente und Zubehör verkaufte. „Ich bin einhundert Prozent Musiker. Den Laden betreibe ich nur nebenbei“, erklärt Heumann. Er gibt außerdem Musikunterricht, komponiert, baut Prototypen neuer Gitarrenmodelle oder bietet akustische Konzerte an.

Sein musikalischer Werdegang begann bereits im Alter von vier Jahren: „Ich habe auf einer kaputten Gitarre angefangen. Die hatte nur drei Saiten“, erzählt er. Normalerweise hat das Zupfinstrument sechs Saiten. Erst mit elf Jahren bekam er seine erste richtige Gitarre. Er erinnert sich: „Das war ein steiniger Weg, ich musste mir häufig ein Instrument leihen“, sagt er. Ab diesem Zeitpunkt bekam er auch Unterricht bei seinen Freunden in einer Pfadfindergruppe. Später wurde er von Gitarrenlehrern angelernt.

Schon früh war klar, dass Heumann Gitarrenbauer werden möchte. „Ich wollte immer mein Trauminstrument spielen. Das funktioniert am besten, wenn man es sich selber anfertigt“, erklärt der gebürtige Solinger. Da es für ihn allerdings in gesamt Mitteleuropa keine Ausbildung zum Gitarrenbauer gab, begann er mit 16 Jahren eine Schreinerlehre. „Das habe ich nach meinem Abschluss aber nicht mehr weiter verfolgt“, erzählt Heumann. Er wollte lieber Konzerte geben.

Deswegen konzentrierte er sich auf seine Ausbildung an der Gitarre: So studierte er am Münchener Gitarreninstitut und nahm bei namenhaften, lateinamerikanischen Künstlern Unterricht. „Ich wollte genauso spielen können, wie es beispielsweise Aníbal Arias gemacht hat. Und wo kann man das besser erlernen als bei den Musiker selber?“, sagt er. Heumann konzentrierte sich dabei auf Stilrichtungen wie Flamenco, Gypsy-Swing, Jazz oder Fingerstyle. Ein großes Vorbild war für ihn beispielsweise der spanische Flamenco-Gitarrist Paco de Lucía.

„Künstler sind etwas Einzigartiges, sie kann man nicht ersetzen.“

„Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mein Leben so gestalten kann“, erklärt der 50-Jährige. „Ich finde es sehr interessant, hier in Lennep mit internationalen Musikern zusammen spielen zu können.“

Zurzeit veranstaltet er deswegen die Konzertreihe „Kai Heumann lädt ein“. Insbesondere Josho Stephan, der den Gypsy-Swing präge, sei häufig zu Gast im Gitarrenzentrum. Stephan spielt auch eine von Heumann entworfene und gefertigte Gitarre. Kai Heumann ist mit seiner jetzigen Situation sehr zufrieden. „Mich stört nur die langweilige Büroarbeit“, sagt er und lacht. „Aber auch die ist notwendig, schließlich macht einen guten Musiker mehr aus als nur das Konzertieren.“ Ausgelernt habe er aber noch nicht: „Es gibt so viele unterschiedliche Spiel- und Anschlagstechniken, die man erlernen kann“, erklärt der Gitarrist. Er möchte auch weiterhin von Latino-Musikern lernen.

Bildhauer, Autoren, Maler und Musiker haben sich zusammengetan

Ein klares Bekenntnis zu Lennep: Heumann vereint Altstadt-Künstler. „Ich fühle mich hier im Stadtteil sehr wohl“, sagt er. Der Standort sei optimal, Künstler und Gastronomen würden sich gut ergänzen. Deswegen habe er die Musiker- und Künstlerkolonie Lennep ins Leben gerufen. „Künstler sind etwas Einzigartiges, sie kann man nicht ersetzen“, erklärt Heumann. „Mit dem Zusammenschluss wollen wir das hervorheben und uns gegenseitig unterstützen.“ Sowohl Musiker und Maler, als auch Bildhauer, Autoren oder Tänzer gehören der Gemeinschaft an. „Das Konzept sieht vor, dass wir gemeinsame Ausstellungen vorbereiten“, erklärt Heumann. Er charakterisiert das Künstler-Netzwerk als weltoffen. So half er bereits einem Flüchtling, in Lennep auszustellen.

WORKSHOP

TERMIN Kai Heumann gibt am Samstag und Sonntag, 19. und 20. September, jeweils 15 bis 18.30 Uhr, einen Workshop unter dem Motto „Gitarre verstehen“ an. Dabei sollen folgende Fragen geklärt werden: Was sind Jazzakkorde und wie lerne ich sie? Was ist wirklich wichtig und welche Etüden und Fingerübungen kann ich mir schenken? Und wie werde ich schneller? Kosten: 75 Euro pro Einzeltermin, beide zusammen 120 Euro pro Person.

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