Kulturhaus

Haus Eifgen lässt sich nicht unterkriegen

Kultur in Zeiten der Pandemie: Michael Dierks führt das Haus Eifgen sicher durch die Krise. Foto: Roland Keusch
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Kultur in Zeiten der Pandemie: Michael Dierks führt das Haus Eifgen sicher durch die Krise.

Kulturhaus ist bislang weitestgehend unbeschadet durch die Krise gekommen – Fördermittel für Belüftung.

Von Andreas Weber

Wermelskirchen. Krise? Welche Krise? Die Kulturinitiative im Haus Eifgen gibt Gas. Corona hat ihren Veranstaltungsdrang nicht stoppen können. Bemerkenswert genug, was die Genossenschaft und der Betreiberverein aus der x-fach gescheiterten Gastronomie neben dem Eifgen-Stadion gezaubert haben, auch ihr Tatendrang, eine dritte Kulturstätte neben der Katt und dem AJZ Bahndamm in Wermelskirchen aufzubauen, ist enorm. Der Terminkalender im Oktober ist gut gefüllt. Nach dem zwischenzeitlichen Stillstand hat das Programm mächtig Fahrt aufgenommen.

So verspricht am heutigen Samstag die junge, achtköpfige Kölner Band Lenny Arrived mit ihrem Debütalbum „White elephant“ Saturday Night Fever. Die Bühne wird voll sein, während im Publikum konsequent auf Abstand geachtet wird. Nach diversen Umbauten innen, können bis zu 65 Besucher eingelassen werden, um dem Hygienekonzept Genüge zu tun.

In gewisser Weise ist das Haus Eifgen ein Corona-Profiteur. „Weil andere Locations noch nicht öffnen, bekommen wir Anfragen von Kabarettisten und Comedians, die gerne bei uns ihre Vorpremiere machen würden“, freut sich Vereinsvorsitzender Michael Dierks.

Größere Acts, die aus Übersee auf Tour in Westeuropa hätten sein sollen, blieben fern. So war John Lee Hooker jun. der Erste, der seinen Eifgen-Auftritt im März absagen musste, weil die USA die Grenzen dicht gemacht hatten. Weitere wie Aynsley Lister, Zed Mitchell, Kai Strauß, Park Stickney, Krissy Matthews und Patricia Vonne folgten. Die meisten Auftritte wurden ins kommende Jahr verschoben. „Vor Corona war unser Kalender für 2020 ausgebucht“, stellt Dierks fest. Konzerte sind für das Haus ein Plus-Minus-Null-Geschäft. Es sind die Vermietungen an geschlossene Gesellschaften, die das Geld für die Finanzierung abwerfen. Gut 35 Feiern waren dieses Jahr gebucht, nur sechs konnten vor dem Lockdown stattfinden.

Um den Kaufpreis von 225 000 Euro für das schnuckelige Fachwerkhaus zu stemmen, wurde im Mai 2019 eine Genossenschaft gegründet. 197 Mitglieder zählt diese, Anteile von Minimum 500 Euro mussten sie zeichnen. Über die Hälfte kam durch Genossen rein, die andere Hälfte finanzierte die Volksbank. Der Kauf wurde im Dezember 2019 notariell besiegelt. Nach den ersten bangen Monaten ohne Einnahmen lief das Geschäft mit der Öffnung des Biergartens und dem Auftritt des Dürener Blues-Duos Nightwalkers nach dem 28. Juni wieder an. „Bei Konzerten draußen geht die Rechnung für uns auf, sonst schauen höchstens Wanderer im Biergarten vorbei“, meint Michael Dierks, der im Februar 70 Jahre alt wird. Von Gastro-Experimenten lässt der 175 Mitglieder zählende Verein die Finger. „Daran haben sich vor uns viele andere verbrannt.“ Es gibt ein Küchen-Team mit Kai Langenkamp, Adrian Kunitz und Thomas Wintgen, das bei Konzerten kulinarische Kleinigkeiten anbietet und zum harten Kern der 25 Helfer zählt, die reibungslose Abläufe garantieren.

„Vor Corona war unser Kalender für 2020 ausgebucht.“

Michael Dierks

Das Haus Eifgen überstand die Dürreperiode weitestgehend unbeschadet. „Weil wir den Kaufvertrag in 2019 so spät abgeschlossen hatten, hielten sich die Finanzierungskosten noch in Grenzen und wir hatten schon Rücklagen durch Mieteinnahmen gebildet.“ Haus Eifgen erhielt die vom Staat gewährte Soforthilfe und wurde mit einer respektablen fünfstelligen Euro-Summe aus dem Förderprogramm „Neustart Kultur“ bedacht, die dazu verwendet wird, in vernünftige Belüftung zu investieren.

Die dezentralen Belüftungsgeräte mit Wärmetauscher werden nicht die gesamte Summe verschlingen, so dass die Vereinsmitglieder zusätzlich in hochwertige Streaming-Technik investieren, die es ihnen erlaubt, Konzerte einmalig zeitversetzt im Internet zu zeigen. „Das Publikum besucht momentan nicht gerne Indoor-Konzerte“, beobachtet Dierks. Dem unguten Gefühl in Gesellschaft Musik zu hören, könnte auch eine Spende vorbeugen. Der Wermelskirchener Frank Schindler sponsert über seine Firma Santec fünf Aerosol-Filter, die in der Konzertstube aufgestellt werden.

Oktober-Termine

Nach Lenny Arrived (3.) kommt Who Shot John (14.), der Deutsche Jugendliteraturpreis 2020 (16.), Sascha Thamm (17.), Horst Jansen Trio (18.), Frederik Vahle und Venja (24.) und „Soulful unplugged: J.J. Cale“. Weitere Auftritte unter www.kultin.de; Anschrift: Kulturinitiative Wermelskirchen, Eifgen 1, Tel. (0 21 96) 70 600 74.

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