Interview

Florian Schroeder kommt in die Katt - Tickets zu gewinnen

Als Satiriker freut sich Florian Schroeder über die aktuelle Nachrichtenlage. „Wenn ich jetzt depressiv und nur noch zynisch werde, haben die Leute doch auch nichts davon“, sagt er.
+
Als Satiriker freut sich Florian Schroeder über die aktuelle Nachrichtenlage. „Wenn ich jetzt depressiv und nur noch zynisch werde, haben die Leute doch auch nichts davon“, sagt er.

Satiriker Florian Schroeder gastiert am 22. Oktober in der Katt. Ein Gespräch über Politik, die Medien und halb volle Säle.

Das Gespräch führte Gunnar Freudenberg

Herr Schroeder, macht Ihnen als Satiriker die aktuelle Nachrichtenlage mit Ukraine-Krieg, Energiekrise und Corona gerade eigentlich Spaß?
Florian Schroeder: Absolut. Für mich ist das wunderbar – also nicht die Weltlage, aber die Materiallage. Die Privatperson Schroeder macht sich Sorgen, die Kunstfigur Schroeder freut sich.
Auf welche Weise konsumieren Sie Nachrichten?
Schroeder: Über alle möglichen Kanäle. Ich sehe das sportlich: Für meinen täglichen Wach-und-wichtig-Podcast am Morgen muss ich permanent auf der Höhe sein und sehe Nachrichten zunächst ausschließlich als Material. Das Entscheidende für mich ist: Was kann ich daraus machen und wie vermittle ich es lustig und unterhaltsam? Natürlich sitze ich abends auch manchmal fassungslos vor dem Fernseher. Aber wenn ich jetzt depressiv und nur noch zynisch werde, haben die Leute doch auch nichts davon.
Bundeskanzler Olaf Scholz haben Sie zuletzt für den Begriff „Doppel-Wumms“ kritisiert und seine Ausdrucksweise als infantil bezeichnet. Wie gut fühlen Sie sich nach gut einem Jahr von ihm und der Ampel-Koalition regiert?
Schroeder: Die Regierung verhält sich genauso wie befürchtet. Bei drei unterschiedlichen Parteien ist das ja auch kein Wunder. Ego-Kämpfe zwischen Christian Lindner und Robert Habeck sind zwar lustig, aber gerade auch problematisch. Und Olaf Scholz halte ich für einen hochintelligenten Mann, aber definitiv für den falschen Kanzler – weil er nicht kommunizieren kann.
Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass wir uns in einer historisch einmalig schwierigen Situation befinden. Mit Blick auf das Wahlergebnis in Italien können wir dankbar sein, dass unsere Regierung reflektiert und mit Bedacht vorgeht. Man kann bei vielen Themen unterschiedlicher Meinung sein, aber ein Richtig und Falsch gibt es im Moment einfach nicht.
Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang rückblickend ihren viel beachteten Auftritt auf der Querdenken-Demo in Stuttgart vor zwei Jahren, als Sie mit Anti-Corona-Demonstrierenden über Meinungsfreiheit diskutieren wollten und appellierten, die Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 einzuhalten?
Schroeder: In dem Moment, in dem man sich als Künstler klar für oder gegen etwas positioniert, gewinnt und verliert man Fans. Das ist immer so. Was meine Bekanntheit und die Quoten meiner Fernsehsendungen angeht, war dieser Auftritt sicher förderlich. Ich halte es auch heute noch für richtig, die von den Demonstrierenden geforderte Meinungsfreiheit ausgetestet und für mich eingefordert zu haben. Dass ich sie damit so schnell an ihre Grenzen gebracht habe, hat das Thema Meinungsfreiheit noch einmal öffentlich in den Fokus gerückt.
Aktuell gibt es auch eine öffentliche Debatte über den Journalismus in Deutschland. Wie stehen Sie zu der Kritik einer „Selbstangleichung“ der Medien, wie sie Harald Welzer und Richard David Precht in ihrem Buch geäußert haben?
Schroeder: Ich kann mit ihren Thesen nichts anfangen. Da wird zu viel gefühlt und zu wenig gedacht. Ich konsumiere wirklich viele Medien und kann nicht feststellen, dass eindimensional berichtet wird. Das ist ja auch völlig unlogisch. Denn gerade wer gegen den Strich schreibt, bekommt ja den viel größeren Applaus. Wenn ich zum Beispiel Putins Krieg damit erklären würde, dass er Opfer des Westens ist, werde ich zwar niedergebrüllt, aber die Clicks wären mir sicher.
Ihr aktuelles Kabarettprogramm heißt „Neustart“, das vorherige „Ausnahmezustand“. Hatten Sie hellseherische Fähigkeiten, als Sie die Programmtitel festgelegt haben?
Schroeder: Ich bin tatsächlich froh, mit diesen Titeln den Geist dieser Zeit erahnt zu haben. „Ausnahmezustand“ passte perfekt in die Corona-Zeit. Jetzt ist die Sehnsucht nach einem „Neustart“ so groß wie nie.
Worum geht es in Neustart?
Schroeder: Es geht um unsere Erlösungsfantasien – wir alle scheinen den neuen Messias zu suchen. Und am Ende meiner Show werden wir ihn gefunden haben – in mir! Aber dann passiert etwas, womit keiner gerechnet hat.
Wie aktuell sind Sie?
Schroeder: Tagesaktuell. Wenn Friedrich Merz sich nachmittags äußert, kann das abends schon ein Thema sein. Da helfen mir mein täglicher Podcast und die Tatsache, dass ich ständig produzieren muss. Ein Programm drei Jahre zu spielen, ohne ein Wort zu ändern, das könnte ich gar nicht und würde mich selbst langweilen. Ich möchte mich auf der Bühne auch gerne selbst überraschen.
Sie sind im Fernsehen und Radio aktiv, produzieren Podcasts und schreiben Bücher. Welche Rolle nimmt die Bühne in Ihrem Schaffen ein?
Schroeder: Was die Herangehensweise an Themen angeht, unterscheide ich da gar nicht so sehr. Aber das Spielen vor Publikum bleibt etwas Besonderes. Die Menschen entscheiden sich bewusst dafür, mir zwei Stunden lang zuzuhören, ohne nebenher zu schauen, ob bei Amazon Prime vielleicht etwas Spannenderes läuft. Sie kaufen sich bewusst Karten, machen sich schick und gehen bei Wind und Wetter ins Theater. Das ist eine Entscheidungskette, die mich immer wieder wieder demütig macht.
Die Kulturbranche hat derzeit zu kämpfen. Auch namhafte Künstler treten vor deutlich weniger Zuschauern auf als vor der Pandemie. Spüren Sie das auch?
Schroeder: Na klar. In unserer Branche heißt es: Halb voll ist das neue ausverkauft. Wobei man unterscheiden muss: Scheinbar einmalige Festivals oder Bands, die selten auf Tour sind, laufen bestens. Aber zu denen, die im Regelbetrieb spielen – also zum Beispiel Stadttheater oder Kabarettisten, Opern etc. – kommen die Leute nur zögerlich zurück.
Dafür gibt es sicher viele Gründe. Manche trauen sich noch nicht in Innenräume mit vielen Menschen, weil dort der Abstand nicht gewährleistet ist. Andere haben erst während der Pandemie entdeckt, wie schön es zu Hause mit Netflix ist. Und manch einer spart schlicht sein Geld aus Angst vor der nächsten Stromrechnung.
Am kommenden Samstag, 22. Oktober, gastieren Sie in Wermelskirchen. Sollte sich Christian Lindner in seiner Heimatstadt an diesem Abend zufällig für einen Besuch in der Kattwinkelschen Fabrik entscheiden – auf was könnte er sich freuen?
Schroeder (lacht): Er wird eine Parodie von sich zu hören bekommen. Und zwar eine, die erklärt, warum er so spricht, wie er spricht – und was er vielleicht ändern sollte. Er könnte dabei auf jeden Fall etwas über seine Auffälligkeiten, Schwachpunkte und Manierismen lernen. Ein Abend bei mir in der Katt wäre für ihn mit Sicherheit billiger, als ein Rhetorik-Seminar für mehrere Tausend Euro zu besuchen.

2 x 2 Karten zu gewinnen

Als Satiriker freut sich Florian Schroeder über die aktuelle Nachrichtenlage. „Wenn ich jetzt depressiv und nur noch zynisch werde, haben die Leute doch auch nichts davon“, sagt er.

Verlosung: Der RGA verlost 2 x 2 Karten für den Auftritt von Florian Schroeder am Samstag, 22. Oktober, um 20 Uhr in der Kattwinkelschen Fabrik in Wermelskirchen. Um mitzumachen, schicken Sie uns bis Dienstag, 18. Oktober, eine E-Mail mit Ihrer Anschrift und dem Betreff „Florian Schroeder“ an: redaktion@rga.de

Wir, die Remscheider Medienhaus GmbH & Co. KG, nutzen und speichern die von Ihnen im Rahmen der Teilnahme angegebenen Daten nur solange und soweit dies für die Durchführung des Gewinnspiels erforderlich ist. Mitarbeiter des RGA und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen. Rechtsweg, Umtausch und Barauszahlung sind ausgeschlossen. Die Gewinner werden aus allen Teilnehmern ermittelt und vom RGA per E-Mail informiert. Weitere Infos zu unseren Bestimmungen: www.rga.de/datenschutz

Zur Person: Florian Schroeder (Jahrgang 1979) hat in Freiburg Germanistik und Philosophie studiert. Schon zu Studienzeiten begann er seine Bühnenkarriere als Kabarettist und Parodist. Bekannt ist er nicht nur als Radiokolumnist und Podcaster, sondern auch als Moderator der Fernsehsendungen „Die Florian Schroeder Satireshow“ und „Spätschicht“.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Mundartquiz: Was bedeutet bitte Ullefaatsküken?
Mundartquiz: Was bedeutet bitte Ullefaatsküken?
Mundartquiz: Was bedeutet bitte Ullefaatsküken?
Kultfilm kommt auf die Bühne
Kultfilm kommt auf die Bühne
Kultfilm kommt auf die Bühne
Das bietet das Theater für das junge Publikum
Das bietet das Theater für das junge Publikum
Das bietet das Theater für das junge Publikum
Kleine Komödie Remscheid probt neues Stück
Kleine Komödie Remscheid probt neues Stück
Kleine Komödie Remscheid probt neues Stück

Kommentare