Faszinierende Kunstwerke mit dem Skalpell gefertigt

Der Berliner Stefan Thiel zeigt seine filigranen Papierschnitte.
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Der Berliner Stefan Thiel zeigt seine filigranen Papierschnitte.

Remscheid. Sie kommen aus konzeptionell gänzlich unterschiedlichen Richtungen und haben dennoch geradezu verblüffende Gemeinsamkeiten: Beide, der Berliner Stefan Thiel und der Kölner Martin Spengler arbeiten mit chirurgischer Präzision - mit dem Skalpell. Die Arbeiten beider Künstler sind ab heute bis zum 17. Juni in der Galerie der Stadt Remscheid zu sehen.

Und noch etwas ist beiden gemeinsam: die Stille ihrer Sujets. Das erstaunliche Gegenüber von zweidimensionalem Papierschnitt (Thiel) und skulptural dreidimensionalen Arbeiten aus verleimten Wellpappe-Schichten (Spengler) sollte sich kein Kunstfreund entgehen lassen. Es ist, das kann hier versprochen werden, eine Doppelausstellung welche bei ihren Besuchern für Aaahs und Ooohs sorgen wird. Die filigranen Arbeiten beider Künstler versetzen den Betrachter in pures Entzücken.

Film-Stills sind raffiniert in Papierschnitt umgesetzt

Erstaunen und Vergnügen gehen beim Genuss von Stefan Thiels thematisch vielfältigen Arbeiten Hand in Hand. Die Film-Stills nach dem Cinéma noir der 50er bis 70er Jahre von Douglas Sirk, Alfred Hitchcock, Jean-Luc Godard und Volker Schlöndorff faszinieren mit ihrer eigentümlichen Schweigsamkeit. Dekorative Modefotografie, so raffiniert in Papierschnitt umgesetzt, dass sie wie scharf konturierte Fotos wirken, die Illusion einer durch einen Zweig ausgelösten Wasserbewegung, die laszive Erotik von Netzstrümpfen an Frauenbeinen - Stefan Thiel macht alles das fühlbar.

Sein 180 mal 180 Zentimeter messender "Vulkanausbruch" überwältigt durch die Gewalt der Aschewolke, die aus Papier geschnitten realiter federleicht und fragil ist. Steht man dann vor den beeindruckenden Türmen der Basilika "La Sagrada Familia" von Antoni Gaudi und sieht an der Wand gegenüber die papierne Fassade eines Wohnsilos, ist die Verbindung zu Martin Spengler geknüpft. Zu Spenglers ganz großen - das bitte wörtlich nehmen - Themen gehören die Steinmetzarbeiten der gotischen Fassaden des Kölner Doms, die er in seinen teils gestreckten und verfremdeten "Kathedralen" darstellt, und die deprimierenden Fronten gigantischer entseelter Wohnsilos, wie man sie aus Berlin-Marzahn, dem Märkischen Viertel oder den Pariser Banlieues kennt.

Ein atemberaubendes Panorama Athens in Wellpappe

In Spenglers dreidimensional aus bis zu 30 Zentimeter dicken, verleimten Wellpappe-Schichten geschnittene Panoramen kann man sich buchstäblich vertiefen. Atemberaubend spannt sich als universelles Beispiel für Stadtarchitektur ein nahezu unglaubliches Panorama Athens über eine Fläche von 220 mal 300 Zentimeter. Nach einem Foto-Ausschnitt und einer originalgroßen Vorzeichnung bis ins kleinste Detail eines Kammerfensters, einer Dachterrasse, eines Straßenbaums perspektivisch in die Tiefe des hier 28 Zentimeter starken Materials geschnitzt, erinnert es trotz seiner Größe in seiner Art an die berühmten zarten chinesischen Kork-Dioramen.

Kräftezehrend, ja schweißtreibend sei diese körperlich schwere Arbeit, die er mit einem selbst gefertigten skalpellähnlichen Messer ausführt, erklärt Martin Spengler. Bis zu 60 Kilogramm wiegt ein großformatiges Bild, das er senkrecht von unten nach oben aus dem Block herausarbeitet und das schließlich trotz seiner Einfarbigkeit beeindruckend real, ja er-greifbar wirkt. Menschen erscheinen allenfalls als Textur, wie in seinen "Schlachtenbildern" einer Fantribüne im Fußballstadion.

INFO

KÜNSTLER Stefan Thiel, geb. 1965, lebt und arbeitet in Berlin. Martin Spengler, geb. 1974, lebt und arbeitet in Köln.

AUSSTELLUNG Bis zum 17. Juni in der Städtischen Galerie Remscheid, Scharffstr. 7-9, mi-so 14-18 Uhr.

VERNISSAGE Am heutigen Samstag, 16 Uhr. Die Einführung hält Prof. Dr. Oliver Zybok.

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