Künstler aus Lennep

Eine Arbeit steht vor der Uni-Klinik in Pennsylvania

Johannes Küßner inmitten seiner Skulpturen, die er aus den alten Holzbalken aus Röntgens-Geburtshaus geschaffen hat. Foto: Küßner
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Johannes Küßner inmitten seiner Skulpturen, die er aus den alten Holzbalken aus Röntgens-Geburtshaus geschaffen hat.

Der Lenneper Künstler Johannes Küßner fertigt Skulpturen aus den alten Holzbalken des Geburtshauses von Wilhelm Conrad Röntgen.

Von Sabine Naber

Remscheid. Der Lenneper Künstler Johannes Küßner (70) hat seine Liebe zum Holz schon früh entdeckt. Sein beruflicher Weg begann mit einer Schreinerlehre. „Aber das ist schon lange her. Vieles andere kam danach. Angefangen mit einem Gartenbaubetrieb bis hin zu sozialtherapeutischer Arbeit im weitesten Sinne habe ich Unterschiedliches gemacht. Aber irgendwann entschieden, nichts mehr für andere, sondern etwas für mich zu tun“, erzählt er. Und wagte diesen Neuanfang vor rund 15 Jahren. Seitdem fertigt er Skulpturen aus Holz, präsentiert sie in seiner kleinen Galerie in der Altstadt von Lennep.

„Mein Sohn ist Zimmermann und hat viel mit alten Hölzern zu tun. So entstand der Kontakt zum Architektenehepaar Welke, das Röntgens Geburtshaus in der Altstadt kernsaniert und liebevoll restauriert hat.“ Man sei sich schnell einig gewesen, die alten Eichenbalken nicht wegzuwerfen. „Ich habe die jahrzehntealten Hölzer mitgenommen und überlegt, was man daraus machen könnte.“

Unter den etwa 50 Skulpturen, die er aus diesen Balken fertigte, ist auch die Skulptur „Lebensspuren“, die jetzt einen Platz im Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen gefunden hat. Rund zehn Skulpturen stehen noch im Foyer des Röntgen-Museums, andere sind auf Röntgen-Kongressen, beispielsweise in Leipzig, präsentiert und verkauft worden.

Eine Engel-Skulptur steht in der Gedenkstätte „Pferdestall“

An eine amüsante Begegnung während einer dieser Messen kann sich Küßner gut erinnern. „Ein Radiologe aus Pennsylvania sprach mich an und erzählte mir mit Blick auf die Skulpturen: „So ein Ding habe ich auch. Das steht bei mir in der Uni-Klinik.“ Und auch Professor Dr. Ulrich Mödder von der Stiftung Geburtshaus Wilhelm Conrad Röntgen weiß das Engagement des Künstlers zu schätzen. Und drückt das im Vorwort zum Katalog unter der Überschrift „Altes Holz erwacht zu neuem Leben“ so aus: „Als Transformation einer alten Geschichte in die heutige Zeit umschreibt Johannes Küßner seine faszinierenden Skulpturen, die er aus historischen Hölzern anfertigt. Diesen künstlerischen Ansatz könnte man ohne weiteres auch auf das Geburtshaus von Wilhelm Conrad Röntgen übertragen.“

Er freue sich außerordentlich, dass die alten Holzbalken, die sonst als Bauschutt entsorgt worden wären, durch Johannes Küßner eine künstlerische Gestalt erhalten hätten, die in ihrer Ästhetik und Strahlkraft beeindruckt.

„Es ist eine große Serie gewesen, die aus diesen alten Eichenbalken entstanden ist. Die Arbeit damit ist ungewöhnlich, denn es ist ja kein serienmäßiges Holz. Manchmal stecken noch Nägel drin, das Werkzeug geht kaputt, man kommt nicht so einfach weiter“, schildert der Künstler, welche Herausforderungen die Hölzer, deren sichtbare Patina er nicht verändert hat, mit sich bringen.

Menschliche oder engelhafte Gestalten, große und kleine, meist rustikal belassen, mal einzeln, mal in Gruppen, sind entstanden. Im unteren Bereich behalten die Balken ihre ursprüngliche Form. Ihr Ausdruck entsteht erst aus ihrer Haltung heraus, beispielsweise der Neigung des Kopfes, der immer geölt und manchmal blank poliert wird. Der Gesichtsausdruck lässt sich nur erahnen. Doch glaubt man zu wissen, was in den Köpfen der Skulpturen vor sich geht. „Heiter beieinander“ ist eine dieser Skulpturen überschrieben. Oder auch „Von Angesicht zu Angesicht“ und „Geborgen und gehalten“. Für die Gedenk- und Bildungsstätte „Pferdestall“ an der Martin-Luther-Straße hat der Künstler eine Engel-Figur gestaltet.

Erst wird das Holz ausgebürstet, dann mit Stechbeitel, Kleinmaschinen oder einer Motorsäge bearbeitet. „Zum Schluss wird die Figur in vier oder fünf Arbeitsgängen geschliffen, von Mal zu Mal feiner, und der obere Teil geölt. Unten bleibt das Alte, und damit die Geschichte der Struktur, bestehen“, schildert Küßner den Prozess. Und macht deutlich, dass seine Skulpturen keine Deko-Stücke, sondern Mitbewohner sind. „Und die wollen auch mal gestreichelt werden.“

Hintergrund

Wer Interesse an den Skulpturen von Johannes Küßner hat, kann direkt mit dem Künstler Kontakt aufnehmen. Telefonisch unter Tel. 0175 79 33 252 oder per E-Mail: jokuessner@gmx.de. Nach Terminabsprache (und dem Lockdown) können die Skulpturen in der Lenneper Galerie Rouge, Kraspütt 9, besichtigt werden. Einige Exemplare stehen auch noch im Foyer des Deutschen Röntgenmuseums an der Schwelmer Straße 41 in Lennep.

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