Zentrum für verfolgte Künste

Der Präsident von Mobilistan rollt am Museum vor

Die Austellungeröffnung im Zentrum für verfolgte Künste wurde zum „Staatsakt“ durch den Präsidenten von Mobilistan (oben links und rechts). Manaf Halbouni und Kuratorin Birte Fritsch stehen im Niemandsland „Green Line“ der Installation „Zone“ (unten). Fotos: Christian Beier
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Die Austellungeröffnung im Zentrum für verfolgte Künste wurde zum „Staatsakt“ durch den Präsidenten von Mobilistan.

Manaf Halbouni macht die Eröffnung seiner Ausstellung „Zone“ im Zentrum für verfolgte Künste zum Kulturereignis

Von Philipp Müller

Solingen. Mit voller Inbrunst singen der Präsident von Mobilistan, der Künstler Manaf Halbouni, seine Staatsministerin Barbara Repe und Staatsminister Christian Manns vor dem Zentrum für verfolgte Künste die Nationalhymne von Mobilistan. Dann schreiten sie, von Zentrumsdirektor Jürgen Kaumkötter und Kuratorin Birte Fritsch begrüßt, über den roten Teppich in den Meistermannsaal des Museums. Dort unterzeichnen sie mit dem Zentrum einen Freundschaftsvertrag und ein Kulturabkommen. Und da der Bürgermeister Thilo Schnor (Grüne) und der stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland (LVR), Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (CDU), auch anwesend sind, folgen Abkommen mit dem LVR und der Stadt Solingen.

Künstler Manaf Halbouni schreitet über den Teppich ins Museum.

Was sich wie ein Staatsakt liest, war in Wahrheit eine Kultur- und Kunstaktion. Manaf Halbouni hat sich den Staat Mobilistan ausgedacht. Er ist auf die Größe der Staatslimousine beschränkt. Viele Staaten Europas hat das Regierungstrio bereits besucht. Der Künstler will damit die Fragen stellen, wie ausgegrenzt wird, was Grenzen ausmachen und wo sie fallen sollen. Und er liefert gleich die Antwort: Es geht nichts über die Freiheit.

Halbouni war gekommen, um seine Ausstellung „Zone“ im Zentrum vorzustellen. Sie besteht aus 250 Ölfässern und greift die Trennung Zyperns in zwei Teile auf und die „Green Line“, das Niemandsland, das von UN-Friedenstruppen kontrolliert wird. Es ist eine beeindruckende Ausstellung im Zentrum geworden.

Sie sind die internationale Sprache, die jeder versteht.

Künstlerin Anne VanMatre über ihre apokalyptischen Flammen

Manaf Halbouni wurde weltbekannt durch seine Skulptur „Monument“ vor der Dresdener Frauenkirche in der Hochphase der europäischen Flüchtlingskrise 2015 und 2016. Auf dem Kopf stehende Reisebusse thematisierten Barrikaden in der vom Bürgerkrieg zerstörten syrischen Stadt Allepo. Der junge Halbouni hatte das Land schon 2008 als Flüchtling verlassen, um nicht zum Militär zu müssen. In Dresden studierte er weiter Kunst, zuvor tat er das in Damaskus. Heute lebt er in Berlin. Politische Kunst wurde sein Hauptthema. Dabei geht es ihm darum, mit Wucht zu zeigen, wie Grenzen spalten und gesellschaftliche Barrieren ausgrenzen, wie sie entstehen. Zugleich ist er ein glühender Verfechter der Freiheit.

Manaf Halbouni und Kuratorin Birte Fritsch stehen im Niemandsland „Green Line“ der Installation „Zone“.

Wozu das Überschreiten aller Grenzen des Menschlichen und Moralischen hin zu Rassismus, Vernichtung und Vertreibung führt, das greift die aus den USA stammenden Künstlerin Anna VanMatre auf. Sie ist mit einer weiteren Ausstellung im Zentrum vertreten. Mit digital entstandenen Bildern erinnert sie an den Freiheitskampf in den Ghettos von Krakau und Warschau im von den Nazis beherrschten Polen. „Ich will starke Bilder zeigen“, sagte sie. Ihre Motive sind von apokalyptischen Flammen geprägt. „Sie sind die internationale Sprache, die jeder versteht.“

Prof. Wilhelm griff das in seinem Grußwort auf. VanMatres Schau „To those who fight“ stelle Jan Karski in den Mittelpunkt: Ein Jude, der bewusst ins Ghetto Warschau ging, ins Vernichtungslager Belzec kam, fliehen konnte und den Alliierten von den Taten der Nazis berichtete. „Wie mutig und tapfer dieser Mann war, ist unglaublich“, zeigte sich Wilhelm beeindruckt. In Polen und im angelsächsischen Raum sei Karski ein Held und Superstar, erklärte Zentrumsdirektor Kaumkötter. Er hoffe, durch die Ausstellung diesen Mann auch in Deutschland bekannter zu machen. VanMatre kannte Karski persönlich und beschrieb ihn als schüchtern – kaum vorstellbar.

Die dritte Ausstellung ist Heinrich Mann gewidmet. Er wäre in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden. Ermöglicht hat die Ausstellung der neue Freundeskreis des Zentrums für verfolgte Künste. „Eigentlich gehört Heinrich Mann neu entdeckt“, sagte die Freundeskreisvorsitzende Sylvia Löhrmann. Er habe sich früh für ein vereintes Europa und Demokratie eingesetzt.

Museum digital

Eine Übersicht über die drei Ausstellungen unter dem Titel „Kunst kennt keine Grenzen“ bietet das Zentrum im Internet. Dort werden auch die kommenden Erklär-Videos zu sehen sein: https://verfolgte-kuenste.com

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