Gespräch

Die Bibliothek wandelt sich zu einem neuen Ort

Nicole Grüdl-Jakobs leitet die Bibliothek. Dazu gehören die Zentral- und die Stadtteilbüchereien. Foto: Roland Keusch
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Nicole Grüdl-Jakobs leitet die Bibliothek. Dazu gehören die Zentral- und die Stadtteilbüchereien.
  • Melissa Wienzek
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Leiterin Nicole Grüdl-Jakobs über das neue inhaltliche Konzept, die Idee eines Neubaus an der Allee und die Folgen der Pandemie.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek 

Frau Grüdl-Jakobs, die Zentralbibliothek hat ein neues Leitsystem. Ist das der erste Schritt, um die Bibliothek fit für die Zukunft zu machen?

Nicole Grüdl-Jakobs: Ja, einer der ersten Schritte. Das Leit- und Orientierungssystem haben wir uns schon lange gewünscht. Es ist dazu gedacht, dass man schon von außen sieht, dass das Bildungszentrum drei Abteilungen umfasst: die öffentliche Bibliothek, die Volkshochschule und die Musik- und Kunstschule. Und sich auch die jeweiligen Verwaltungen im Gebäude der Zentralbibliothek befinden, was nach wie vor nicht allen Kunden bewusst ist. Zudem soll es Orientierung innerhalb des Gebäudes bieten. Wir hoffen, das Leitsystem auch für die Musik- und Kunstschule dieses Jahr noch umsetzen zu können. Wir sind gerade mit den Planungen befasst. Gleichzeitig gilt es aber, die Bibliothek mit neuem Leben von innen zu füllen.

Was ist in diesem Hinblick noch geplant?

Grüdl-Jakobs: Wir sind nach wie vor dabei, die Bibliothek zu einem ,dritten Ort‘ zu wandeln. Das ist ein Ort, an dem man sich gerne aufhält und an dem man – anders als zu früheren Zeiten – nicht nur einfach Medien entleiht und zurückgibt, sondern, an dem man sich hinsetzen und Zeitung lesen oder mit dem Laptop arbeiten kann, und das bei einer Tasse Kaffee. Wo man aber auch die Bibliothekare in ihrem Fachwissen konsultieren kann, wenn man zum Beispiel eine Arbeit schreibt oder Lektüre sucht. Dafür brauchen wir mehr freie Flächen in der Bibliothek, in denen wir Sitzmöglichkeiten schaffen können. Wir haben die Zeit des Lockdowns genutzt, um erstes neues Mobiliar anzuschaffen. Und wir haben zum Beispiel den kompletten Bestand der Kinder- und Jugendbibliothek gereinigt sowie Medien ausgesondert.

Die RFID-Technik der Ausleihe ist veraltet. Wann wird sie umgerüstet?

Grüdl-Jakobs: Die RFID-Technik befindet sich im sogenannten ,end of life cycle‘. Wir hatten dadurch Probleme mit unserer Außenausleihe, insbesondere in der kalten Jahreszeit. Die Transportbänder verziehen sich dann. Wir hatten aber auch schon Ausfälle des einen oder anderen Selbstverbuchers und einer Innenrückgabe. Die Probleme konnten behoben werden, aber man hat uns signalisiert, dass es immer schwieriger wird, Ersatzteile zu beschaffen. Und die Zeit des Wartungsvertrags nähert sich dem Ende. Ein neuer ist nur schwer oder zu wesentlich höheren Kosten abzuschließen. Deshalb würden wir die Anlage gern erneuern. Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist es uns wichtig, Kunden und Mitarbeiter zu schützen. Deshalb sollten Medien möglichst kontaktlos zurückgegeben werden. Der Nutzen der Technik wurde durch Corona also noch bedeutsamer. Wir versuchen nun, per Ratsbeschluss zu erwirken, dass wir noch in diesem Jahr die Gelder freigegeben bekommen für eine Ersatzbeschaffung im Bereich RFID, weil die Umsatzsteuer derzeit geringer ist.

Von welcher Summe sprechen wir?

Grüdl-Jakobs: Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf etwa 280 000 Euro.

Apropos Gelder: Wer bezahlt die Umgestaltung der Bibliothek zum ,dritten Ort‘?

Grüdl-Jakobs: Das würde zum Teil aus unserem eigenen Budget erfolgen können. Dazu haben wir über viele Jahre hinweg Gelder im investiven Haushalt übertragen lassen, vor dem Hintergrund, dass wir einen ,dritten Ort‘ mit neuem Mobiliar schaffen wollen. Wenn weitergehende bauliche Maßnahmen betroffen wären, müsste das aus anderen Budgets finanziert werden. Wir bräuchten zum Beispiel dringend einen behindertengerechten Fahrstuhl.

Das heißt, die Bibliothek könnte in den nächsten Jahren schrittweise zum ,dritten Ort‘ werden?

Grüdl-Jakobs: Ja. Im Moment schauen wir aber erst mal, dass wir das Vertrauen der Kundschaft wiedergewinnen. Wir haben dieselben Schwierigkeiten wie der Einzelhandel. 30 bis 50 Prozent der Kunden nutzen wieder unsere Bibliotheken. Aber ganz viele kommen noch nicht. Wir haben ein umfassendes Hygiene- und Schutzkonzept. Nur 16 Kunden dürfen sich derzeit zeitgleich in der Zentralbibliothek aufhalten. Wir reinigen natürlich alle Medien, die zurückgegeben werden, und schicken manche sogar ein paar Tage in Quarantäne. Wir haben derzeit auch noch keine Sitzmöglichkeiten freigegeben. Wir warten noch ab, wie sich die Fallzahlen entwickeln. Uns geht die Sicherheit vor. Wir möchten demnächst auch wieder Vorträge und Lesungen anbieten. Wir überlegen, zu streamen.

Wie groß waren die Einbußen wegen Corona?

Grüdl-Jakobs: Finanziell gesehen, sind die Einbußen moderat. Das Einzige, das wir nicht eingenommen haben, sind Mahngebühren, die wir während der Corona-Zeit erlassen haben. Dies bewegt sich im dreistelligen Bereich. Am ersten Öffnungstag waren richtig viele Personen da. Es ist aber tages- und wetterabhängig. Dienstags ist erfahrungsgemäß ein großer Andrang. Mittwochs ist die Kundenzahl aber schon geringer. Normalerweise haben wir zwischen 800 und 1200 Kunden am Tag, nun sind es 400 bis 650. Die ,Onleihe‘ wird hingegen vermehrt genutzt. Kunden mit Jahresausweis können diese übrigens kostenlos nutzen.

Was halten Sie von der Idee, die Bibliothek im Rahmen des Alleestraßen-Umbaus dorthin zu verlagern?

Grüdl-Jakobs: Wenn ein Neubau angedacht sein sollte, der eine Kombination aus Volkshochschule und Bibliothek darstellt und das Ganze unseren Bedarfen entsprechend konzipiert würde, wäre ich die Letzte, die dagegen wäre. Unter diesen Umständen könnte es zu einer schönen Belebung der Alleestraße führen. Ich persönlich plane in meinen Konzepten allerdings noch den hiesigen Standort ein – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzsituation.

Zur Person

Nicole Grüdl-Jakobs: Die gebürtige Remscheiderin (48) ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Nach einem Lehramtsstudium an der Bergischen Universität Wuppertal arbeitete sie zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni im Bereich der Linguistik. Sie forschte zudem an der Universität Toronto in Kanada. 2009 wurde sie zunächst kommissarische Leiterin, 2010 Leiterin der VHS Remscheid. Seit Januar 2012 ist Grüdl-Jakobs Leiterin des kommunalen Bildungszentrums, zu dem die VHS, die Musik- und Kunstschule sowie die Bibliothek gehören. Ihr Lieblingsbuch: „Die Päpstin“. „Ich habe es bestimmt schon fünfmal gelesen.“

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