Ausleihen

Bibliothek verleiht große Kunst für kleines Geld

Sabine Düwell mit zwei Werken des Remscheider Künstlers Gerd Arntz. Der Grafiker gilt als Erfinder des modernen Piktogramms. Seine Werke sind politisch motiviert: Arntz war Kriegsgegner. In der Bibliothek gibt es einige zum Ausleihen. Foto: Doro Siewert
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Sabine Düwell mit zwei Werken des Remscheider Künstlers Gerd Arntz. Der Grafiker gilt als Erfinder des modernen Piktogramms. Seine Werke sind politisch motiviert: Arntz war Kriegsgegner. In der Bibliothek gibt es einige zum Ausleihen.

Wolfgang Tillmans, Gerd Arntz, Prof. Ernst Oberhoff: Die Sammlung der Graphothek besteht aus 550 Werken.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Die leere Wand im Wohnzimmer schreit nach etwas Farbe. Wer jetzt nicht gleich zu Pinsel und Farbeimer greifen will, kann sich in die Zentralbibliothek begeben. Denn hier gibt es zahlreiche Werke namhafter Künstler, die für kleines Geld ausgeliehen werden können. So muss nicht gleich das Sparschwein geplündert werden für einen Oberhoff, Tillmans oder Caspary. So wird Bildende Kunst nicht nur erfahrbar, sondern auch bezahlbar – und zwar für jeden Bürger. Und auch die Wand im Wohnzimmer freut’s. Wir stellen die Graphothek vor, ein Angebot der Zentralbibliothek Remscheid.

550 So groß ist der Bestand der Sammlung. 550 Werke lagern in der Schatzkammer der Bibliothek, allerdings sind nicht alle gerahmt. Daher schätzt Sabine Düwell, die den Kunstbereich leitet, etwa 400 bis 450 ausleihbare Kunstwerke. „Es gibt gegenständliche, abstrakte, zeitlose und weniger zeitlose Sachen“, sagt Düwell. Kleinformatig, großformatig, Aquarelle, Fotografien – die Palette ist breitgefächert. „Es sind aber vielfach Grafiken, weil es leichter zu handhaben ist, diese zu verglasen“, erklärt Düwell.

200 Vor allem das Erbe der regionalen Künstler hütet die Graphothek. Der Remscheider Grafiker Gerd Arntz, der als Erfinder des modernen Piktogramms gilt, ist dabei genauso vertreten wie Floris Neusüss, Fotograf und Hochschullehrer, der dieses Jahr verstorben ist. Auch Günter Lilge, Klaus Küster, Hubertus Kirchgässner, Ina von der Höh oder Anne Hönscheid sind vertreten. Um nur einige zu nennen. Von Wolfgang Tillmans, der mittlerweile international unterwegs ist, gibt es frühe Fotografien, unter anderem Schrottwerke. Aber auch Werke von Künstlern aus Partnerstädten gibt es hier. Auf einer CD sind alle Künstler und Werke hinterlegt, hier kann sich der Interessent durchklicken. „Eine Kollegin arbeitet gerade daran, die Daten für die Internetseite aufzubereiten“, sagt Düwell.

5 Gerade mal 5 Euro Miete sind fällig – und das für drei Monate. Darin enthalten ist die Versicherungsgebühr. Der Kunstinteressierte kann die Ausleihe dreimal verlängern: Ist das Bild nicht vorgemerkt, darf es sogar bis zu einem Jahr im heimischen Wohnzimmer hängen bleiben. Es entstehen dabei auch wieder die Kosten von 5 Euro pro Quartal. Im Gegensatz zu anderen Medien müssen jene aus der Graphothek persönlich vor Ort verlängert werden. Heißt: in der Kinder- und Jugendbibliothek. Hier werden die Werke aus- und zurückgegeben. Versäumnisentgelt bei Überziehung: 1,50 Euro je Bild und Woche. Die Bilder werden in einer Kartontransporttasche herausgegeben. Zwei Anforderungen gibt es an den Mieter: Er muss mindestens 18 Jahre alt sein und einen Bibliotheksausweis besitzen. Tipp: Es gibt auch schöne Foto-Bildbände zum Ausleihen in der Zentralbibliothek.

1976 Die Geburtsstunde der Graphothek. Die erste Ausstellung gestaltete Ulrike Vogt mit ihren Radierungen. Begonnen wurde damals mit 126 Werken aus dem städtischen Kunstbesitz. „Relativ früh kam die Vorstellung einer Graphothek auf, damit sich die Bevölkerung mit Bildender Kunst befassen konnte“, erklärt Düwell. Aber auch regionale Künstler sollten gefördert sowie neue Nutzer für die Bibliothek gewonnen werden. Seit 1976 gab es etwa 100 Ausstellungen der Graphothek. Die Sammlung wuchs kontinuierlich – seit 2011 dürfen jedoch keine neuen Werke mehr angekauft werden. Es gab politische Diskussionen, die Graphothek ganz aufzugeben. Doch heute, 44 Jahre nach ihrer Gründung, gibt es die Kunst-Schatzkammer für jedermann immer noch – auch wenn die Entleizahlen rückläufig sind.

100 Waren es 2000 noch rund 500 Ausleihen, waren es 2019 nur noch etwas über 100. „Das sind unsere Stammkunden“, sagt Düwell. Vor allem Arztpraxen und Firmen mieteten sich ein Objekt der Zierde. Ausstellungen gibt es keine mehr, bedauert Düwell. Auch das Nutzerverhalten habe sich im Laufe der Zeit verändert: Im privaten Bereich hat verstärkt der Ikea-Kunstdruck Einzug gehalten.

Aktuelle Regeln

Geöffnet ist die Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6, dienstags bis freitags, 11 bis 17 Uhr, und samstags, 10 bis 13 Uhr. Maximal 30 Besucher dürfen sich gleichzeitig in den Räumen aufhalten. Der Zugang erfolgt über den Seiten-, der Ausgang über den Haupteingang. Mund-Nasen-Maske und Händedesinfektion sind Pflicht.

remscheid.de/bibliothek

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