Singen mit Corona-Test

So kommen die Kirchenchöre im Bergischen durch die Pandemie

Geimpft und getestet dürfen die Chöre auch jetzt wieder zusammen singen, wie hier 2019 der Chor unter Leitung des Kantors Dieter Leibold. Die meisten halten aber noch den Mindestabstand ein. Archivfoto: Michael Schütz
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Geimpft und getestet dürfen die Chöre auch jetzt wieder zusammen singen, wie hier 2019 der Chor unter Leitung des Kantors Dieter Leibold. Die meisten halten aber noch den Mindestabstand ein. Archivfoto: Michael Schütz
  • VonValeria Schulte-Niermann
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Manche Kantoren nutzen das Internet, andere treffen sich in kleinen Gruppen.

Bergisches Land. Seit gestern gilt eine neue Coronaschutzverordnung. Demnach müssen beim gemeinsamen Singen Personen, die eine Immunisierung oder einen negativen PCR-Test vorweisen, keine Maske tragen. Doch haben die Kirchenchöre im Bergischen überhaupt noch Mitglieder? Und wie sind sie durch die Lockdown-Zeit gekommen?

„Wir haben eine sehr gute Gemeinschaft“, sagt Dieter Leibold, Regionalkantor für Remscheid/Wuppertal. Die war auch nötig, denn die Sängerinnen und Sänger aus der Seniorenkantorei hat er seit Ende März 2020 nicht mehr getroffen. Für sie sei es schwierig gewesen, mit der Technik für Zoom-Sitzungen zurechtzukommen.

Im Chor Cantemus – mit einem jüngeren Durchschnittsalter – konnten meist 75 Prozent beim Videotelefonieren teilnehmen, sagt Leibold. Allerdings sei mit dem Programm gemeinsames Singen nicht möglich, da nur einer zu hören ist. Meistens habe er vorgesungen und jeder sang für sich alleine daheim. „Diese Zeit war anstrengend“, erinnert sich Leibold. Er und seine Chöre müssen sich noch an das Singen ohne Maske gewöhnen: „Man muss das Vertrauen wieder finden, dass man singen darf“, sagt der Kantor. Alle werden jedoch noch nicht kommen, solange die Corona-Situation noch nicht stabil genug ist. Damit der Kontakt nicht abbrach, hat er Wanderungen in kleinen Gruppen unternommen. „Da besteht ein großes Redebedürfnis“, hat Leibold festgestellt.

Chor „Mixed Generations“ aus Remscheid hat ein Video produziert

Wertschätzung wollte auch Michael Schruff von der Kirche St. Clemens in Solingen seinen Mitgliedern entgegenbringen. So habe er sie an Ostern und Weihnachten zu Hause besucht und geredet. „Die Leute sollen sehen, dass wir an sie denken und sie nicht alleine lassen“, sagt er. Auch er hat mit Zoom geprobt und auch einzelne angehört. „Es ist zwar niederschwelliges üben, aber man sieht sich“, weiß Schruff. In den Kinderchören hätten zwar einige Teilnehmer aufgehört, aber hier herrsche immer eine erhöhte Fluktuation.

Um den Mitgliedern ein Ziel zu geben, hat Christoph Spengler mit seinem Remscheider Chor „Mixed Generations“ ein Video-Projekt initiiert. Jeder filmte sich beim Singen und Spengler produzierte daraus ein Chor-Video. Viel Arbeit für den Kantor, aber er wollte sich der Herausforderung stellen und freute sich über das Ergebnis. „Alle waren froh, etwas präsentieren zu können, und haben das Video fleißig geteilt“, berichtet er. Ansonsten habe er mit Zoom-Proben Kontakt gehalten. Viele schalteten sich schon eine halbe Stunde früher ein, um sich zu unterhalten. Während dieser Zeit haben nur wenige mit dem Singen aufgehört.

Chor aus Solingen will nach der Pandemie den Zusammenhalt stärken

Christian Gottwald, Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Lüttringhausen kann noch nicht abschätzen, wie viele Chormitglieder wiederkommen. Er traf sich online mit ihnen, aber: „Eine lebendige Gemeinschaft können Sie online nicht ersetzen“, weiß er. Mit rund zwölf der 50 Chormitglieder durfte er sich auch während der Lockdown-Zeit zum Einsingen vor den Gottesdiensten treffen.

Stephanie Schlüter von der Dorper Kirchengemeinde sagt, dass keiner der 70 Mitglieder aufgehört hat. Mit Zoom konnte sie sich nicht anfreunden und hat, wann es ging, in Präsenz geprobt. „Bei einigen ist die Stimme ein bisschen eingerostet“, stellt sie fest. Darum bietet sie nun professionelle Stimmbildung an.

Um den Zusammenhalt zu pflegen, habe der Chor zu Ostern gebacken, sich in Gärten getroffen und an Weihnachten Wichtelgeschenke gemacht. „Die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt. Das wurde durch die Pandemie noch mal verstärkt, weil es sonst nichts gab“, sagt Schlüter. Sie fange nun an, in größeren Gruppen in Gottesdiensten zu singen, und plant ein offenes Adventssingen für die Gemeinde. „Die Menschen lechzen danach, zu singen“, sagt sie.

Benefizkonzert

Am Samstag, 21. August, um 18 Uhr spielen Dieter Leibold und Susanne Filler ein klassisches Konzert in der Remscheider Kirche St. Suitbertus zugunsten der Hochwassergeschädigten.

www.bergische-kirchenmusik.de

Bereits im Juni standen die Chöre in den Startlöchern für Proben, Konzerte und mehr.

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