Bergische Symphoniker

Beim „Philharmonischen“ erhebt sich Musik gegen Unterdrückung

Joseph Moog Foto: Paul Marc Mitchell
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Joseph Moog

In seiner 10. Symphonie rechnet Schostakowitsch mit Stalin ab. Die „Bergischen“ erhalten am Mittwoch Unterstützung von Joseph Moog.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Als er vor anderthalb Jahren das 9. Philharmonische Konzert plante, hat Daniel Huppert nicht damit gerechnet, dass es Anfang Mai 2022 so aktuell sein würde. Denn das Thema eines Werkes, das der Generalmusikdirektor der Bergischen Symphoniker für den Konzertabend vorgesehen hat, beschäftigt uns auch in diesen Tagen: Unterdrückung, Entbehrung, Auflehnung gegen die Tyrannei. „Die Kunst findet immer wieder Wege, sich mit Unterdrückung auseinanderzusetzen“, sagt Daniel Huppert.

Welche Werke erklingen beim „9. Philharmonischen“?

Unter der Leitung des Generalmusikdirektors spielend die Bergischen Symphoniker eben jene Symphonie Nr. 10 e-Moll op. 93 von Dmitri Schostakowitsch – eine Auseinandersetzung des russischen Komponisten mit der Unterdrückung des Stalin-Regimes. „Er hat sich immer wieder an Stalin abgearbeitet“, sagt Huppert über den Komponisten, der selbst immer wieder in Gefahr schwebte. Die 10. Symphonie erschien direkt nach dem Tode des Tyrannen. „Vor allem im zweiten Satz rechnet Schostakowitsch mit Stalin ab.“ Hier zeichne der Komponist eine fratzenhaft-skurrile und karikaturhafte Zeichnung der Figur Stalin. Ebenfalls interessant: Da sich Schostakowitsch in seinen Werken stets selbst sehe – seine Initialien DSCH hat er wie Bach in vier Töne umkomponiert –, ringen hier Stalin und Schostakowitsch musikalisch miteinander. „Das ist außergewöhnlich“, sagt Daniel Huppert.

Das zweite Werk des Abends ist Sergei Prokofjews Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 C-Dur op. 26, ein populäres Stück mit facettenreicher Klangsprache, das Solisten und Orchester über drei abwechslungsreiche Sätze zu Höchstleistungen anspornt.

Er berührt durch Klarheit und seine unprätentiöse Art.

Daniel Huppert über Joseph Moog

Bereits während seines Studiums galt Sergei Prokofjew als enfant terrible der zu dieser Zeit ohnehin progressiven russischen Musikszene. Dass Prokofjew zudem auch ein brillanter Pianist war, fordert die Interpreten seiner zahlreichen Klavierwerke bis heute heraus. Die inhaltliche Klammer: Prokofjew starb am selben Tag wie Stalin. „Ein irrer Zug der Weltgeschichte“, findet der Generalmusikdirektor, der garantiert: „Bei diesem 9. Philharmonischen Konzert haben wir unglaubliche Musik dabei, die jeden berühren wird. Und es wird nicht nur trist.“

Wer ist der Solist des Abends?

Joseph Moog. 1987 in Ludwigshafen geboren, begann er im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel. Er studierte bei Bernd Glemser und Arie Vardi. Joseph Moog konzertierte unter anderem in der Alten Oper Frankfurt, dem Berliner Konzerthaus, der Kölner Philharmonie, dem Auditorium della Conciliazione in Rom, der Royal Albert Hall in London und bei vielen internationalen Festivals. Zu den renommierten Dirigenten, mit denen er arbeiten durfte, zählen zum Beispiel Andrey Boreyko, Gilbert Varga, John Axelrod, Christoph Poppen, Markus Poschner und Michael Sanderling.

Sehr umfangreich ist auch seine Diskographie, für die er neben hymnischen Kritiken auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhielt. „Moog ist ein super Pianist, vor allem für spätromantische Klavierkonzerte“, sagt Daniel Huppert. Die Symphoniker arbeiten seit paar Jahren mit ihm zusammen. „Er berührt einen sehr durch seine Klarheit und seine unprätentiöse Art“, sagt Huppert.

Wann und wo?

Am Mittwoch, 4. Mai, 19.30 Uhr, im Teo Otto Theater. Der Einführungsvortrag von Katherina Knees beginnt um 18.45 Uhr im oberen Bereich.

Wie viel kosten die Karten?

Karten für das Remscheider Konzert sind erhältlich für 28 Euro, das Jugendticket kostet 6,50 Euro: Tel. (0 21 91) 16 26 50 oder im Webshop:
theaterticket.remscheid.de

Welche Regeln gelten im Theater?

Nachdem die 3-G-Regel bereits entfallen ist, gilt nun noch im Theater die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung.

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