Kunstschatz

2200 Kunstwerke besitzt die Stadt Remscheid

Kämmerer und Kulturdezernent Sven Wiertz (l.) und Dr. Andreas Wallbrecht (Historisches Zentrum) mit einem Ölgemälde im Archiv.
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Kämmerer und Kulturdezernent Sven Wiertz (l.) und Dr. Andreas Wallbrecht (Historisches Zentrum) mit einem Ölgemälde im Archiv.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Wo befinden sich die Schätzchen? Der RGA hat sich auf die Suche gemacht.

Remscheid. Sie lieben es kühl, trocken und dunkel. Dann fühlen sie sich richtig wohl. Und altern dann auch nicht so schnell: Kunstwerke. Diese optimalen Lebensbedingungen finden die zahlreichen Schätzchen der Stadt Remscheid in der Hastener Straße 100. Hier befindet sich das Archiv. Und der Großteil des städtischen Kunstbesitzes. „Wobei wir nicht von einem Kunstschatz sprechen können wie andere große Städte“, sagt Kämmerer und Kulturdezernent Sven Wiertz (SPD) schmunzelnd.

Die Archivarinnen Viola Meike und Sarah Baldy sind das „Gedächtnis der Stadt“

Denn für die 2200 Werke, die die Stadt ihr Eigen nennen darf, wurde seinerzeit ein Erinnerungswert von jeweils 1 Euro festgelegt in der städtischen Bilanz. „Der Aufwand wäre auch viel zu hoch gewesen, alles schätzen zu lassen“, sagt Sven Wiertz. Denn: „Wir sammeln, um zu besitzen, nicht, um zu veräußern.“ Alles ist in einer Excel-Liste inventarisiert nach Künstler und Kunstwerk, Ort und ursprünglichem Preis − sofern er denn ermittelt werden konnte.

Wir sammeln, um zu besitzen, nicht, um zu veräußern.

Sven Wiertz

Bis Ende der 80er Jahre kaufte die Stadt verstärkt Kunst an, vor allem von Remscheider Künstlern. „Das stellte eine gewisse Form der Kunstförderung dar“, sagt Wiertz. Heute sind es nur noch ganz vereinzelte Käufe. Wie einer der neuesten Zugänge: „Junge Dame in Akt“, eine bildhauerische Arbeit von Heinrich Neumann, angekauft von einer niederländischen Stiftung. Oft sind es aber auch Schenkungen, wie zuletzt zwei Gerd-Arntz-Bilder. Manchmal gibt es Anfragen für Ausstellungen. Das Museum Folkwang hat beispielsweise zuletzt Arntz-Werke ausgestellt. „Was wir haben, geben wir auch raus, wenn es konservatorisch geht“, erklärt Dr. Andreas Wallbrecht, Leiter des Historischen Zentrums. Natürlich sind die Werke versichert.

Doch wo ist der ganze Kunstbesitz? Der RGA hat sich auf die Suche gemacht.

In einer Schublade findet Sven Wiertz einen Druck von einer alten Stadtansicht. „Die müsste aus dem 18. Jahrhundert sein.“

Archiv: Vom großformatigen Bild bis zum Druck oder historischen Fotos lagern hier vielfältige Objekte. Auch Skulpturen von Reinhard Mannesmann, Moritz Böker oder Arthur Rehbein sind dabei. Übrigens: Wer Interesse an Dokumentationen von Ausstellungen hat, kann sich bei Sven Wiertz oder Dr. Andreas Wallbrecht melden. Hier gibt es noch viele Exemplare. Während im Werkzeugmuseum alte Werkzeuge im Magazin lagern, sind die alten Geschäftsbücher oder Bilder der Firmengeschichte quasi nur einen Steinwurf entfernt im Archiv untergebracht.

Rathaus: Hier sind zum Beispiel die Ehrenbürger zu sehen. Im Standesamt gibt es auch eine alte Stadtansicht.

Rathaus Lüttringhausen: Otto von Bismarck und Ricahrd Gertenbach „hängen“ im Ratssaal in Lüttringhausen.

Büro von Dezernent Thomas Neuhaus: Den Raum zieren zwei Arntz-Drucke.

Auch Skulpturen besitzt die Stadt, zum Beispiel das Konterfei von Erich Becher, Reinhard Mannesmann oder Moritz Böker.

Zentralbibliothek: In der Zentralbibliothek an der Scharffstraße lagern zudem 550 Werke in der Graphothek, die sich jeder für gerade mal 5 Euro für drei Monate ins Wohnzimmer hängen kann. Der Remscheider Grafiker Gerd Arntz, der als Erfinder des modernen Piktogramms gilt, ist dabei genauso vertreten wie Floris Neusüss, Fotograf und Hochschullehrer. Auch Günter Lilge, Klaus Küster, Hubertus Kirchgässner, Ina von der Höh oder Wolfgang Tillmans sind vertreten. Auf einer CD sind alle Künstler und Werke hinterlegt. Die Bilder werden in einer Transporttasche herausgegeben. Wer mieten möchte, muss 18 Jahre alt sein und einen Bibliotheksausweis besitzen.

Lager in Dahlerau: Hier lagern nicht nur die zahlreichen alten Geräte und Röhren des Deutschen Röntgen-Museums, sondern auch Möbel von Haus Cleff. Auch in einem Lager in der Haddenbach sind Möbelstücke des bergischen Patrizierhauses untergebracht sowie im Haus Berger.

Von der Heydt-Museum: Im befreundeten Wuppertaler Museum lagern die Werke von Künstler Johann-Peter Hasenclever, solange Haus Cleff saniert wird. Wenn das Denkmal fertig saniert ist, sollen die Sammlungen Arntz und Hasenclever auch wieder hier einziehen.

Nachdem es keine städtische Galerie mehr gibt, stellt sich nun die Frage: Wo könnten die zahlreichen Werke ausgestellt werden? Dafür hat die Stadtverwaltung die Immobilie Markt 13 ins Auge gefasst. Der Raum werde im nächsten Schritt erst einmal neu gestrichen, sagt Wiertz. Wann er zu einer „städtischen Galerie light“ werden könnte, kann der Kulturdezernent allerdings nicht sagen. Die weitere Planung obliege dem Gebäudemanagement − und das sei zurzeit stark ausgelastet. Und was soll in Markt 13 einziehen? In einer der letzten Kulturausschusssitzungen hatte Kunstkenner Fritz Beinersdorf (Linke) einige Künstler vorgeschlagen, die hier ausgestellt werden könnten. Die Anregungen kamen an bei Sven Wiertz. „Wir wollen versuchen, eine Ausstellung mit Remscheider Künstlern zu realisieren.“

Neues Lager für Werkzeugmuseum

Um die vielen Exponate des Magazinbestandes des Deutschen Werkzeugmuseums fachgerecht unterzubringen und weil das Magazin aus allen Nähten platzt, möchte die Stadtverwaltung ein Gewerbeobjekt anmieten. Das geht aus dem nicht-öffentlichen Teil der Tagesordnung für die nächste Sitzung des Ausschusses für Kultur und Weiterbildung (Freitag, 10. Juni, 17 Uhr, Begegnungsstätte Historisches Zentrum) hervor. Einen Tag vorher soll der Hauptausschuss bereits über das Thema beraten.

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