Die Karriere des TV-Grandseigneurs

Thomas Gottschalk zum 65.: Seine Erfolge, seine Flops

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Schönes Geschenk zum 65. Geburtstag: Thomas Gottschalks Autobiografie "Herbstblond" ist auf Platz 1 der Bestsellerliste.

Berlin - The show must go on: An seinem 65. Geburtstag ist Thomas Gottschalk wieder dauerpräsent. Wir blicken zurück auf eine einzigartige Karriere mit Höhen und Tiefen.

65 Jahre und die Stunde null: Wenn andere Menschen beginnen, in privater Umgebung ihre Rente zu genießen, steht Profi-Entertainer Thomas Gottschalk an der Schwelle eines neuen, beruflichen Lebensabschnitts. Der langjährige „Wetten, dass..?“-Moderator, der 2011 mit feuchten Augen von der Bühne abtrat, schmiedet Zukunftspläne, auch wenn noch nicht so ganz klar ist, in welche Richtung der Zug abfährt.

Deutschlands Mattscheiben-Grandseigneur Nummer eins

Trotz diverser Flops: Gottschalk ist Deutschlands Mattscheiben-Grandseigneur Nummer eins. Keiner strahlt soviel Charme aus wie er, er begegnet seinen Gästen auf Augenhöhe, hat gute Manieren, humanistische Bildung und pflegt nicht so, wie andere Berufskollegen, künstlich bestgelaunt, übereifrig und hyperaktiv durch die Kulissen zu hopsen. Neben Hans-Joachim Kulenkampff, Peter Frankenfeld und Rudi Carrell ist sein Name in einem Atemzug zu nennen - und das für immer.

Nicht klar ist: Wird er für so einen Job noch gebraucht, will der Deutsche noch eine Show sehen, in der ein Strahlemann mit schriller Abendrobe und ausgebreiteten Armen die Showtreppe hinab schreitet?

Gottschalk selber, der an diesem Montag 65 Jahre alt wird, ist sich da auch nicht so sicher. Seine einstige Visitenkarte, „Wetten, dass..?“, ist abgeschafft, das ZDF hat die Show nach einem Quoten-Sinkflug (der schon unter Gottschalk begann) Ende 2014 mit Markus Lanz als Frontmann eingestellt. Gottschalk meint, in Serienform sei das Format am Ende. „Als Event einmal im Jahr könnte es aber funktionieren“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und öffnet sich mit dieser Aussage ein Hintertürchen.

Thomas Gottschalk: Seine größten Erfolge und Flops

„Wetten, dass..?“ war zwischen 1987 und 2011 Gottschalks Visitenkarte. Mit dieser Show feierte er seine größten Erfolge, 15 Millionen Zuschauer waren keine Seltenheit.

Die „Goldene Kamera“ gehörte auch zu den großen Glamour-Auftritten des Entertainers. Neben Hape Kerkeling, der die Preis-Gala auch manchmal moderierte, war Gottschalk über Jahre die klare Nummer eins.

„Die Supernasen“: Klamauk-Klassiker mit Fortsetzung der gröberen Humor-Auslegung. Mike Krüger war sein Partner. Viel wurde gespottet, aber auch viel geguckt. Zeitgeist der 80er Jahre.

Deutscher Fernsehpreis 2008: Eine Sternstunde des Zampanos, als Marcel Reich-Ranicki, der den Ehrenpreis ablehnte, ihm als Dank für die gelungene Moderation das „Du“ hinter der Bühne anbot.

„Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle“ ist zwar gemessen nach Quoten nicht der große Brüller geworden, aber das antipodische Doppel mit seinem alten Weggefährten Günther Jauch harmoniert.

„Gottschalk live“, der neue, hochgelobte Vorabend im späten Winter 2012. Mit vier Millionen Zuschauern fing das werktägliche Magazin im „Ersten“ an, das Interesse sank ins Bodenlose, im Juni war Schluss.

„Gottschalk America“ waren Reportagen aus Gottschalks Wohnzimmer USA, von 2002 bis 2004 im ZDF. Es zeigte sich: Wenn der Schuster nicht bei seinem Leisten bleibt, interessiert sich so recht keiner.

„Gottschalk Late Night“, die tägliche Spätshow auf RTL von 1990 bis 1992 auf RTL. Die Quoten waren aus heutiger Sicht gar nicht so schlecht, die Kritiken schlechter, die RTL-Geduld am schlechtesten.

„Musical-Showstar 2008“: Der Versuch des ZDF, seinem Star eine Castingshow zu verpassen, endete mit einem Flop, zumal fast gleichzeitig Sat.1 eine spektakulärere Show zum selben Thema sendete.

So begann Tommys Karriere

Gottschalk, im fränkischen Kulmbach als ältestes Kind schlesischer Auswanderer geboren, steht als typischer Fall einer deutschen Nachkriegsgeneration, die komplett in Friedenszeiten aufwuchs. Er brach zum Germanistik-Studium in die große Stadt (München) auf, tummelte sich auf Partys, liebte die Badeseen und fuhr ein Cabriolet. Er trat einfach vors Mikrofon, gewann mit seinem Naturtalent zum Reden auf Anhieb Fans und bahnte sich unaufhaltsam seinen Weg.

Gottschalk lernte die richtigen Leute kennen, unter anderem seinen langjährigen Förderer und späteren MDR-Intendanten Udo Reiter, der sich vergangenes Jahr das Leben nahm. Nicht so ohne weiteres selbstverständlich für die Generation Gottschalk ist, dass er seit 1976 mit derselben Frau (Thea) verheiratet ist. Mit ihr zog er ins kalifornische Malibu, auf das Schloss am Rhein und jetzt nach Berlin, mit ihr zog er zwei Söhne auf. Mittlerweile ist er Großvater.

Flucht nach vorne

Ob er es noch einmal packt, die Masse Mensch vor die Fernseher zu bewegen, bleibt offen. Vor seinem Geburtstag geht er nicht auf Tauchstation wie andere Prominente, er nutzt ihn kommerziell mit Glanz und Gloria: Seine Autobiografie „Herbstblond“ sprang in der Bestsellerliste auf Platz eins, am 18. Mai steht er im Berliner Admiralspalast auf der Bühne und moderiert für RTL seine eigene Personality-Show. Klappern gehört zum Handwerk, der Marktwert muss bleiben, das weiß das alte Zirkuspferd.

Und mit der Geburtstagsgala guckt er auch nach vorne: „Ich bin gespannt, wie die Show bei RTL bewertet wird“, sagte Gottschalk der Nachrichtenagentur dpa. „Da sind ja einige wilde Kerle über 60 unterwegs, zu denen ich nun mal gehöre. Wenn diese Programmfarbe dem Sender ein Publikum bringt, mit dem er etwas anfangen kann, beschaffe ich ihm das auch gerne weiterhin. Wir wollen Ende Mai darüber nachdenken, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen kann.“

Denn solange er sein „eigenes Verfallsdatum nicht überschritten“ habe (das erzählt Gottschalk schon seit ein paar Jahren), will er weiter im TV bleiben. Wenn nicht, wäre wohl das nächste, was man von ihn hören dürfte, der Nachruf, befürchtet er. Somit ist klar wie schon zu besten „Wetten, dass..?“-Zeiten: Gottschalk überzieht.

dpa

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