Verhaftung dank umstrittener Praxis

Google prüft E-Mails auf Kinderpornografie

Houston - Ein Mann, der kinderpornografische Bilder online verschickt hat, ist festgenommen worden, weil Google seine E-Mails überprüft hat. Datenschützer sind besorgt.

Am Donnerstag wurde ein 41-jähriger Angestellter eines Restaurants im texanischen Houston festgenommen, weil er per E-Mail kinderpornografisches Material versendet hatte. Der Internetriese Google hat den Behörden in den USA den entscheidenden Tipp gegeben. Der Mann nutzte ein E-Mail-Konto beim Google-Dienst GMail. Darin habe Google drei explizite Fotos gefunden, berichtete der Fernsehsender KHOU in Houston im US-Staat Texas. Über eine zentrale Stelle zur Meldung von Kindesmissbrauch seien lokale Behörden alarmiert wurden, die einen Durchsuchungsbefehl erwirkten. Sie fanden angeblich weitere kinderpornografische Bilder auf Tablet-Computer und Handy des Mannes und nahmen den Verdächtigen fest, berichtete der Fernsehsender.

Der Mann ist nach Angaben des Senders KHOU als Sexualstraftäter registriert und war vor 20 Jahren wegen sexuellen Missbrauchs eines achtjährigen Jungen verurteilt worden. Laut KHOU wurde er wegen Besitzes und Weiterverbreitung von Kinderpornografie angeklagt.

Datenschützer äußern Bedenken

Der Fall wirft für Google-Nutzer die Frage auf, wie der Konzern die E-Mails seiner Nutzer durchforstet. Bisher war lediglich bekannt, dass Google im Internet hochgeladene Bilder mit bekannten Fotos von Kinderpornografie abgleicht. Dafür bildet der Konzern eine Art digitalen Fingerabdruck, genannt Hash, für jedes bekannte Bild. Diese Hash-Werte werden mit neuen Fotos verglichen. Wird ein Bild wiedererkannt, wird es aus der Google-Suche entfernt. Damit soll die Verbreitung der Bilder eingedämmt werden. So soll dafür gesorgt werden, dass die Bilder nicht in Google-Suchergebnissen auftauchen.

Dass auch E-Mail-Postfächer bei GMail danach durchsucht werden, war nicht bekannt. Datenschützer äußerten sich deswegen besorgt. Technisch ließe sich ein automatischer Abgleich von Hashwerten problemlos auch in anderen Zusammenhängen anwenden, etwa bei der Suche nach illegalen Downloads. Es gab bereits Meldungen, dass Cloud-Anbieter in den USA auf diese Weise auf Urheberrechtsverstöße aufmerksam wurden.

Google verteidigt Praxis

Der US-Internetkonzern verteidigte jedoch die Praxis. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte am Montag auf AFP-Anfrage, Google nutze die entsprechende Technik nur, um in E-Mails seines Dienstes Gmail nach Bildern zu suchen, die Kindesmissbrauch zeigen. Nach Hinweisen auf andere Verbrechen - der Sprecher nannte als Beispiel die Verabredung zu einem Einbruch - suche Google nicht.

"Leider müssen sich alle Internetunternehmen mit Kinderpornografie beschäftigen", sagte der Google-Sprecher. Darum entferne das Unternehmen illegale Bilder aus seinen Diensten wie Gmail oder der Suchmaschine und melde die Funde dem NCMEC. Das Zentrum am Rande Washingtons hat die sogenannte CyberTipline eingerichtet, über die Internetunternehmen einen Verdacht auf Kindesmissbrauch direkt der zuständigen Polizeidienststelle melden können.

Mail-Durchforsten wäre in Deutschland illegal

In Deutschland wäre das präventive Durchleuchten aller verschickten E-Mails nach derzeit geltender Gesetzeslage prinzipiell unzulässig. Zwar verpflichtet das deutsche Telemediengesetz die Anbieter durchaus dazu, bei konkreten Hinweisen auf Verbrechen im Einzelfall aktiv zu werden, verdächtige Aktivitäten zu überprüfen und gegebenenfalls die Behörden zu informieren. Auf der anderen Seite ist die Online-Kommunikation hierzulande aber durch Grundgesetz und Telekommunikationsgesetz gesetzlich aber derart gut geschützt, dass eine anlasslose Daueranalyse verboten ist.

Erinnerungen an Microsoft-Skandal

Auch Microsoft stand wegen der Durchsuchung von E-Mail-Konten in der Kritik. Das Unternehmen hatte das Postfach eines Bloggers durchforstet, um herauszufinden, woher der Mann interne Informationen über Microsoft erhalten hatte. Es hagelte Kritik. Microsoft kündigte daraufhin an, in solchen Fällen künftig die Behörden einzuschalten und nicht auf eigene Faust in Mail-Konten von Nutzern zu stöbern.

AFP/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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