Verblüffender Trick

Gecko streift bei Angriff komplette Haut ab

+
Geckos auf Madagaskar können bei einem Angriff blitzschnell ihre gesamte Haut abstreifen. Der Angreifer bleibt mit einem Maul voller Schuppen zurück. Foto: Frank Glaw/Zoologische Staatssammlung München

Verzichtbares überlassen: Das ist eine Strategie vieler Tiere, um Feinden zu entkommen. Bei Eidechsen ist es der Schwanz, Seegurken schleudern Angreifern ihre Eingeweide entgegen. Ein neu beschriebener Gecko brachte mit seinem Trick selbst Forscher an Grenzen.

Madagaskar (dpa) - Geckos auf Madagaskar können bei einem Angriff blitzschnell ihre gesamte Haut abstreifen. Der Angreifer bleibe mit einem Maul voller Schuppen zurück, berichten Forscher im Journal "PeerJ".

Von vielen Eidechsen ist bekannt, dass sie ihren Schwanz abwerfen können, um dem Gefressenwerden zu entgehen. Bei den nun beschriebenen Geckos liegen die Hautschuppen nur an einigen Stellen am Körper an, so dass sich die Haut besonders leicht ablöst.

Die besondere Eigenheit machte es schwierig, überhaupt einigen der Tiere habhaft zu werden: Man habe die Tiere einfangen müssen, ohne sie zu berühren, erklärt Markus Scherz von der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Früher hätten Wissenschaftler mit Wattebäuschen versucht, solche Fischschuppengeckos zu fangen. Doch selbst beim Kontakt mit der weichen Watte hätten diese sich gehäutet. Für die aktuelle Untersuchung lockten die Forscher die Tiere deshalb in Plastiktüten.

Die im Ankarana-Reservat im Nordwesten Madagaskars gefundene Geckoart erhielt den Namen Geckolepis megalepis. Die Tiere hätten die größten Schuppen, die man bei Geckos bislang entdeckt habe, berichten die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass die großen Schuppen sich durch eine Art Hebelwirkung sogar noch leichter vom Körper lösen als bei verwandten Arten.

Auch die Bestimmung der Tiere sei schwierig gewesen, weil sich viele der Arten sehr ähnlich sähen, erklärt Scherz. Eigentlich bestimme man sie anhand der Struktur und der Lage der Schuppen - doch da die Tiere sich ständig gehäutet hätten, sei das kaum möglich gewesen. "Es ist ein Alptraum, Fischschuppengeckos zu bestimmen." Die Forscher durchleuchteten die Tiere schließlich via Mikro-Computertomografie (CT), um sie anhand ihres Körperbaus zu identifizieren.

Beeindruckend bei Fischschuppengeckos ist auch die Geschwindigkeit, mit der die Schuppen nachwachsen: Es dauert nur wenige Wochen, bis ihr Körper wieder komplett bedeckt ist - und es bleiben keine Narben zurück, obwohl zusammen mit den Schuppen auch ein Teil der Haut abreißt. Wie es den Tieren gelingt, so schnell zu regenerieren, ist noch nicht bekannt. Diese Frage ist besonders für die Medizin interessant: Möglicherweise ließen sich mit darauf basierenden Ansätzen Heilungsprozesse beim Menschen verbessern und beschleunigen.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

WhatsApp streicht wichtige Funktion - mit Folgen für viele Nutzer

WhatsApp streicht wichtige Funktion - mit Folgen für viele Nutzer

Nach dem Ende von iTunes: Apple verrät, wie es jetzt weitergeht

Nach dem Ende von iTunes: Apple verrät, wie es jetzt weitergeht

Fortnite bald verboten? Psychologe vergleicht das Game mit Heroin

Fortnite bald verboten? Psychologe vergleicht das Game mit Heroin

Achtung, Mäusekot! Viele Hantavirus-Infektionen erwartet

Achtung, Mäusekot! Viele Hantavirus-Infektionen erwartet

Ebola breitet sich aus: Erster Krankheitsfall in Uganda

Ebola breitet sich aus: Erster Krankheitsfall in Uganda

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren