Coronavirus und Krebs

Corona-Impfstoff von Biontech: mRNA-Forschung macht auch beim Kampf gegen Krebs Hoffnung

Der Erfolg des mRNA-basierten Corona-Impfstoffs wäre ein bedeutender Schritt für die Medizin. Das Verfahren könnte sich auch im Kampf gegen Krebs als Segen erweisen.

  • Biontech entwickelt einen Impfstoff gegen das Coronavirus mit einer Wirksamkeit von über 90 Prozent.
  • Bei dem Vakzin gegen das Coronavirus handelt es sich um einen neuartigen mRNA-Impfstoff.
  • Der Erfolg ebnet den Weg für weitere Forschung mit mRNA-Impfstoffen - auch gegen Krebs.

Mainz - Während die zweite Welle des Coronavirus Millionen von Menschen infiziert und die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, gibt es aus der Forschung positive Nachrichten. Wie das Unternehmen Biontech verkündete, ist ihr Impfstoff gegen das Coronavirus zu mehr als 90 Prozent wirksam. Derzeit bemüht sich die Firma aus Mainz um eine rasche Zulassung, auch in den USA durch das Partnerunternehmen Pfizer.

Doch was kann man nach dem Impfstoff von Biontech noch erwarten? Denn das Vakzin ist ein bedeutender Fortschritt in der Impfmedizin - möglicherweise auch gegen Krebs.

Corona-Impfstoff von Biontech: Was kann man von der mRNA-Forschung erwarten?

Das Prinzip des Corona-Impfstoffs mit dem Namen „BNT162b2“, den Biontech und Pfizer entwickeln, ist neuartig. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes mRNA-Vakzin. Noch nie zuvor wurde ein Impfstoff dieser Art zugelassen. Auch wurde noch keiner so schnell entwickelt. Getestet wurde es bislang an mehr als 40.000 Menschen, bevor Biontech eine Wirksamkeit von über 90 Prozent bekanntgab - deutlich höher als man erwartet hatte. Es werde demnach 28 Tage dauern, bis der Impfschutz aufgebaut ist. Nebenwirkungen habe man nicht feststellen können.

Ein Erfolg des mRNA-basierten Corona-Impfstoffs wäre ein bedeutender Schritt für die Medizin (Symbolbild).

Ein Grund für die Forschung mit mRNA-Vakzinen ist, dass die herkömmliche Entwicklung eines Impfstoffs Jahre dauert - zu lange, um angemessen auf akute Pandemien reagieren zu können. Zugleich könnten sich mRNA-Vakzine auch auf dem Gebiet der Krebsforschung als bahnbrechendes Medikament erweisen.

Corona-Impfstoff von Biontech: mRNA-Mittel gegen Krebs in der Studie

Das Biontech-Gründerpaar Uğur Şahin und Özlem Türeci hatte sich bereits länger mit einer möglichen Behandlung von Krebs, auf einer Grundlage der mRNA, auseinandergesetzt. Im Jahr 2017 veröffentlichten sie im „Nature“-Magazin eine Studie, wonach Krebs-Patient:innen jeweils angepasste mRNA-Mittel verabreicht wurden. Bei allen soll es zu einer positiven Antwort des Immunsystems gekommen sein. Acht von dreizehn sollen auch 12 bis 23 Monate im Anschluss keinen Rückfall erlitten haben.

Klinische Studien mit mRNA-Impfstoffen zur Wirksamkeit gegen verschiedene Arten von Krebs sollen bereits laufen. Die Mittel könnten Krebs nicht gänzlich verhindern, jedoch zurückdrängen und gegen Tumore helfen.

Corona-Impfstoff von Biontech: mRNA-Forschung kann gegen Krebs helfen

mRNA-Impfstoffe enthalten keine abgetöteten oder abgeschwächten Erreger, sondern Erbinformationen eines Virus. Sie fungieren - einfach ausgedrückt - als Bauanleitung für den Körper, eine eigene Abwehr zu bilden. Wie der „Spiegel“ berichtet, kam die Forschung mit mRNA lange nicht voran, da sie nach der Injektion in den Körper „verloren“ oder „kaputtging“, sich als instabil erwies. Im vergangenen Jahrzehnt hätten technische Fortschritte es ermöglicht, mRNA zu einem „vielversprechenden therapeutischen Werkzeug“ zu machen, so Norbert Pardi von der University of Pennsylvania.

In den nächsten Jahren könnten mRNA-Impfstoffe zudem vermehrt zur Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten und sogar in der Krebsforschung eingesetzt werden. Norbert Pardi zeigte sich dem „Spiegel“ gegenüber erfreut: „Es ist fantastisch, dass der mRNA-Impfstoff so gut ist.“ Der Immunologe Nicholas Jackson sprach von einem „historischen Ereignis“.

Corona-Impfstoff von Biontech: mRNA-Forschung bedeutend für die Krebs-Forschung

In Sachen Corona-Impfstoff gebe es zwar genügend Grund zur Hoffnung, mit einer Rückkehr zur Normalität sollte man allerdings nicht vor dem Winter 2021 rechnen, so Uğur Şahin in einem Interview mit der „BBC“. Dafür sei außerdem eine hohe Impfquote bis Herbst essentiell. Er sei jedoch zuversichtlich, dass es geschehen wird.

Ab „Ende dieses Jahres, Anfang nächsten Jahres“ könnte der Impfstoff ausgeliefert werden, sagte Uğur Şahin der „BBC“ in einem Interview - vorausgesetzt, alles läuft nach Plan. Einen großen Einfluss auf die Corona-Infektionszahlen wird das Vakzin deshalb noch nicht haben. Ein mittelfristiges Ziel sei die Auslieferung von 300 Millionen Dosen bis April. Dann sei auch ein erster Effekt sichtbar. Die ersten Dosen sind insbesondere für Risikogruppen und Arbeitende im Gesundheits- und Pflegebereich gedacht.

Auch Moderna entwickelt derzeit einen mRNA-Impfstoff gegen das Coronavirus - und konnte einen Durchbruch vermelden. Wie das US-Unternehmen am Montag (16.11.2020) bekanntgab, konnte eine Wirksamkeit von 94,5 Prozent nachgewiesen werden.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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