Wichtige Regelung

Rechts vor links: In welchen Fällen die bekannte Vorfahrtsregel nicht gilt

Rechts vor links gilt meist dann, wenn die Vorfahrt im Verkehr nicht auf andere Weise geregelt ist. Doch es gibt auch ein paar Ausnahmen.

Die Grundlagen für die Teilnahme am Straßenverkehr lernen die meisten schon in der Grundschule. In der Fahrschule wird es dann später noch einmal deutlich detaillierter – allerdings schwindet das angeeignete Wissen offensichtlich auch schnell wieder, wie kürzlich der umfangreiche Test eines Automobilclubs zeigte. Eine der Basis-Regeln im Straßenverkehr ist rechts vor links: Wer sich nicht daran hält, dem drohen unter Umständen sogar Punkte in Flensburg. Im Grunde gilt die Regel immer dann, wenn weder Ampeln, Verkehrszeichen noch die Polizei den Verkehr regeln. Allerdings gibt es auch ein paar Sonderfälle.

Rechts vor links: In welchen Sonderfällen die Vorfahrtsregel nicht gilt

Festgehalten ist die Rechts-vor-links-Regel in §8 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Vorfahrt an Kreuzungen ohne anderslautende Regelung hat immer derjenige, der von rechts kommt. Das gilt nicht nur für motorisierte Fahrzeuge, sondern auch für Fahrrad- und Pedelec-Fahrer. Es gibt dabei einen Sonderfall, der aber tatsächlich sehr selten auftritt – und zwar wenn gleichzeitig vier Fahrzeuge an einer Kreuzung ankommen. In diesem Fall müssen sich die Fahrer per Handzeichen darüber verständigen, wer zuerst losfährt.

Unbekannte Verkehrszeichen: Kennen Sie die Bedeutung von allen Schildern?

StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Das Verkehrszeichen für den Überholverbot dürfte allen Autofahrern bekannt sein. Dieses neue Straßenschild ist eine Abwandlung dessen. Es gilt explizit als Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen. Das bedeutet in Straßenabschnitten, die mit diesem Verkehrszeichen ausgeschildert sind, dürfen mehrspurige Fahrzeuge (Autos, LKWs) keine Motorräder oder Fahrräder überholen. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Auch dieses Straßenschild dient dem Schutz von Fahrradfahrern. Es markiert einen Bereich, der als Fahrradzone gilt. Das bedeutet für Autofahrer, dass sie ab diesem Schild maximal mit Tempo 30 km/h fahren dürfen. Außerdem dürfen sie den Radverkehr weder gefährden noch behindern. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Mal Hand aufs Herz: Vermutlich haben viele Radfahrer ohnehin von dieser Regelung Gebrauch gemacht - auch wenn sie bislang als Verstoß gewertet wurde. Jetzt ist das rechts Abbiegen an einer roten Ampel offiziell erlaubt - zumindest dort, wo der Grünpfeil für Radfahrer das kennzeichnet.  © Bundesanstalt für Straßenwesen
Abbiegepfeil für Autofahrer
Das gleiche Verkehrszeichen gibt es seit geraumer Zeit auch für Autofahrer. Doch es herrscht weiterhin noch viel Unwissenheit unter den Verkehrsteilnehmern bezüglich des Grünpfeils. Denn korrekterweise muss man sich hierbei wie bei einem Stoppschild verhalten. Das bedeutet, das Fahrzeug muss zunächst vollständig anhalten und laut Straßenverkehrsordnung mindestens drei Sekunden stehenbleiben. Erst dann darf man bei einer roten Ampel rechts abbiegen, sofern kein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet wird. Die gleichen Regelungen gelten auch für Radfahrer.  ©  Malte Christians/dpa (Archivbild)
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Dieses Verkehrszeichen kennzeichnet Radschnellwege unabhängig von der Beschaffenheit der Straße. Zum Beispiel bei sandigen Straßen soll so kenntlich gemacht werden, dass es sich um einen Radschnellweg handelt. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Mit diesem Straßenschild sollen künftig Bereiche für Lastenfahrräder freigehalten werden, wie etwa Parkbereiche, Abstellflächen oder Ladezonen. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Fahrzeuge von Carsharing-Diensten müssen mit dieser Plakette an der Windschutzscheibe klar erkennbar sein. Der Firmenname sowie das Kennzeichen müssen darauf zu sehen sein.  © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
PKWs, LKWs, Fahrräder, Fußgänger: Die meisten Verkehrsteilnehmer haben ein entsprechendes Sinnbild für Verkehrszeichen. Ab sofort gibt es auch eins für Fahrgemeinschaften. Allerdings gibt es noch keine Bereiche, wo dieses zum Einsatz kommen könnte. Ähnliches gilt beim folgenden Verkehrsschild. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Auch Carsharing-Fahrzeuge bekommen ein eigenes Sinnbild. Es soll unter anderem in Parkbereichen eingesetzt werden, die für Carsharing-Autos bestimmt sind. © Bundesanstalt für Straßenwesen
Speedmarathon in Baden-Württemberg
Temposünder und Falschparker müssen davon abgesehen seit 9. November 2021 tiefer in die Tasche greifen. Der erneuerte Bußgeldkatalog sieht härtere Strafen vor: Wer beispielsweise innerorts 16 bis 20 Kilometer pro Stunde (km/h) zu schnell fährt und geblitzt wird, der zahlt 70 Euro statt wie früher 35 Euro. Höhere Geldstrafen gibt es auch für jene, die verbotswidrig auf Geh- und Radwegen parken, unerlaubt auf Schutzstreifen halten oder in zweiter Reihe parken und halten. So kostet das Parken in zweiter Reihe nun 55 statt 20 Euro, noch teurer wird es, wenn andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden. Neu ist außerdem eine Geldbuße von 55 Euro für unberechtigtes Parken auf einem Parkplatz für elektrisch betriebene Fahrzeuge und Carsharing-Fahrzeuge. © Uwe Anspach/dpa (Archivbild/Symbolbild)

Doch es gibt noch einige andere Spezialfälle, in denen rechts vor links nicht gilt:

  • Im Kreisverkehr: In Deutschland haben die Fahrzeuge, die sich im Kreisel befinden, Vorfahrt. Blinken muss man übrigens nur beim Verlassen des Kreisverkehrs.
  • Bei Grundstückseinfahrten: Wer hier hinausfährt, ist nicht vorfahrtsberechtigt – gleiches gilt für Fahrzeuge, die über einen abgesenkten Bordstein in eine Straße einfahren.
  • Bei Wald- und Forstwegen: Fahrzeuge, die hier hinausfahren, sind ebenfalls nicht nach der Rechts-vor-links-Regel vorfahrtsberechtigt.

Rechts vor links: Besondere Vorsicht ist auf Großparkplätzen geboten

Besondere Vorsicht ist übrigens auf Großparkplätzen von Einkaufszentren oder Supermärkten geboten: Denn hier gilt die Rechts-vor-links-Regel nicht automatisch, wie viele meinen. Und zwar auch dann nicht, wenn dort per Schild auf die Geltung der StVO hingewiesen wird. In einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main (Az.: 17 U 21/22) wies das Gericht darauf hin, dass Fahrgassen auf Parkplätzen „keine dem fließenden Verkehr dienenden Straßen seien“ und deswegen auch keine Vorfahrt gewährten. Stattdessen gelte dort an Kreuzungen das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme.

Rechts vor links: Auch Schilder können die Vorfahrtsregel anordnen

Dafür gibt es Schilder, die Rechts-vor-links anordnen: zum Beispiel das schwarze Kreuz vor einem roten Dreieck. Und auch ein Schild, das auf eine Tempo-30-Zone hinweist, lässt die Rechts-vor-links-Regel gültig werden – es sei denn, in Ausnahmefällen wird die Vorfahrt anders geregelt.

Wer sich nicht an die Rechts-vor-links-Regel hält, dem droht laut ADAC ein Bußgeld in Höhe von 25 Euro. Kommt es zu einer Gefährdung, werden 100 Euro fällig, dazu gibt es einen Punkt in Flensburg. Bei einer Missachtung mit Unfallfolge kommen zum Flensburger Punkt noch 120 Euro Bußgeld.

Rubriklistenbild: © Markus Hoetzel/Imago

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