Testfahrt im Vierzylinder

Porsche: Boxt sich der 718er durch?

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Autorin Katrin Basaran durfte den Porsche 718 Boxster schon mal fahren.

Irgendwie ist sie gleich da, diese Verschmelzung, diese Symbiose mit dem Wagen. Man wird beim Hineinsetzen vom 718 Boxster S umarmt wie von einem guten Freund.

Und auch wenn zunächst noch ein wenig Distanz bleibt– immerhin haben wir es im S-Modell mit 350 PS zu tun –, fühlt man sich eingeladen, diese Distanz zu überwinden. Es geht darum, Vertrauen zu schaffen, Vertrauen in die Fähigkeiten dieses Mittelmotor-Sportwagens, den Jan Roth, 718-Modellreihenleiter, vorstellt als „den schärfsten Box­ster, den es je gegeben hat“.

Zum 20. Geburtstag wurde an dem Roadster, der in Anlehnung an seinen Urahn 718 Boxster heißt, ordentlich gefeilt. Neben allerlei optischen Aufwertungen – an den Vorgänger erinnern lediglich Windschutzscheibe, Verdeck und Kofferraumklappe – ist die wichtigste Neuerung eine technische und die zugleich bitterste Pille, die Porsche-Fans zu schlucken haben: Statt des alten Sechszylinder-Saugers treibt nun ein Vierzylinder-Boxer mit Turboladung das kleine Geschoss an. Ein Tribut an die EU-Vorgaben zum CO2-Flottenverbrauch. Dabei liefern die maßgeschneiderten Motoren mit zwei bzw. 2,5 Litern Hubraum ordentlich ab: Beim 718 Boxster gibt es ein sattes Drehmoment-Plus von 35 Prozent auf 380 Nm, das ab 1 950 U/min und bis 4 500 U/min zur Verfügung steht. Damit geht’s in 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h. Beim 718 Boxster S stieg das Drehmoment um 17 Prozent sogar auf 420 Nm in einem Drehzahlbereich zwischen 1900 U/min und 4500 U/min. Der 718 Boxster kommt nunmehr auf 300 PS, das S-Aggregat auf 350 PS.

Porsche Sound - der Neue klingt anders

Dennoch ist es nicht zu leugnen: Auch wenn die Sounddesigner gute Arbeit geleistet haben, vom alten Porsche-Geblubber ist man meilenweit entfernt. Der Neue klingt anders – je nach Fahrmodus heiser, bisweilen auch giftig und sirrend wie ein Rennwagen. Kurzum: eigen und irgendwie unverwechselbar.

Wer sich mit dem neuen Porsche-Konzert partout nicht anfreunden kann oder will, dürfte bei der Ausfahrt versöhnt werden. Das Ansprechverhalten ist begeisternd, vom allseits gefürchteten Turboloch nichts zu spüren. Das fein abgestimmte Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe treibt den S in urgewaltigen 4,2 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Spitze ist bei 284 km/h erreicht. Auf der Nürburgring Nordschleife erreiche man damit eine Rundenzeit von 7.42 Minuten, betonen die Macher stolz – da war der Vorgänger 16 Sekunden langsamer.

Und der Fahrspaß geht noch weiter: Agil und präzise zirkelt der Wagen dank direkt übersetzter Lenkung (aus dem 911 Turbo übernommen) durch Kurven und um eng stehende Pylonen – wenn hier ein rot-weißes Hütchen wegfliegt, dann, weil der Fahrer versagt.

Für schnelle Manöver: Der Sport-Response-Knopf stellt für 20 Sek. Motor und Getriebe noch schärfer.

Eine Neuerung im Inneren ist der Sport Response Button direkt am Lenkrad, den es wie bei den 911-Modellen in Verbindung mit Sport-Chrono-Paket und PDK-Getriebe gibt. Inspiriert vom Rennsport werden damit Motor und Getriebe für 20 Sekunden auf spontanes Ansprechen vorbereitet. Der Ladedruck wird deutlich schneller aufgebaut, das PDK schaltet zurück – im Ergebnis schießt der Boxster regelrecht davon. Bei schnell einzuleitenden Überholmanövern auf der Autobahn zum Beispiel von Vorteil.

Klar kann man im 718 Boxster auch entspannt cruisen. Runterkommen, abschalten. Trotz der etwas anderen Begleitmusik aus den Endrohren. Ja, wir glauben: Dieser Boxster boxt sich durch!

Der 718 Boxster steht ab Ende April zu Preisen ab 53.646 Euro beim Händler, das S-Modell ab 66.141 Euro. 

K. Basaran

Porsche 718 Boxster

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