400 Kilometer Reichweite

Der neue Elektro-Bus von Mercedes - erste Niederlage für Tesla

Mercedes EQV
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Mercedes schickt den vollelektrischen EQV ins E-Mobility-Rennen.

Schneller als Tesla, noch schneller als Volkswagen. Mit dem Elektrobus EQV geht Mercedes Benzin in die E-Offensive. Das Beste: Die elektrische Großraumlimousine ist kaum teurer als der Diesel und schafft 400 Kilometer Reichweite.

  • Die Elektro-Variante bietet genauso viel Platz wie die normale V-Klasse.
  • 204 PS und 362 Nm Drehmoment bringen den 2,7-Tonner in Schwung.
  • Aber der Computer reagiert sofort, wenn der Fahrer es krachen lässt.

Erst im Juli 2020 hat es Elon Musk, der Mastermind von Tesla*, wieder getan. Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen sprach er von einem „Fahrzeug mit hoher Kapazität“, das der amerikanische Autobauer auf den Markt bringen will. Einen Elektrobus „mit hoher Passagierdichte für den städtischen Verkehr“, kündigten die Kalifornier schon 2016 an.

Doch jetzt macht Mercedes-Benz das Rennen. Zumindest im Premium-Sektor. Kein Tesla in Sicht, und auch bei VW dauert es noch, bis der elektrische Bulli auf den Markt kommt. 2022 heißt es dazu in Hannover. Bis dahin gibt es den T6 als Elektro-Umbau von Abt. Das Pendant von Daimler kann man hingegen schon in diesem Herbst kaufen. EQV heißt die elektrische V-Klasse und sie ist das zweite Mitglied der EQ-Familie.

Mercedes EQV: Blau und Rosé-Gold – es lebe der kleine Unterschied

Abgesehen von Kleinigkeiten und dem Kühlergrill der an den EQC erinnert, sieht die elektrifizierte V-Klasse so aus wie der Verbrenner.

Der Unterschied zur normalen V-Klasse ist marginal. Zumindest optisch. Der Kühler wurde nur leicht verändert, ist geschlossen und erinnert an den nur mäßig erfolgreichen Elektro-SUV EQC. Ab und zu mal die Farbe Blau, hier und da eine Applikation in Rosé-Gold - aber sonst ist das eine völlig normale V-Klasse, wie wir uns bei der ersten Sitzprobe Ende 2019 schon überzeugen konnten. Und das ist gut: Denn obwohl die 90 kWh-Batterie untergebracht werden musste, bleibt das Platzangebot (8-Sitzer) das gleiche. Dazu wurden die Zellen im Unterboden eingebaut. Das bringt auch einen tieferen Schwerpunkt. Mit Sicherheit ein Plus beim Fahrverhalten. Dafür ist die Bodenfreiheit nicht mehr so üppig, aber schließlich muss man mit dem EQV auch nicht ins Gelände. Allradantrieb gibt es sowieso nicht, es bleibt dabei: die Power wird auf die Vorderachse geschickt.

Mit Platz für bis zu acht Personen eignet sich der EQV neben dem Familieneinsatz aber auch als Taxi oder als Limousine im Shuttle-Service.

20 Kilometer schneller – das kostet 200 Euro extra

Knapp zehn Sekunden braucht der EQV mit seinen 150 kW (204 PS), um Tempo 100 zu erreichen. Bei 140 km/h ist allerdings Schluss. Natürlich kann man sich die Top-Geschwindigkeit für einen kleinen Aufpreis von unter 200 Euro auf 160 km/h Spitze freischalten lassen. AMG Elektro light! Ob es das bringt? Schließlich kostet Geschwindigkeit immer Energie. Das ist auch der Grund, warum der EQV jenseits der 120 km/h nur noch homöopathisch beschleunigt. Von daher kann man getrost empfehlen: Die 200 Euro sparen oder sie gleich in solch sinnbringende Techniken wie die Luftfederung Airmatic stecken.

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Wer friert, hat mehr von der Reichweite

Beim Energiemanagement, wie man den Verbrauch eines Fahrzeugs im Elektro-Zeitalter umschreibt, kann sich der Pkw-Lenker voll einbringen. Zum einen über die verschiedenen Fahrprogramme. Bei C(omfort) und S(port) steht die volle Leistung mit einem Drehmoment von 362 Newtonmetern (Nm) zur Verfügung und die Klimaanlage läuft auf vollen Touren. Dafür aber schmilzt die Reichweite dahin. 250 Kilometer – mehr sind dann bei dynamischer Fahrweise vermutlich nicht mehr drin.

Der Bildschirm zwischen Tacho und elektrischer Leistungsanzeige meldet die akutelle Reichweite in Echtzeit.

Sparsamere Zeitgenossen wählen die Stufe E. Hier stehen nur 100 kW (131 PS) Leistung zur Verfügung, die Klimaanlage läuft normal. Bei E+ wird es gefährlich – zumindest, wenn die Beifahrerin leicht friert. Denn dann läuft die Heizung nur noch im eingeschränkten Betrieb und die Motorleistung schrumpft um fast die Hälfte auf 109 PS. Dafür sind Energiebilanz und damit die Reichweite besser.

Die E-Maschine sitzt da, wo man auch die Verbrennermotoren findet. Von hier aus wird die Frontachse angetrieben, Allrad gibt es nicht.

Diese V-Klasse fährt sich mit einem einzigen Pedal

Außerdem kann der Fahrer den Energieverbrauch über die Rückgewinnung von Bremsenergie* beeinflussen. Vom einfachen Segeln – hier findet keine Rekuperation statt – bis zum „Ein-Pedal-Fahren“ ist hier alles möglich. Bei Letzterem holt sich das System das Maximum an Power zurück. Es ist schon beeindruckend, wie so ein 2,7-Tonner auf den Punkt stehen bleibt, wenn man rechtzeitig vom Gaspedal geht. Gleiches gilt für den e-Sprinter von Daimler, den wir schon durch München bewegen konnten.

Zehn Stunden Boxenstopp für eine volle Ladung

Um die Reichweiten-Angst bei so einem Fahrzeug abzubauen, gibt es zwei wichtige Parameter. Einmal, wie schnell so ein E-Auto auflädt. Beim EQV sind es 45 Minuten, um wieder 80 Prozent Batteriekapazität zu haben. Vorausgesetzt man findet eine Gleichstrom-Zapfsäule mit 110 kW. Für größere Taxiflotten oder Chauffeurservices mag sich so ein Investment durchaus rechnen. Wer den EQV privat als Sport-Van oder Familienkutsche nutzen will, der ist schon über eine Wallbox froh. Knapp zehn Stunden dauert es, bis der Daimler-Bus wieder voll einsatzfähig ist.

Als Familienkutsche ist die Mercedes V-Klasse beliebt. Jetzt gibt es den Van auch mit elektrischem Antrieb für den gemeinsamen Ausflug am Wochenende.

Passend zum Thema: Tankstellen müssen jetzt auch Ladesäulen für E-Autos aufstellen*.

Den Schnellfahrer bestraft die Batterie

Eine andere Methode, um Reichweitenpanik zu vermeiden, sind intelligente Bordsysteme, die anhand der Navi-Daten genau ausrechnen, wie lang der Akku noch hält und wo man gegebenenfalls auf der Strecke auftanken kann. Das ist bei E-Autos schon fast Standard, beim EQV natürlich auch. Aber hier geht noch viel mehr. Während der Fahrt wird die Reichweite in Echtzeit angezeigt. Das heißt zur Berechnung, wie lange die Batterie noch Power hat, werden Daten wie Verkehrsfluss, Topografie (flaches oder bergiges Gelände) und Außentemperaturen herangezogen. Außerdem fließt der Fahrstil mit ein. Ändert der Fahrer sein Verhalten, hat das auch sichtbare Auswirkungen auf die Akkuladung. Mehr Speed weniger Reichweite

Hinter der großen Heckklappe verbergen sich bis zu acht Sitze und ein Kofferraumvolumen bis zu 1410 Litern. Taxitauglich.

Wunschtemperatur schon vor Fahrtantritt

Den EQV kann man in zwei Karosserievarianten bestellen. „Lang“ mit 5,14 Meter und „Extra Lang“ mit 5,37 Metern Länge – das wird dann aus dem gemütlichen Sechssitzer ein bequemer Achtsitzer. Das Kofferraumvolumen liegt dann immer noch bei 1.410 Litern. Fahrer und Beifahrer fühlen sich allerdings nicht wie in einem Transporter oder Bus, sondern eher wie in einer Limousine. Dazu trägt auch der 10,25 Zoll große Infotainment*-Bildschirm bei. Er ist der sichtbare Vorbote des MBUX-Systems, mit dem die elektrische V-Klasse jetzt ausgestattet ist. Über dieses Tablet oder die Mercedes me-App lassen sich so angenehme Funktionen wie eine bestimmte Wunschtemperatur vor Fahrantritt realisieren.

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Elektro-Bus fast genauso günstig wie der Diesel

Und da wäre noch der Preis: Mit knapp 70.000 Euro brutto (16 Prozent Mehrwertsteuer) liegt der EQV im förderwürdigen Bereich. Das heißt hier bekommt man 7.500 Euro E-Prämie*. Und damit zahlt man, je nach Ausstattung, etwa so viel wie für die V-Klasse 250d. Zum Vergleich: Der Opel Zafira e-Life bietet ähnlich viel Platz mit dem großen Radstand und kostet mit der 75kWh-Batterie (330 Kilometer Reichweite) rund 55.000 Euro in einer nicht besonders ausgestatteten Variante, abzüglich der Prämie natürlich.

In etwa der gleichen Region liegt der Liefer-Van von Mercedes. Der e-Vito hat die gleiche Karosserie und denselben Antriebsstrang. Wer den e-Vito nicht kennt, der wird ihn noch kennenlernen. Spätestens dann, wenn das Päckchen von Amazon kommt. Der Versandriese hat erst Ende August 600 dieser Fahrzeuge für seine europäische Flotte bestellt. Auch damit ist Mercedes der Konkurrenz von Tesla und VW ein weites Stück voraus. (Rudolf Bögel) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Datenblatt Mercedes EQV 300 (Lang)

Leistung:150 kW / 204 PS (Peak) / 70 kw / 95 PS (Dauer)
Drehmoment:362 Nm
Batteriekapazität:90 kWh
Ladedauer:ca. 10 Stunden (Wallbox, 100 Prozent) / ca. 45 min (Schnelllader, 110 kW, 80 Prozent)
Reichweite:bis zu 418 km
Länge / Breite / Höhe:5,14 / 2,24 / 1,91 Meter
Leergewicht/Zul.:2.735 / 747 kg
Anhängelast:nicht vorgesehen
Kofferraum:1.030 l (bis 1.410 extralang)
0-100 km/h:ca. 10 Sekunden
Spitze: 140 km/h (Serie)
Normverbrauch: 28,1 kWh / 100 km (WLTP)
CO2-Emission:0 g/km
EnergieeffizienzA+
Preis69.588 Euro

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Knigge für E-Auto-Fahrer: Mit diesen Tipps fährt es sich einfach besser

Nissan Leaf an einer Ladesäule.
1. Teilen: Geben Sie das eigene Know-how an andere E-Auto-Fahrer in Foren und Apps weiter, zum Beispiel, wenn neue Ladestationen eröffnet werden. © Nissan
Eine bessere digitale Zusammenarbeit der Behörden soll das Antragsverfahren für E-Autos beschleunigen. Foto: Roland Weihrauch/dpa
2. Rücksicht nehmen: An öffentlichen Ladestationen nie das Ladekabel aus anderen E-Autos-ziehen. Das ist rücksichtslos und kann zudem zu Beschädigungen führen. © Roland Weihrauch
Symbol von E-Lade-Parkplatz
3. Parken: Auch wenn E-Autos an Ladestationen oft gratis parken, sollte man sein Auto nicht dort abstellen, wenn man es nicht laden will. Ein anderer E-Auto-Fahrer könnte den blockierten Platz dringend gebrauchen und ist froh über den Platz am Stecker. © dpa/Patrick Pleul
Autos mit Plug-in-Hybridtechnik kombinieren einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einer E-Maschine und einem Akku. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
4. Akkupflege: Die Batterie nicht vollständig entleeren. Steht der Wagen längere Zeit, sollte man etwa alle 90 Tage auf 80 Prozent laden und dabei den Long-Life-Mode anwenden (siehe Bedienungsanleitung). © Patrick Pleul
Im Inneren eines Teslas drückt ein Mann auf den Touchscreen.
5. Planung: Ladestopps unterwegs können mit diversen Apps und Kartendiensten gut geplant werden. Oft sind die Stationen auch im bordeigenen Navi einprogrammiert. © dpa/Sven Hoppe
Ein weißer Tesla wird an einer Elektroladesäule aufgeladen (Symbolbild).
6. Kommunikation: Wer nur für kurze Zeit laden muss, kann am Auto eine Notiz hinterlassen, wie lange man noch an der Ladestation stehen wird – das hilft den Wartenden bei ihrer Planung. © Friso Gentsch/dpa
Ein Mann misst den Reifendruck während sein Elektroauto auflädt.
7. Reifendruck: Am energieeffizientesten fährt man mit dem vom Hersteller empfohlenen Reifendruck. © dpa/Bernd Weißbrod
Getestet wurden stichprobenartig 20 Gerätegruppen. Oft liegt der Stromverbrauch höher als erwartet. Foto: Tobias Hase
8. Ladeoptionen: Wer seine Fahrten vorausplanen kann, nutzt alle Möglichkeiten des Aufladens: Haushaltststeckdose, Wallbox und Schnellladesäule. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern auch den Akku. © dpa/Tobias Hase
Müll liegt neben einem Parkplatz
9. Rücksicht: Öffentliche Ladesäulen sollte man pfleglich behandeln, damit der nächste E-Auto-Fahrer ebenfalls problemslos Strom nachladen kann. Auch wenn die Station etwas abgelegen ist – sie ist kein Müllabladeplatz! © dpa/Uwe Zucchi

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