Viele liegen falsch

Gültigkeit von Tempolimits: Endet die Begrenzung an der nächsten Kreuzung?

Es gibt in Deutschland unzählige Tempolimit-Schilder – aber endet eine Geschwindigkeitsbegrenzung tatsächlich an der nächsten Einmündung oder Kreuzung?

Viele Ausländer sind von Deutschland vor allem von einer Sache beeindruckt: der Autobahn. Schließlich dort kann man so schnell fahren, wie man will – und das ist bekanntlich in kaum einem anderen Land auf der Welt möglich. Und so donnerte vor nicht allzu langer Zeit ein tschechischer Millionär in seinem Bugatti Chiron tatsächlich mit 417 km/h über einen Autobahnabschnitt auf der A2. In der Realität sieht es dennoch zumeist etwas anders aus. Auf vielen Autobahnabschnitten gilt mittlerweile auch in Deutschland längst ein Tempolimit. Doch wie lange gilt so eine Geschwindigkeitsbegrenzung?

Tempolimit: Wie lange gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung?

Beim Thema Verkehrsregeln gibt es zahlreiche Mythen – und auch was die Gültigkeit von Tempolimits angeht, scheint genau das der Fall zu sein. Denn viele Autofahrer sind der Meinung, eine Geschwindigkeitsbegrenzung ende an der nächsten Kreuzung – oder im Falle einer Autobahn an der nächsten Auffahrt. Doch das ist nur ein Gerücht, wie die Juristen des ADAC erklären. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung ende grundsätzlich erst mit dem Aufhebungsschild – oder innerorts am Ortsausgangsschild. Weil die Verbotsschilder nicht nach jeder Einmündung wiederholt würden, könne einem ortsunkundigen Autofahrer auch kein Tempo- oder Überholverstoß vorgeworfen werden, wenn er nach dem Einbiegen kein Verkehrszeichen passiere.

Wie lange gilt ein Tempolimit? So mancher Autofahrer sitzt in dieser Frage einem Irrglauben auf. (Symbolbild)

Gültigkeit von Tempolimits: Spezialfall Gefahrenstelle

Anders sieht es dagegen beispielsweise an Gefahrenstellen wie Baustellen oder Schulen aus. Wie Stefan Ehl, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigenorganisation KÜS erklärt, ende das Tempolimit in diesen Fällen ohne ein Aufhebungsschild, wenn die Gefahrenstelle offensichtlich passiert sei. Ebenso ende das Tempolimit automatisch, wenn die Beschränkung laut Beschilderung nur für eine bestimmte Streckenlänge gilt. Autofahrer können dies an einem kleinen Zusatzschild mit einer Meterangabe und zwei Pfeilen erkennen.

Unbekannte Verkehrszeichen: Kennen Sie die Bedeutung von allen Schildern?

StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Das Verkehrszeichen für den Überholverbot dürfte allen Autofahrern bekannt sein. Dieses neue Straßenschild ist eine Abwandlung dessen. Es gilt explizit als Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen. Das bedeutet in Straßenabschnitten, die mit diesem Verkehrszeichen ausgeschildert sind, dürfen mehrspurige Fahrzeuge (Autos, LKWs) keine Motorräder oder Fahrräder überholen. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Auch dieses Straßenschild dient dem Schutz von Fahrradfahrern. Es markiert einen Bereich, der als Fahrradzone gilt. Das bedeutet für Autofahrer, dass sie ab diesem Schild maximal mit Tempo 30 km/h fahren dürfen. Außerdem dürfen sie den Radverkehr weder gefährden noch behindern. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Mal Hand aufs Herz: Vermutlich haben viele Radfahrer ohnehin von dieser Regelung Gebrauch gemacht - auch wenn sie bislang als Verstoß gewertet wurde. Jetzt ist das rechts Abbiegen an einer roten Ampel offiziell erlaubt - zumindest dort, wo der Grünpfeil für Radfahrer das kennzeichnet.  © Bundesanstalt für Straßenwesen
Abbiegepfeil für Autofahrer
Das gleiche Verkehrszeichen gibt es seit geraumer Zeit auch für Autofahrer. Doch es herrscht weiterhin noch viel Unwissenheit unter den Verkehrsteilnehmern bezüglich des Grünpfeils. Denn korrekterweise muss man sich hierbei wie bei einem Stoppschild verhalten. Das bedeutet, das Fahrzeug muss zunächst vollständig anhalten und laut Straßenverkehrsordnung mindestens drei Sekunden stehenbleiben. Erst dann darf man bei einer roten Ampel rechts abbiegen, sofern kein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet wird. Die gleichen Regelungen gelten auch für Radfahrer.  ©  Malte Christians/dpa (Archivbild)
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Dieses Verkehrszeichen kennzeichnet Radschnellwege unabhängig von der Beschaffenheit der Straße. Zum Beispiel bei sandigen Straßen soll so kenntlich gemacht werden, dass es sich um einen Radschnellweg handelt. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Mit diesem Straßenschild sollen künftig Bereiche für Lastenfahrräder freigehalten werden, wie etwa Parkbereiche, Abstellflächen oder Ladezonen. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Fahrzeuge von Carsharing-Diensten müssen mit dieser Plakette an der Windschutzscheibe klar erkennbar sein. Der Firmenname sowie das Kennzeichen müssen darauf zu sehen sein.  © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
PKWs, LKWs, Fahrräder, Fußgänger: Die meisten Verkehrsteilnehmer haben ein entsprechendes Sinnbild für Verkehrszeichen. Ab sofort gibt es auch eins für Fahrgemeinschaften. Allerdings gibt es noch keine Bereiche, wo dieses zum Einsatz kommen könnte. Ähnliches gilt beim folgenden Verkehrsschild. © Bundesanstalt für Straßenwesen
StVO-Novelle 2020: Diese Straßenschilder sind neu im Verkehr
Auch Carsharing-Fahrzeuge bekommen ein eigenes Sinnbild. Es soll unter anderem in Parkbereichen eingesetzt werden, die für Carsharing-Autos bestimmt sind. © Bundesanstalt für Straßenwesen
Speedmarathon in Baden-Württemberg
Temposünder und Falschparker müssen davon abgesehen seit 9. November 2021 tiefer in die Tasche greifen. Der erneuerte Bußgeldkatalog sieht härtere Strafen vor: Wer beispielsweise innerorts 16 bis 20 Kilometer pro Stunde (km/h) zu schnell fährt und geblitzt wird, der zahlt 70 Euro statt wie früher 35 Euro. Höhere Geldstrafen gibt es auch für jene, die verbotswidrig auf Geh- und Radwegen parken, unerlaubt auf Schutzstreifen halten oder in zweiter Reihe parken und halten. So kostet das Parken in zweiter Reihe nun 55 statt 20 Euro, noch teurer wird es, wenn andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gefährdet werden. Neu ist außerdem eine Geldbuße von 55 Euro für unberechtigtes Parken auf einem Parkplatz für elektrisch betriebene Fahrzeuge und Carsharing-Fahrzeuge. © Uwe Anspach/dpa (Archivbild/Symbolbild)

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Gültigkeit von Tempolimits: Was ist mit der Richtgeschwindigkeit?

Was viele auch nicht wissen: Selbst wenn es auf einem Autobahnabschnitt kein Tempolimit gibt, kann Rasern Ärger drohen. So bekam kürzlich der Fahrer eines Audi RS6 Avant nach einem Unfall, bei dem ein Wohnmobil plötzlich auf die linke Spur wechselte, eine Mitschuld zugesprochen – in erster Linie, weil er die Richtgeschwindigkeit deutlich überschritten hatte. Und auch eine rücksichtslose Fahrweise kann unter Umständen den Tatbestand des „Alleinrasers“ beziehungsweise „Einzelrennens“ erfüllen – und so auch ohne ein Autobahn-Tempolimit zu einer Strafe führen.

Rubriklistenbild: © Olaf Döring/Imago

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