Ganz oder gar nicht? 

Volkswagen-Präsidium ringt um Vorstandsboni

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Die Boni sind ein sehr heikles Thema für den kriselnden Konzern. Die Höhe und ein möglicher freiwilliger Verzicht haben im Strudel des Abgas-Skandals auch große öffentliche Signalwirkung.

Wolfsburg - Für Volkswagen ist es eine weitere Debatte zur Unzeit: Während die weltweiten Folgen des Abgas-Skandals unkalkulierbar bleiben, muss sich das Präsidium mit Millionen-Boni für das Management herumstreiten.

Der oberste Zirkel der Aufseher bei Volkswagen ringt um die Höhe der umstrittenen Vorstandsboni. Am Montagmorgen kam das sechsköpfige Präsidium des Kontrollgremiums in der Wolfsburger Konzernzentrale zu einer vertraulichen Sitzung zusammen. Aus dem Umfeld hieß es, dass die Beratungen aufgrund sehr unterschiedlicher Auffassungen nicht einfach würden.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Konzernkreisen befürworten der Betriebsrat, das Land Niedersachsen und die IG Metall wegen des Abgas-Skandals eine deutliche Reduzierung der millionenschweren Sonderzahlungen. Dies wäre in der nach wie vor ungelösten Krise ein „politisches Zeichen“ nach außen und innen.

Dem Vernehmen nach liegen bereits mehrere Ansätze für den Umgang mit den Boni auf dem Tisch. So soll Vorstandschef Matthias Müller eine Senkung um rund ein Drittel vorgeschlagen haben. Jedoch gebe es innerhalb der Managerriege auch Vertreter, die auf vollen Zahlungen entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen bestehen.

Andere Forderungen gehen von einem Komplettverzicht bis zur Abführung eines Teils der Boni in eine Stiftung. „Das Management muss jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es sich an den Kosten der Krise beteiligt“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied der dpa. Eine Entscheidung zu den Manager-Prämien soll nach Informationen von Insidern am Montag aber noch nicht fallen.

Die Boni sind ein sehr heikles Thema für den kriselnden Konzern. Ihre Höhe oder ein möglicher freiwilliger Verzicht dürften im Strudel der Abgas-Affäre nicht nur eine große öffentliche Signalwirkung haben - auch bei den Mitarbeitern werden die Verhandlungen genau verfolgt. „Es ist den normalen Mitarbeitern nicht zu vermitteln, wenn alle von existenzieller Not sprechen, aber weiterhin Boni in Millionenhöhe fließen sollen“, hieß es aus dem Kontrollgremium.

Da die variablen Vorstandsvergütungen vertraglich geregelt sind, dürfte Volkswagen nicht ohne entsprechende Zustimmungen der Manager den Rotstift ansetzen. Andernfalls drohen juristische Auseinandersetzungen - und diese will der Konzern möglichst vermeiden. Auch der zu Beginn der Affäre zurückgetretene Konzern-Vorstandschef Martin Winterkorn hat noch finanzielle Ansprüche aus einem weiterhin gültigen Vertrag.

VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Behörden eingeräumt, in großem Stil Manipulations-Software in Dieselautos installiert zu haben. Weltweit sind mehr als elf Millionen Fahrzeuge betroffen, dem Konzern drohen deshalb Milliardenstrafen. Durch das Betrugsprogramm wird die Abgasreinigung nur im Testmodus voll aktiviert. Im Normalbetrieb ist der Stickoxid-Ausstoß um ein Vielfaches höher.

Wer verdient was bei VW?

Knapp 70 Millionen Euro hat Volkswagen für das Jahr 2014 an seine Topmanager ausgeschüttet. Dabei fielen die Bezüge der neun Vorstandsmitlieder sehr unterschiedlich aus. Eine Übersicht:

MARTIN WINTERKORN (Vorstandsvorsitz.)*: 15,9 Mio. 

LEIF ÖSTLING (Nutzfahrzeuge)*: 7,7 Mio.

FRANCISCO JAVIER GARCIA SANZ (Einkauf): 7,4 Mio. 

CHRISTIAN KLINGLER (Vertrieb)*: 7,3 Mio. 

JOCHEM HEIZMANN (China): 7,2 Mio. 

RUPERT STADLER (Audi): 6,9 Mio. 

HANS DIETER PÖTSCH (Finanzen)*: 6,8 Mio. 

HORST NEUMANN (Personal)*: 6,5 Mio. 

MICHAEL MACHT (Produktion)*: 4,3 Mio.

* Diese Vorstände sind inzwischen nicht mehr im Amt. Weil die variablen Vergütungsbestandteile jährlich neu bestimmt werden, lassen sich die Zahlen über verschiedene Jahre hinweg nur schwer vergleichen.

dpa

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