Verbraucherschützer fordern klare Übersicht über Rückrufe

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Ein Kfz-Meister lädt im Rahmen der Rückrufaktion zum Abgasskandal ein Software-Update in einer Volkswagen-Werkstatt. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv

Wollen Sie wissen, wie häufig ein bestimmtes Auto bereits Teil eines Rückrufes war? Das wird in Deutschland schwierig.

Berlin/Flensburg (dpa) - Verbraucherschützer fordern weitgehendere Informationen über Rückrufe vom Kraftfahrtbundesamt (KBA).

"Die Darstellung des Kraftfahrtbundesamtes ist ziemlich unübersichtlich, gerade weil die Rückrufe zunehmen", sagte Marion Jungbluth, Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin.

Es brauche ein modernes Tool oder eine Datei, welche die Informationen verbraucherfreundlich aufbereiteten. Verbraucherschutz müsse "Aufsichtsziel" des KBA werden, sagt sie. Die Bundesregierung prüfe das derzeit.

Bislang können Nutzer auf der Seite des KBA lediglich nach einem Modell suchen und so herausfinden, ob ihr Wagen oder auch andere Autos von einem Rückruf betroffen sind. Ein Vergleich ist aufwendig. Das KBA verwies auf Nachfrage auf die jährliche Veröffentlichung der Rückrufe. Einmal im Jahr gibt die Behörde eine Gesamtzahl bekannt, ohne allerdings auf Modelle einzugehen.

Sowohl die Zahl der Produktsicherheitsuntersuchungen als auch die der Rückrufe ist danach in den vergangenen fünf Jahren stetig gestiegen. Nicht nur der VW-Skandal, auch Probleme mit dem Airbag-Hersteller Takata hatten zuletzt die Zahlen in die Höhe getrieben. Hinzu kommt die Baukastenbauweise vieler Hersteller, die dazu führt, dass ein defektes Bauteil gleich mehrere Modelle trifft.

Nach Jungbluths Meinung müssten die Verbraucher auch Informationen darüber erhalten, wie ein Mangel einzuschätzen ist. Darüber hinaus müsse darauf hingewiesen werden, wenn sich Fahrzeugeigenschaften wie etwa der Verbrauch durch Nachbesserung im Falle eines Rückrufs ändere, so Jungbluth.

Vorbild könne ihrer Ansicht nach die Übersicht der US-Behörde NHTSA sein. Dort können Autokäufer anhand einer Identifikationsnummer sehen, ob ein Wagen bei einem Rückruf repariert wurde. Aber auch die Seite des ADAC, wo mehrere Rückrufe parallel angezeigt werden, hält Jungbluth für hilfreicher als die Aufstellung des KBA. 

Dabei stützt sich der ADAC selbst nicht auf Daten des KBA, sondern auf Informationen, die der Verein von seinen Mitgliedern oder Werkstätten erhält. Die Sammlung erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, heißt es beim ADAC. Die alleinige Höhe der Rückrufe sei aber auch nicht unbedingt ein Grund zur Besorgnis, sondern könne auch ein Zeichen dafür sein, dass ein System funktioniere, sagte ein Sprecher. Auch beim Auto Club Europa (ACE) sieht man keinen Sinn in einer weitreichenderen Rückruf-Datei.

Wer wissen will, wie viele Rückrufe es allein in Deutschland und bei den deutschen Herstellern in diesem Jahr bislang gegeben hat, kann sich nur annähern: Die einzige Zahl, die das KBA veröffentlicht, ist die "freiwillige Serviceaktion" für 630 000 Autos verschiedener Hersteller nach den Abgasprüfungen im April.

Der Autohersteller Daimler spricht darüber hinaus von "zwei bis drei Dutzend" Rückrufen. Genaue Zahlen seien irreführend, weil zum Teil nur eine Handvoll Fahrzeuge im eigenen Fuhrpark betroffen seien. BMW nennt zwei Rückrufe wegen Problemen mit Airbags und der Befestigungsbügel für Kindersitze, von denen etwa 122 000 Fahrzeuge waren.

Volkswagen hat neben den angekündigten 2,4 Millionen mit dem Dieselmotor EA 189 ausgestatteten Autos knapp 200 000 Fahrzeuge der Marke VW in die Werkstätten beordert. Die VW-Tochter Audi hat neben 1600 Autos wegen defekter Schiebedächer auch 160 Fahrzeuge mit Takata-Seitenairbags zurückgerufen. Bei Porsche mussten ein Sicherungsring am Fußhebelwerk bei 30 600 Cayenne und Befestigungsschrauben an den Gurten bei 114 der in Manufaktur gefertigten 918 Spyder kontrolliert werden.

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