Keine Einigung

Tarifverhandlungen mit Lufthansa gescheitert

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Ab jetzt sind wieder Piloten-Streiks möglich.

Frankfurt/Mai - Die zähen Verhandlungen zwischen der Piloten-Gewerkschaft Cockpit und der Lufthansa sind am Donnerstag erneut gescheitert.

Passagiere der Lufthansa müssen sich auf verschärfte Streiks der Piloten einrichten. Deren Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) erklärte am Donnerstag die gerade erst wieder aufgenommenen Tarifgespräche für gescheitert und kündigte weitere Streiks an, ohne dafür einen konkreten Termin zu nennen. Die VC will ihre Arbeitskampfmaßnahmen zwar weiterhin „jeweils vorher“ der Öffentlichkeit bekanntgeben, nennt dafür aber nicht mehr wie bislang eine Frist von 24 Stunden.

Erst vor zehn Tagen hatte die Pilotengewerkschaft die bereits geplante fünfte Welle des Pilotenausstands kurzfristig abgesagt und neue Verhandlungen mit dem Unternehmen zu den Übergangsrenten der rund 5400 betroffenen Flugzeugführer aufgenommen. Dreimal waren seitdem die Kommissionen zusammengekommen und am Dienstag dieser Woche unverrichteter Dinge auseinandergegangen, hieß es aus Unternehmenskreisen.

In diesen Gesprächen habe Lufthansa ihre Forderungen verschärft und damit den Konflikt eskaliert, lautet der Vorwurf der Gewerkschaft. Nach wie vor lehne die Fluglinie eine einheitliche Regelung für alle Piloten ab und schlage stattdessen eine Übergangsversorgung in drei Klassen vor, bei der neu Eingestellte nur noch auf eigene Kosten in den vorzeitigen Ruhestand gehen könnten.

Dass sich Teilzeitarbeit verlängernd auf das mögliche Ausscheidealter auswirken solle, müsse als familienfeindlich angesehen werden, kritisierte die Gewerkschaft zudem. Ein Lufthansa-Sprecher wies diese Darstellung zurück. Es sei lediglich darum gegangen, ob Teilzeitpiloten weiterhin die volle Übergangsrente erhalten sollten, oder ob ihr geringeres Ausgangsgehalt berücksichtigt werden müsse.

Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens hielt der VC vor, nicht an einer partnerschaftlichen Lösung der Probleme interessiert gewesen zu sein. Beim Teilprojekt „Jump“ für kostengünstigere Langstreckenflüge unter der Marke Lufthansa hätten sich die Piloten als einzige nicht zu entsprechenden Regelungen bereitgefunden. Lufthansa wolle nun „im Rahmen der geltenden Tarifregelungen“ andere Piloten in die Cockpits setzen. Nach Einschätzung von Beobachtern kommen dafür Leiharbeiter oder Piloten via Leasing-Modelle infrage.

Beim französischen Konkurrenten Air France haben sich die seit elf Tagen streikenden Piloten hingegen weitgehend durchgesetzt. Das Unternehmen hat sich von Ausbauplänen für ihre Billigflugtochter Transavia verabschiedet, die mit schlechter bezahlten Piloten die kürzeren Strecken der Mutter übernehmen sollte. Auch die Lufthansa plant unter dem Markendach „Wings“ eine ausgeweitete Billigschiene. In einem ersten Schritt sind in Deutschland bereits viele Europaverbindungen auf die Tochter „Germanwings“ verlagert worden, deren Piloten aber zu den Bedingungen des teuren Lufthansa-Konzerntarifvertrags unterwegs sind.

Im deutschen Tarifstreit geht es um die künftigen Übergangsrenten für 5400 Piloten und Co-Piloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln zum Jahresende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Zudem soll das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter von 58 auf 61 Jahre angehoben werden. Dazu wurden komplexe Übergangsregeln angeboten.

Nach einer Urabstimmung zu den Übergangsrenten hat die VC seit April in bislang vier Streikwellen 4300 Flügen mit rund 480 000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Eine fünfte Welle war am Montag vergangener Woche abgesagt worden, nachdem die Lufthansa nach ihren Angaben ein modifiziertes Angebot vorgelegt hatte. Die Fluggesellschaft hatte zudem angekündigt, alle 40 bedrohten Überseeflüge ab Frankfurt ohne VC-Piloten durchführen zu können. Der Streik wäre damit ins Leere gelaufen.

dpa

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