Stimmungsdämpfer für die deutsche Wirtschaft

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Autos wie diese Audis verkaufen sich derzeit besonders gut. Foto: Jens Wolf

Die Binnennachfrage hält die deutsche Wirtschaft in Schwung. Aber der Ifo-Index sinkt leicht. Die Exportindustrie ist verunsichert - zumal schon weitere Stolpersteine in Sicht sind.

München (dpa) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April etwas eingetrübt, bleibt jedoch gut. Das wichtigste Konjunkturbarometer, der Ifo-Geschäftsklimaindex, sank gegenüber dem Vormonat um 0,1 auf 106,6 Punkte.

Allerdings hellten sich ihre Erwartungen für das kommende halbe Jahr auf. Der neue Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sagte am Montag: "Die deutsche Wirtschaft bleibt in einem moderaten Aufschwung." Banken-Volkswirte reagierten vor allem wegen der schwächeren Exporterwartungen besorgt. Die Börse hatte bessere Nachrichten erwartet und reagierte enttäuscht - zumal auch der Euro stieg, was Exporteure belastet.

Motor der deutschen Wirtschaft bleibt die Inlandsnachfrage, wie Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe erklärte. Nur deshalb stuften die Industrieunternehmen ihre Geschäftsaussichten wieder etwas optimistischer ein. Die Produktionspläne wurden deutlich nach oben korrigiert. "Die Exporterwartungen dagegen sind gesunken." Die chinesische Wirtschaft wachse langsamer, die US-Konjunktur sei etwas schwächer, Brasilien und Russland steckten in der Krise, und der mögliche EU-Austritt Großbritanniens "erhöht die Unsicherheit".

Die Auslastung der Fabriken sank im April - vor allem in der Nahrungsmittelindustrie, die ihre Kapazitäten mit Blick auf die Flüchtlinge ausgeweitet hatte. Aber die Auslastung der Industrie insgesamt liege immer noch etwas über dem langfristigen Durchschnitt, betonte Wohlrabe.

Überraschend zeigte sich der Groß- und Einzelhandel sowohl mit der aktuellen Geschäftslage als auch mit den Aussichten weniger zufrieden als noch im März. Erst vor zwei Wochen hatte der Handelsverband Deutschland (HDE) nach einer aktuellen Umfrage mitgeteilt, die Stimmung im Einzelhandel sei auf einem Fünf-Jahres-Hoch. Wohlrabe erklärte, der private Konsum bleibe für die Wirtschaft "eine ganz wichtige Stütze".

Auf dem Bau verbesserte sich die ohnehin schon glänzende Stimmung, weil die Betriebe ihre Geschäftslage deutlich besser bewerten. Für die kommenden Monate waren sie allerdings etwas weniger optimistisch. Aber "dem Bau geht es weiter sehr gut", betonte Wohlrabe. Auch wenn der Auftragseingang nach dem milden Winter im Februar etwas zurückgegangen war, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte: Die Nachfrage nach Wohnungen, Gewerbebauten und Infrastruktur gibt der Branche alle Hände voll zu tun.

Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich aus der Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt. Im April sank der Index für die aktuelle Geschäftslage um 0,6 auf 113,2 Punkte. Der Index für die Geschäftserwartungen stieg dagegen um 0,4 auf 100,4 Punkte.

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