RWE baut um: Weniger Bürokratie durch neue Struktur

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Der RWE-Aufsichtsrat billigte die Pläne von Vorstandschef Peter Terium für eine drastische Vereinfachung der Unternehmensstruktur. Foto: Rolf Vennenbernd/Archiv

Der Essener Konzern muss nach der Energiewende den Gürtel enger schnallen. Darum wird die Firmenstruktur jetzt drastisch vereinfacht. Das soll auch die Entscheidungsfindung beschleunigen.

Essen (dpa) - Der zweitgrößte deutsche Energieversorger RWE stemmt sich mit einem radikalen Konzernumbau gegen den eigenen Absturz. Der Aufsichtsrat billigte am Montag einstimmig die Pläne von Vorstandschef Peter Terium, die Zahl von rund 100 Teilgesellschaften um etwa ein Drittel zu reduzieren.

Damit will der Konzern Bürokratie abbauen und Entscheidungen beschleunigen. Ein Arbeitsplatzabbau ist mit der neuen Struktur zunächst nicht verbunden, soll aber in einem weiteren Schritt folgen.

Terium betonte, RWE als Ganzes erhalten zu wollen. "Wir sind eine RWE und wollen es bleiben. Aber ohne Veränderungen können wir den Konzern nicht wetterfest machen für die Zukunft." Damit geht das Unternehmen nicht so weit wie Konkurrent Eon, der seine gesamten Kohle-, Atom-, Gas- und Wasserkraftwerke in eine neue Gesellschaft ausgliedert und sich selbst künftig allein auf Vertrieb, Netzbetrieb und Ökostrom konzentriert. "Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere RWE aus heutiger Sicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgestellt bleiben sollte", sagte Terium.

Allerdings hält er sich eine Aufspaltung des Konzerns weiter ausdrücklich offen. Diese Option könne der Konzern "zu jedem Moment" ziehen, falls sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter verschärfen sollten, sagte Terium. RWE leidet angesichts der Energiewende und des Booms erneuerbarer Energien unter einem heftigen Verfall der Strompreise im Großhandel. Das lässt die Gewinne des Konzerns dramatisch sinken.

Die RWE-Aktie reagierte kaum auf die Nachrichten und schloss mit einem Zuwachs von knapp 0,3 Prozent als viertschwächster Wert im Dax. Es habe keine Überraschungen gegeben, sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel. Bei RWE gehe es weiterhin nur in kleinen Schritten voran.

Der Konzern schafft mit dem Umbau zahlreiche Entscheidungsebenen ab. So sollen allein in Deutschland sieben von zehn Aufsichtsratsgremien gestrichen werden. Die Zahl der RWE-Aktiengesellschaften sinkt von fünf auf zwei, die der GmbHs von 90 auf 60. Die Zentrale in Essen bekommt zugleich mehr Macht. In ihr werden das Vertriebs- und das Netzgeschäft zusammengeführt.

"Diese Veränderungen sind weitere Meilensteine auf dem Weg, RWE fit für die neue Energiewelt zu machen", sagte Terium. Der Umbau soll von Anfang 2017 an greifen. Rechtlich eigenständig bleiben die Handelstochter Supply & Trading, die Ökostromsparte Innogy und der Kraftwerksbereich. Sie könnten künftig abgespalten werden, sagte Terium. Vor allem der Kraftwerkbereich ist wegen der sinkenden Strompreise das größte Sorgenkind im Konzern.

Im Zuge des Umbaus erweitert RWE seinen Konzernvorstand von vier auf sieben Mitglieder. So sollen künftig die Spartenchefs für Erzeugung, Vertrieb, Netz und Erneuerbare direkt im Top-Management angesiedelt sein. Der Konzern will so näher an die Kunden und das operative Geschäft rücken. Zudem soll es einzelne Landesbeauftragte geben, die auf den einzelnen RWE-Märkten zentrale Ansprechpartner etwa für die Politik werden.

"Die neue RWE AG wird schneller und wendiger sein - so, wie die tiefgreifenden Veränderungen des Energiemarktes es verlangen", versprach Terium. "Was wir nun dringender denn je brauchen, ist ein starker operativer Kern des Konzerns." RWE leidet angesichts der Energiewende unter einem ungebremsten Verfall seiner Gewinne. Das dürfte sich im ersten Halbjahr nicht geändert haben. Wenn der Konzern an diesem Donnerstag die Bilanz für diesen Zeitraum vorlegt, rechnen Analysten mit einem weiteren Gewinnrückgang im Tagesgeschäft. Im zweiten Quartal dürften sogar Verluste angefallen sein.

Terium hatte bislang versucht, vor allem mit harten Einsparungen gegen die Krise anzukämpfen. Zu seinem Amtsantritt Mitte 2012 hatte der Konzern knapp 72 000 Beschäftigte, Ende März 2015 waren es nur noch gut 59 000. Neben dem Verkauf von Geschäftsteilen musste neben der Verwaltung vor allem die Kraftwerkssparte erheblich Federn lassen.

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