Berliner Startup-Finanzierer

Rocket Internet will an die Börse gehen

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Das Berliner Unternehmen Rocket Internet will an die Börse.

Berlin - Die Internet-Schmiede Rocket Internet aus Berlin will noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Ziel sei, die größte Internetplattform außerhalb der USA und Chinas zu werden.

Dies teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. In der vergangenen Woche hatte bereits der Online-Modehändler Zalando, der wie Rocket Internet zum Firmengeflecht der Samwer-Brüder zählt, seinen Gang aufs Parkett angekündigt.

Rocket Internet, gegründet im Jahr 2007 von den Brüdern Alexander, Marc und Oliver Samwer, finanziert Start-up-Unternehmen weltweit. "Kerngebiete" sind dabei nach eigenen Angaben der Online-Handel, Marktplätze und Finanztechnologie, vornehmlich in Schwellenländern in Lateinamerika, Südostasien, Afrika sowie in Indien. Doch auch in Europa ist das Unternehmen mit einzelnen Internet-Firmen aktiv.

"Wir haben eine einzigartige Plattform entwickelt, die es uns ermöglicht, Geschäftsmodelle in mehr als 100 Länder zu exportieren und auf diesem Wege Grundbedarfsgüter und Basisdienstleistungen unserem vielfältigen Kundenstamm zugänglich zu machen", erklärte Vorstandschef und Mit-Gründer Oliver Samwer. Der Börsengang sei der "nächste logische Schritt" auf dem Weg, die weltweit führende Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas zu werden.

Mit seinem Gang aufs Handelsparkett will das Unternehmen den Angaben zufolge 750 Millionen Euro einsammeln - und zwar ausschließlich über neu ausgegebene Aktien. Die bisherigen Anteilseigner sollten auch beim Börsengang ihre Aktien behalten.

Bisher gehört Rocket Internet zu 52,3 Prozent dem Fonds der Samwer-Brüder, Global Founders. Die schwedische Investment-Gesellschaft Kinnevik hält weitere 18,1 Prozent, ihr Vorstandschef, Lorenzo Grabau, ist außerdem Aufsichtsratsvorsitzender bei Rocket Internet. Beteiligt sind außerdem der Internetdienstleister United Internet (10,4 Prozent), die Beteiligungsgesellschaft Access Industries (8,3 Prozent) aus den USA, die größte philippinische Telefongesellschaft PLDT (8,4 Prozent) sowie die Beteiligungsgesellschaft der Holtzbrinck-Gruppe (2,5 Prozent).

Das beim Börsengang eingesammelte Geld solle zu einem Teil die Eigenkapitalbasis der bestehenden Rocket-Internet-Firmen stärken. Ein anderer Teil solle in "weiteres Wachstum durch die Gründung neuer Unternehmen" gesteckt werden. Schon jetzt gehören zum Netzwerk der Internet-Schmiede Dutzende Unternehmen in über 100 Ländern weltweit. Für sie arbeiten nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Beschäftigte. Dazu zählen beispielsweise mehrere Online-Modehändler, die wie die in Europa bekannte Shopping-Plattform Zalando funktionieren. Sie alle wurden einst nach dem Modell des US-Versandhändlers Zappos gegründet. Am Beispiel dieser Modehändler lässt sich eine Strategie der Samwers ablesen: Bei ihren Investments greifen sie gerne darauf zurück, Ideen und Geschäftsmodelle anderer zu kopieren.

Während Rocket Internet zunächst in den weniger stark regulierten Entry Standard am Frankfurter Handelsplatz aufgenommen werden will, hatte Zalando in der vergangenen Woche ankündigt, gleich im stärker regulierten Prime Standard gelistet werden zu wollen. Wie Rocket Internet soll auch bei Zalando der Börsenstart noch in diesem Jahr erfolgen. Der Modehändler war 2008 mit dem Geld der Samwers aufgebaut worden. Heute halten sie über Global Founders noch 17 Prozent an Zalando.

AFP

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