Defekte Airbags aus Japan lösen erneut Massenrückruf aus

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Weder Toyota noch Nissan lagen Berichte über Verletzte oder gar Tote durch die jüngsten Airbag-Probleme vor. Foto: Christoph Schmidt

Fehlerhafte Airbags des Zulieferers Takata machen immer größere Probleme. Die japanischen Hersteller Honda und Nissan müssen deswegen erneut einen Massenrückruf starten. Die großen deutschen Autobauer bleiben in dem Fall wohl verschont.

Tokio/Stuttgart (dpa) - Defekte Airbags des japanischen Zulieferers Takata sorgen wieder für einen Massenrückruf in der Branche.

Die japanischen Autokonzerne Toyota und Nissan kündigten an, zusammen weitere rund 6,6 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zu beordern. Allein Toyota als weltgrößter Autobauer muss etwa fünf Millionen Autos zurückholen, davon 1,26 Millionen in Europa und 152 940 in Deutschland.

Die Airbags können wegen mangelhafter Verarbeitung platzen - dabei kommt es zu einer Explosion, die Teile der Metallverkleidung durch den Fahrzeugraum schleudern und zu schweren Verletzungen führen kann.

Nissan sprach von Problemen beim Beifahrer-Airbag. Bei dessen Entfaltung könnte einer Sprecherin zufolge ein zu hoher Druck entstehen, durch den sich Teile vom Airbag-Gehäuse lösen könnten.

Schon 2014 hatte eine Rückrufserie wegen Problemen mit dem Zulieferer hohe Wellen geschlagen. Auch andere Hersteller wie der US-Konzern Chrysler waren betroffen. Weltweit mussten bereits mehr als 21 Millionen Fahrzeuge wegen Takata-Airbags zurückgeholt werden. Auch 2013 hatte es solche Fälle gegeben.

Weder Toyota noch Nissan lagen am Mittwoch Berichte über Verletzte oder gar Tote durch die jüngsten Airbag-Probleme vor. Nissan muss 1,56 Millionen Autos zurückrufen, davon 563 000 in Europa, hieß es. Die gesamte Zahl für Deutschland war zunächst nicht bekannt.

Um Kosten zu sparen und schneller Autos bauen zu können, setzen die Hersteller zunehmend auf gleiche Teile für mehrere Modelle. Das sogenannte Baukasten-Prinzip hat viele Vorteile - solange nichts kaputtgeht. Macht ein einziges Teil Probleme, trifft es nämlich oft gleich massenweise Autos.

Deutschlands Hersteller scheinen aber vom Takata-Debakel verschont geblieben zu sein. Europas größter Autobauer Volkswagen - nach Toyota und vor General Motors die Nummer zwei der Branche - ist von den Problemen des Zulieferers nach wie vor nicht betroffen. Das sagte ein Sprecher des Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzerns, zu dem unter anderem Audi und Porsche gehören.

Auch der Stuttgarter Autobauer Daimler ist nach eigenen Angaben nicht betroffen, ebenso wenig wie der Münchner Konkurrent BMW. Opel musste deswegen nach eigenen Angaben ebenfalls keine Autos zurückrufen.

Takata selbst erklärte: "Wir werden die Entscheidungen unserer Kunden in Bezug auf zu treffende Sicherheitsmaßnahmen weiterhin vollumfänglich unterstützen. Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer hat für Takata oberste Priorität."

Wegen Sicherheitsmängeln mussten 2014 laut einer Studie des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach so viele Autos zurückgerufen werden wie nie zuvor. Allein auf dem Riesenmarkt USA kamen im vergangenen Jahr fast 63 Millionen Wagen wegen sicherheitsrelevanter Probleme in die Werkstätten - mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2004.

Der größte US-Autobauer General Motors ruft derzeit etwa in Nordamerika wegen möglicher technischer Probleme 522 000 Wagen zurück. Bei einem Teil der Autos könnte sich demnach eine Halterung der Sicherheitsgurte mit der Zeit lösen, bei den anderen Fahrzeugen sind die Sitze möglicherweise nicht ordentlich angebracht.

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