Machtpoker bei Volkswagen

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Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv

Wird die Führungskrise bei Europas größtem Autobauer Volkswagen in Salzburg entschärft? Die Heimat der VW-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche ist am Donnerstag Schauplatz einer Sondersitzung für den Kern des VW-Aufsichtsrates. Es dürfte um die Zukunft von VW-Chef Winterkorn gehen.

Wolfsburg (dpa) - Im VW-Machtkampf sucht der engste Kreis des Aufsichtsrats nach einem Ausweg aus der Führungskrise. Das sechsköpfige Präsidium kam am Donnerstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zu einer Sondersitzung im österreichischen Salzburg zusammen.

Dabei dürfte es um die berufliche Zukunft von VW-Konzernchef Martin Winterkorn gehen. Das Treffen lief am Nachmittag noch. Nach dpa-Informationen war ein Flugzeug im VW-Auftrag aus Niedersachsen gen Salzburg gestartet.

Das Präsidium kommt außer der Reihe zusammen, nachdem VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am vergangenen Freitag von Winterkorn abgerückt war. "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", hatte Piëch dem "Spiegel" gesagt und damit für Turbulenzen bei VW gesorgt.

Das Bundesland Salzburg ist die Heimat von Piëch und dort befindet sich auch der Familiensitz der Porsches. Außerdem hat in Salzburg der größte Autohändler Europas, die Porsche Holding Salzburg, ihren Sitz. Das Unternehmen ist eine Volkswagen-Tochter.

Das sechsköpfige Präsidium dürfte an einer Lösung für die seit Tagen schwelende Führungskrise arbeiten, in der die Zukunft von Winterkorn derzeit fraglich ist. Das Präsidium ist mit seinen sechs Mitgliedern der Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats und bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor.

Das Sextett bilden: Ferdinand Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (Vize-Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sowie der Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtete am Donnerstag, Piëch habe neben den Mitglieder des Präsidiums auch Winterkorn zu dieser außerordentlichen Sitzung in seine Heimat gebeten. Der "FAZ" zufolge will Winterkorn um eine Verlängerung seines Ende 2016 auslaufenden Vertrages kämpfen.

Dafür, dass der bestbezahlte Dax-Vorstandschef bei dem Treffen mit dabei sein könnte, sprach am Donnerstag zumindest, dass er sein Erscheinen bei einer Klausurtagung der Fraktionsspitzen von Union und SPD am späten Nachmittag in Göttingen kurzfristig absagte. Das teilte der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann mit. Winterkorn habe das mit der Teilnahme an Gremiensitzungen des Volkswagen-Konzerns begründet. Auch ein VW-Sprecher bestätigte die Absage, nannte aber keine Gründe.

Winterkorn war bis zur Piëch-Aussage als Nachfolger des VW-Patriarchen an der Spitze des Aufsichtsrates gehandelt worden. Neben der Distanz-Ansage zitierte das Nachrichtenmagazin Piëch auch mit den Worten: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." Mit diesen Aussagen steht nicht nur Winterkorns möglicher Wechsel an die Spitze des Kontrollgremium infrage, sondern auch sein weiterer Verbleib im Vorstand. Während Winterkorns Vorstandsvertrag Ende 2016 ausläuft, hat Piëchs Kontrakt eine Laufzeit bis zum Frühjahr 2017.

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite hat sich eine Allianz für Winterkorn ausgesprochen. Doch in der derzeitigen Führungskrise geht es möglicherweise nicht ums Stimmenzählen der Mandate im Aufsichtsrat. Übereinstimmend sagen Insider, dass eine offene Frontenbildung im Aufsichtsrat gegen Piëch eher unwahrscheinlich ist. Der Aufsichtsratschef und Vertreter der Piëch-Eigentümerfamilie gilt als das VW-Machtzentrum.

Wolfgang Porsche ist im Präsidium der Sprecher des Familienzweigs der Porsches, der zusammen mit den Piëchs die Stimmenmehrheit an VW hält. Porsche hatte Ferdinand Piëchs vernichtendes Zitat zunächst als "Privatmeinung" zurückgewiesen. Die Aussage sei nicht abgestimmt.

Unter Winterkorns gut achtjähriger Ägide - er wurde 2007 Konzernchef - legten die Auslieferungen des heute größten Autobauer Europas um 64 Prozent zu, der Umsatz um 86 Prozent, und beim operativen Ergebnis gab es sogar eine Vervierfachung. Bei seinem Amtsantritt zählte der Konzern 329 000 Mitarbeiter. Heute sind es, auch dank vier neuer Marken, fast 600 000 Menschen.

Spiegel-Bericht

Aufgaben des Präsidiums

Besetzung des Präsidiums

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