Kartellamt

Edeka darf Kaiser's Tengelmann nicht übernehmen

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Edeka darf Kaiser's Tengelmann nicht übernehmen.

Bonn - Die Wettbewerbsbehörde befürchtet höhere Preise und weniger Wahlmöglichkeiten für Verbraucher. Deshalb stoppt sie die Einkaufspläne des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka. Doch das muss nicht das letzte Wort sein.

Das Bundeskartellamt hat Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka die Übernahme von rund 450 Filialen des Konkurrenten Kaiser's Tengelmann untersagt. Bei einem Zusammenschluss befürchtet die Wettbewerbsbehörde Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb, wie Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Mittwoch in Bonn erläuterte. Die Handelskonzerne zeigten sich enttäuscht über das Veto der Wettbewerbshüter. Sie kündigten an, rasch über ihr weiteres Vorgehen entscheiden zu wollen.

Der Zusammenschluss würde nach Auffassung der Kartellwächter zu einer erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen im Lebensmittelhandel vor allem im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen führen. Damit würden den Handelsketten neue Preiserhöhungsspielräume eröffnet, warnte Mundt. Außerdem würden die Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher vor Ort stark eingeschränkt.

Weniger Wettbewerb befürchtet die Behörde aber nicht nur für die Verbraucher, sondern auch im Beschaffungsmarkt. Den Markenartikel-Herstellern würde nach Einschätzung der Behörde ein bedeutsamer unabhängiger Abnehmer verloren gehen, so dass die Einkaufsmacht der vier großen deutschen Lebensmittelhändler - Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe (Lidl) und Aldi - noch weiter steigen würde. Schon heute vereinigen diese nach Angaben der Wettbewerbsbehörde 85 Prozent des Marktes auf sich.

450 Filialen und 16.000 Mitarbeiter

Edeka wollte die traditionsreiche Supermarktkette eigentlich Ende Juni übernehmen. Insgesamt sind in den rund 450 Filialen knapp 16.000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie erwirtschafteten zuletzt einen Netto-Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro. Beim Bundeskartellamt stießen diese Pläne jedoch von Anfang an auf große Bedenken, da Edeka schon heute mit weitem Abstand die Nummer eins auf dem deutschen Lebensmittelmarkt ist und seine Marktmacht durch den Zukauf noch ausgebaut hätte.

In den vergangenen Wochen boten Edeka und Tengelmann dem Kartellamt deshalb an, rund 100 Filialen aus dem Deal herauszulösen und an andere Einzelhändler zu verkaufen. Für Edeka wäre damit noch ein Paket von rund 350 Filialen geblieben.

Dieses Angebot reichte dem Kartellamt jedoch bei weitem nicht aus. Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde hätte der Handelsriese im Interesse des Wettbewerbs im Höchstfall rund ein Drittel der Kaiser's Tengelmann-Supermärkte - insgesamt 150 bis 170 Geschäfte - übernehmen können. „Ich habe selten einen Fusionsfall gesehen, in dem wir so weit auseinandergelegen haben und die Chancen so gering waren, zusammenzukommen“, sagte Mundt am Mittwoch.

Edeka und Tengelmann enttäuscht

Edeka und Tengelmann zeigten sich enttäuscht über die Entscheidung der Wettbewerbshüter und kündigten an, rasch über das weitere Vorgehen entscheiden zu wollen. Die Unternehmen können gegen die Entscheidung des Bundeskartellamtes nun Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, eine Ministererlaubnis zu beantragen, um das Veto der Behörde zu umgehen.

Tengelmann betonte in einer ersten Stellungnahme: „Die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde führt leider zu größter und vor allem vermeidbarer Unsicherheit bei unseren 16 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Kaiser's Tengelmann, die nun weiterhin um ihren Arbeitsplatz bangen, statt sich auf eine sichere Zukunft im Edeka-Verbund verlassen zu können.“

Die Handelsgruppe Tengelmann will sich aus dem Lebensmittelhandel zurückziehen, in dem sie zuletzt nach eigenen Angaben nur noch Verluste machte. Firmenchef Karl-Erivan Haub hatte bei Bekanntgabe der Verkaufspläne gewarnt, wenn das Geschäft nicht zustande komme, drohe im schlimmsten Fall das Aus für die rund 450 Filialen.

Kartellamtspräsident Mundt betonte allerdings, es gebe eine ganze Reihe konkreter Hinweise auf alternative Interessenten für Teile des Kaiser's-Tengelmann-Filialnetzes.

dpa

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