Angeschlagener Warenhauskonzern

Karstadt: Durchbruch bei Sanierungsprogramm

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Karstadt hat einen Durchbruch bei seinem Sanierungsprogramm erzielt. Foto: Martin Gerten

Essen - Monatelang haben die Karstadt-Konzernführung und der Betriebsrat über ein Sanierungsprogramm verhandelt. Jetzt sollen sozialverträgliche Maßnahmen und eine Beschäftigungsgesellschaft den Stellenabbau erträglicher machen.

Gute Nachrichten für die Karstadt-Beschäftigten: Der Betriebsrat hat nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit der angeschlagenen Warenhauskette die Zahl der geplanten Kündigungen deutlich verringern können. Vereinbart wurden etwa Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen. Deshalb habe sich die Zahl der zu erwartenden Entlassungen von ursprünglich 2750 auf 1400 quasi halbiert, berichtete der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hellmut Patzelt am Samstag. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht zu konkreten Zahlen äußern, bestätigte aber die Einigung und sprach von einem „Durchbruch“ beim Sanierungsprogramm.

Arbeitnehmer und Konzernführung hatten in den vergangenen Monaten im Zuge der Sanierungsbemühungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandelt. Karstadt betonte, mit dem nach harten Verhandlungen erzielten Kompromiss sei das Unternehmen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen und liege bei den Sanierungsbemühungen hundertprozentig im Zeitplan. Der Karstadt-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Patzelt betonte, er sei mit dem Ergebnis unter den gegebenen Umständen „sehr zufrieden“.

Konzernführung und Arbeitnehmer verständigten sich darauf, für die von Kündigungen betroffenen Mitarbeiter eine Transfergesellschaft einzurichten, um sie weiterzuqualifizieren. Auch bei den heftig kritisierten Plänen, spezialisierte Serviceteams für die Warenversorgung zu bilden, sei eine Einigung erzielt worden, berichtete das Unternehmen. Die Gewerkschaft hatte deswegen Lohneinbußen befürchtet. Hier setzt Karstadt nun auf Freiwilligkeit und Fluktuation. Änderungskündigungen und Abgruppierungen werde es nicht geben, versicherte der Konzern. Dennoch könne Karstadt damit wirtschaftlich vertretbar seinen Beratungs- und Serviceanspruch massiv ausbauen.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende betonte: „Unser Ziel - die Einrichtung einer Transfergesellschaft und die Verhinderung von Abgruppierungen - haben wir erreicht. Und selbstverständlich haben wir auch Abfindungen vereinbart.“ Jetzt sei es Aufgabe des Managements, mit dem operativen Geschäft dafür zu sorgen, dass in den Geschäften wieder Geld verdient werde.

Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl hatte bereits kurz nach der Übernahme der Warenhauskette durch den österreichischen Immobilieninvestor René Benko angekündigt, das angeschlagenen Unternehmen mit harter Hand sanieren zu wollen. Bereits im Oktober hatte Fanderl für dieses Jahr die Schließung von sechs Filialen angekündigt. Betroffen sind zwei klassische Warenhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart, die Filialen der auf junge Mode spezialisierten Kette „K-Town“ in Köln und Göttingen sowie die Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt/Oder. Außerdem sollen in den Filialen und in der Essener Zentrale zahlreiche Stellen abgebaut werden.

Denn auch nach dem Einstieg Benkos kämpft die Warenhauskette weiterhin mit sinkenden Umsätzen. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft blieben die Verkäufe deutlich unter dem Vorjahresniveau. Finanzvorstand Miguel Müllenbach hatte deshalb in einem Mitarbeiterbrief Anfang Januar bekräftigt: „Es besteht kein Zweifel daran, dass einschneidende personelle Veränderungen auf der Fläche in den Filialen und insbesondere auch im Service Center in Essen unausweichlich sind.“

dpa

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