Rewe-Chef macht weiter Front gegen Edeka-Pläne

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Der Rewe-Umsatz erhöhte sich um 2,4 Prozent auf 51,1 Milliarden Euro. Foto: Oliver Berg

Es geht für Deutschlands Handelsriesen um die "letzte Möglichkeit extern zu wachsen". Rewe-Chef Caparros kämpft deshalb bis zur letzten Minute gegen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch den Rivalen Edeka.

Köln (dpa) - Rewe-Chef Alain Caparros macht unmittelbar vor der Entscheidung des Bundeskartellamts weiter Front gegen die Übernahmepläne des Rivalen Edeka.

Er werde "alles probieren - mit fairen Methoden und nur legal", dass Edeka Kaiser's Tengelmann nicht bekomme, sagte der Manager in Düsseldorf. Es gehe für die deutschen Handelsriesen um "die letzte Möglichkeit extern zu wachen", begründete Caparros seine harte Haltung. Deshalb sei es für Rewe auch schon ein Erfolg, wenn die Zahl der Supermärkte auf der Verkaufsliste schrumpfe.

Edeka hatte ursprünglich vor, alle 451 Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte zu übernehmen. Das Kartellamt erhob jedoch aus wettbewerbsrechtlichen Gründen massive Bedenken gegen die Pläne des größten deutschen Lebensmittelhändlers und drohte mit einem Verbot des Deals. Inzwischen haben Edeka und Tengelmann angeboten, knapp ein Viertel der Supermärkte an andere Interessenten abzugeben. Ob dies dem Kartellamt ausreicht, ist noch offen. Die Entscheidung der Wettbewerbshüter wird noch in dieser Woche erwartet.

Caparros warnte die Politik noch einmal davor, den Plänen von Edeka und Tengelmann im Falle eines Kartellamts-Vetos mit einer Ministererlaubnis den Weg zu ebnen. Es wäre ein "Supergau", wenn Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) "Trauzeuge für diese dubiose Hochzeit sein sollte", meinte der Manager. Die Politik dürfe sich nicht durch das Gerede über einen zweiten Fall Schlecker in Geiselhaft nehmen lassen.

Im Kampf gegen den Erzrivalen Edeka setzt Rewe aber nicht nur auf starke Worte, sondern baut auch den Online-Handel mit Lebensmitteln kräftig aus. Rewe könne so selbst in den Regionen wie Berlin oder München Umsätze machen, wo das Unternehmen im stationären Handel eher schwach aufgestellt sei, sagte Finanzvorstand Christian Mielsch. Der Rewe-Lieferservice beliefere inzwischen 57 Städte in Deutschland und habe seine Online-Umsätze 2014 nahezu vervierfacht.

Doch vor allem profitierte die Rewe-Gruppe im vergangenen Jahr von ihrem florierenden Supermarktgeschäft in Deutschland. Auch die Touristiksparte, zu der unter anderem die Reiseanbieter Dertour, Jahn-Reisen und ITS gehören, steigerte ihren Umsatz. Die konzerneigenen Toom-Baumärkte wuchsen ebenfalls deutlich.

Zudem liege das langjährige Sorgenkind, die Discountkette Penny Deutschland, im Hinblick auf die für 2016 angepeilte Rückkehr in die schwarzen Zahlen voll im Plan, berichtete Caparros.

Insgesamt erhöhte sich der Umsatz des Handelsriesen um 2,4 Prozent auf 51,1 Milliarden Euro. Auch mit der Ergebnisentwicklung zeigte sich Caparros zufrieden. Der Jahresüberschuss habe sich deutlich zweistellig erhöht, berichtete das Unternehmen ohne eine genaue Zahl zu nennen.

In Mittel- und Osteuropa bekam allerdings auch Rewe die herausfordernden wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zu spüren. Dennoch bekräftigte Caparros: "Wir werden uns nicht aus Russland und der Ukraine zurückziehen."

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