Chinaflaute drückt Stimmung in Unternehmen

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7000 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe und Handel wurden befragt. Foto: Christian Charisius/Archiv

Erstmals seit Juni hat sich das Klima in der deutschen Wirtschaft verschlechtert: Die Sorgen um China haben die Euphorie über das laufende Geschäft getrübt. Die Aussichten bleiben aber erstaunlich gut - auch weil Verbraucher den Konjunkturmotor am Laufen halten.

München/Frankfurt (dpa) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober erstmals seit Monaten wieder leicht eingetrübt.

Beim Blick in die nahe Zukunft überwiegt in den Chefetagen der Unternehmen aber die Zuversicht - trotz der Flaute in wichtigen Schwellenländern wie China.

Auch die Deutsche Bundesbank sieht die Konjunktur auf Kurs, und auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich die Situation im Oktober erneut verbessert haben, wie Volkswirte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur berichteten.

Insgesamt sank der Ifo-Geschäftsklimaindex zwar von 108,5 auf 108,2 Punkte. Wie das Ifo-Institut am Montag in München mitteilte, sehen die befragten Industrie-, Handels- und Bauunternehmen ihre momentane Geschäftslage nicht mehr so begeistert wie noch im September.

Die Geschäftsaussichten für das nächste halbe Jahr schätzen sie aber wieder besser ein. "Die deutsche Konjunktur zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt DZ-Bank-Ökonom Michael Holstein: "Das aktuelle Umfrageergebnis deutet insgesamt auf eine weiterhin robuste Konjunkturentwicklung in Deutschland hin."

Überraschend auch: In der Autoindustrie haben sich gegenüber dem Vormonat sowohl die Bewertung der aktuellen Lage als auch die Geschäftserwartungen sogar verbessert. "Der VW-Skandal hat überhaupt keine Rolle gespielt", sagte UniCredit-Ökonom Andreas Rees.

Das sei ein erfreuliche Überraschung für die Wirtschaft insgesamt: "Nur zur Erinnerung, die Autoindustrie zeichnet einschließlich der Zulieferer für etwa zehn Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland aus."

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe sagte, derzeit kämen die Auftriebskräfte für die deutsche Wirtschaft von der Binnennachfrage. Beschäftigung und Einkommen in Deutschland seien gut, der im Ifo-Index nicht erfasste Dienstleistungssektor wolle kräftig Personal einstellen. Wie sich der Flüchtlingszustrom auf Nachfrage, Wohnungsbau und Löhne auswirke, werde sich erst ab nächstem Jahr zeigen.

Die von der Kauflust der Verbraucher getriebene Binnennachfrage wird die deutsche Wirtschaft nach Überzeugung der Deutschen Bundesbank auch weiterhin auf Wachstumskurs halten. "Die konjunkturelle Grundtendenz ist nach wie vor recht kräftig", halten die Experten der Bundesbank in ihrem am Montag in Frankfurt vorgelegten Monatsbericht Oktober fest. Ausschlaggebend dafür sei die anhaltend gute Konsumkonjunktur: "Der Beschäftigungsaufbau hat sich verstärkt, und die realen Einkommen der privaten Haushalte profitieren zusätzlich von höheren Verdiensten und niedrigeren Energiepreisen."

Dank des jährlichen Herbstaufschwungs dürfte sich auch die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Oktober nochmals verbessert haben. Der Jobmarkt sei in einer guten Verfassung, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Daher werde die Zahl der Erwerbslosen voraussichtlich bei etwa 2,66 Millionen liegen. Das wären rund 70 000 weniger als im Vorjahr.

Doch die Zeiten stagnierender oder gar sinkender Arbeitslosigkeit gehen nach Einschätzung der Experten allmählich zu Ende. "Ein paar Bremseffekte werden in den nächsten Monaten zu sehen sein", sagte etwa Stefan Kipar von der Bayerischen Landesbank.

Für das kommende Jahr rechnen die meisten Volkswirte mit leicht steigenden Arbeitslosenzahlen. Sie führen dies auf die Konjunkturabkühlung in Schwellenländern wie etwa in China zurück, aber auch auf die große Zahl von Flüchtlingen, die nicht sofort in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden könnten.

Die Schwäche in den Schwellenländern bremst bereits die Exportpläne der Betriebe, die laut Ifo auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gesunken sind. "Die Unternehmen erwarten keinen Rückgang, aber nur noch leichte Zuwächse", erklärte Wohlrabe. Die USA seien eine Stütze, und die Unternehmen hofften auch auf eine Belebung der Eurozone, die fast 40 Prozent der deutschen Exporte kauft.

ifo-Index Zeitreihen

Mitteilung ifo

Bundesbank Monatsbericht Oktober 2015

Statistisches Bundesamt zu BIP Q2/2015

Commerzbank-Studie zu Flüchtlingen

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