Bahn-Angebot eine Provokation

Lokführer schließen Streiks nicht mehr aus

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Claus Weselsky, der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL.

Dortmund - Wenn Tarifverhandlungen mit den Lokführern stocken, müssen Bahnkunden hellhörig werden. Die Gewerkschaft ist klein, aber mächtig. Und sie droht mit Streiks. Einen Termin gibt es aber nicht. Noch nicht.

Den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn könnten möglicherweise bald auch Fahrgäste zu spüren bekommen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer hielt ihre Streikdrohung am Freitag aufrecht. Zunächst aber ruft sie ihre Mitglieder am kommenden Mittwoch (27.8.) zu einer Protestversammlung in Fulda auf. Auswirkungen auf den Bahnverkehr seien dieses Mal noch nicht zu erwarten, sagte Gewerkschaftssprecher Stefan Mousiol am Freitag. „Wir warten diesen Aktionstag ab und dann sehen wir weiter.“

GDL-Chef Claus Weselsky bezeichnete das jüngste Tarifangebot des Unternehmens in den „Ruhr Nachrichten“ (Freitag) als Provokation. „Die Bahn hat bei der dritten Verhandlungsrunde den Lokomotivführern den Kampf angesagt.“ Das Unternehmen lehne es ab, „mit uns über die Verbesserung von Einkommen, Arbeitszeiten und die Reduzierung der Überstunden für Lokomotivführer zu verhandeln“, betonte er. Nach der ergebnislosen Verhandlungsrunde für die 20 000 Lokführer am Mittwoch wurde kein neuer Termin vereinbart.

Die Bahn wies Weselskys Äußerungen als „simples Ablenkungsmanöver“ zurück. Eine Sprecherin sagte am Freitag: „Die Deutsche Bahn hat ein erstes Angebot über insgesamt 1,9 Prozent gerade für Lokführer unterbreitet.“ Statt über Zusammenarbeit und Lohnverbesserungen zu verhandeln, liefere sich die GDL-Spitze lieber einen unnötigen Streit um Macht und Einfluss mit ihrer Konkurrenz-Gewerkschaft, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Die Lokführergewerkschaft will diesesmal auch für das übrige Zugpersonal verhandeln, rund 17 000 Beschäftigte. Für sie alle fordert sie fünf Prozent mehr Lohn und zwei Stunden weniger Arbeitszeit pro Woche. Dieser Forderung will die GDL in Fulda Nachdruck verleihen. Die erwarteten 1000 Lokführer kämen jedoch in ihrer Freizeit, hieß es am Freitag. „Wir gehen aber sehr verantwortungsvoll mit unserer Tarifmacht um und schalten nicht sofort in Streik um“, sagte Weselsky.

Die Bahn hatte eine Übergangsregelung vorgeschlagen: Das bundeseigene Unternehmen bot den rund 20 000 Lokführern für das zweite Halbjahr eine Einmalzahlung in Höhe von 350 Euro an. Bis zur Klärung offener Organisationsfragen im DB-Konzern sollten die Tarifverhandlungen ausgesetzt werden: Nach wie vor ungeklärt sind die künftigen Spielregeln für Tarifverhandlungen zwischen Bahn, GDL und der größeren EVG. Umstritten ist, welche Gewerkschaft künftig für welche Berufsgruppen Tarifverträge aushandeln darf. Gemeinsame Verhandlungen waren vorerst gescheitert.

dpa

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