Linde spricht mit US-Konkurrent Praxair über Zusammenschluss

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Das Logo der Linde AG, aufgenommen in München am Hauptsitz des Unternehmens. Foto: Tobias Hase/Illustration

Linde ist nur noch die Nummer zwei auf dem Gasemarkt. Die Münchner machen kein Hehl daraus, dass sie dem Rivalen Air Liquide den ersten Platz nicht dauerhaft überlassen wollen. Nun könnten sie ein Mittel gefunden haben.

München (dpa) - Der Industriegase-Spezialist Linde lotet einen Zusammenschluss mit seinem US-Konkurrenten Praxair aus. "Die Gespräche laufen und haben noch zu keinen konkreten Ergebnissen oder Vereinbarungen geführt", teilte der Münchner Konzern mit.

Angestrebt werde eine Fusion unter Gleichen, erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX aus Marktkreisen. Klappt diese, könnte ein neuer Weltmarktführer für Industriegase entstehen.

Zuvor hatte das "Wall Street Journal" über Gespräche zwischen den beiden Konzernen berichtet. An der Börse sorgte die Nachricht für Bewegung: Die Linde-Aktie schoss um fast 10 Prozent hoch und war damit einsamer Gewinner im Dax.

Praxair wurde 1907 gegründet und ist eigenen Angaben zufolge der größte Industriegase-Hersteller auf dem amerikanischen Kontinent mit einem Jahresumsatz von 9,6 Milliarden Euro. Linde erzielte 2015 fast 18 Milliarden Euro Umsatz. Beim Börsenwert dagegen hat Praxair mit 30 Milliarden Euro die Nase leicht vorn. Die Münchner kamen vor dem Bekanntwerden der Gespräche auf 26 Milliarden Euro.

Ein Zusammengehen scheint Analysten strategisch sinnvoll. Linde könne sein Gasegeschäft in den USA aufwerten, wo Praxair stärker vertreten ist, schrieben die Experten der Commerzbank. Die Amerikaner könnten im Gegenzug von Lindes Stärke auf dem Gesundheitsmarkt profitieren. Die Baader Bank sieht zudem ein Einsparpotenzial durch den Abbau von Überkapazitäten von bis zu 800 Millionen Euro.

Der weltweite Gasemarkt ist in Bewegung, die Großen liefern sich ein Rennen um die Führungsposition. Linde hatte vor zehn Jahren den britischen Konkurrenten BOC übernommen und die französischen Air Liquide von der Spitze verdrängt, in diesem Jahr hatte Air Liquide das US-Unternehmen Airgas gekauft und damit Platz eins zurückerobert. Die Franzosen kommen nun auf mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz.

Linde-Chef Wolfgang Büchele hatte jedoch schon im Mai den Führungsanspruch der Münchner betont: "Es ist unser klares Ziel, wieder Marktführer zu werden, und das ist in absehbarer Zeit erreichbar."

Kartellrechtliche Fragen bei einer Fusion von Linde und Praxair werden in Finanzkreisen als handhabbar eingestuft. Auch Air Liquide und Airgas hatten einige Geschäftsteile abgeben müssen, damit die gemeinsame Marktmacht nicht zu groß wird. Linde beschäftigt weltweit rund 65 000 Mitarbeiter, Praxair etwa 26 000.

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