Gutes Geschäft zum Jahresende?

Weihnachtspakete können Post-Bilanz retten

Bonn - Ein fehlgeschlagenes IT-System bringt die Post aus dem Tritt. Doch Sparten wie Paket und Express boomen - und verheißen vor allem zum Jahresende gute Geschäfte.

Frank Appel hat bei der Deutschen Post über Jahre für eine stabile Geschäftsentwicklung mit steigenden Umsätzen und Gewinnen gesorgt. Doch das Image hat einen Kratzer bekommen, seitdem ein nicht funktionierendes Computersystem in der Frachtsparte den Konzern in die Bredouille brachte. „Wir haben uns zu viel vorgenommen, in zu kurzer Zeit“, räumte der Vorstandschef am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen in Bonn kleinlaut ein. Umso wichtiger ist es da für den „gelben Riesen“, dass das traditionell starke Weihnachtsgeschäft nun vor der Tür steht.

Dass die Dinge bei der Post derzeit nicht so rund laufen wie erhofft, begründet Appel mit einem „Jahr des Übergangs“. Durch einmalige Sonderbelastungen - neben dem Fehlgriff beim IT-System auch Streikkosten sowie Effekte aus einer Neubewertung von Risiken in anderen Unternehmenssparten - brach das Nettoergebnis zuletzt um 90 Prozent ein. Doch für Appel sind diese Zahlen längst Vergangenheit.

Mit der jetzt vollzogenen Bereinigung finanzieller Lasten will sich die Post Luft verschaffen und im kommenden Jahr wieder zurück auf Kurs sein. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass uns das gelingen wird“, beteuert der 54-jährige Konzernchef, der seit 2008 an der Spitze der Post steht und damit aktuell zu den dienstältesten Dax-Vorstandschefs gehört. Das Unternehmen wolle so die Basis legen für den langfristigen Erfolg, versichert Appel.

Der Bereich Express und die Sparte „Post, eCommerce, Parcel“ - kurz PeP genannt - sind dabei die tragenden Säulen. Vor allem das Paketgeschäft in Deutschland macht Appel Freude. Allein im dritten Quartal verzeichnete es ein Plus von 7 Prozent. Und die Aussichten könnten kaum besser sein, vor allem im auslaufenden vierten Quartal.

„Wir erwarten ein sehr starkes Weihnachtsgeschäft“, sagt Appel. Eine Basis dafür sieht er in den gut gefüllten Geldbörsen der Verbraucher. Eine niedrige Arbeitslosigkeit und gesunkene Ölpreise, deutlich gestiegene Löhne und Renten sollten die Geschäfte beflügeln.

Diese Einschätzung wird auch durch die neuesten Prognosen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) untermauert: Im diesjährigen Weihnachtsgeschäft rechnet der HDE mit einem Umsatzplus von 2 Prozent auf 86,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 11,2 Milliarden Euro auf den Online-Handel - ein Plus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die dynamische Entwicklung des elektronischen Handels ist für die Post eine feste Größe. Der Einkauf per Mausklick vom Sofa oder vom Smartphone unterwegs wird unter deutschen Konsumenten immer beliebter. Die Paketzusteller profitieren vom boomenden E-Commerce, sie wollen das wachsende Geschäft noch stärker für sich nutzen.

Hier sieht sich die Post glänzend positioniert - und Appel verkündet, wo es künftig lang gehen soll. Man investiere „anhaltend stark in die Erweiterung der nationalen und internationalen Paket-Infrastruktur“.

Erst vor wenigen Monaten war das Unternehmen in Österreich gestartet, wo die Post bis 2016 das größte Paketshop-Netz des Landes aufbauen will. Das Ziel ist dabei, die Nummer zwei im Markt zu werden.

Dass der Logistik-Riese das Zeug dazu haben könnte, hat er bereits anderswo bewiesen. So sind die Bonner in dem lukrativen Geschäft nicht nur in Österreich, sondern in sechs weiteren Ländern Europas aktiv. Und ein Ende der Expansion ist nicht absehbar. Welches Land nun im Fokus der Bonner steht, will Appel aber nicht verraten.

Dieser Bericht von Juli 2015 könnte Sie auch interessieren:

Auf der Facebook-Seite der Post hatten Kunden im Juli wütende und verzweifelte Nachrichten hinterlassen. Der Grund war der Streik. Annas Hilferuf hatte die Menschen ganz besonders berührt. Wegen des Post-Streiks würde die Frau ihren Job verlieren.

dpa

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