Nach zähen Tarifverhandlungen

2,8 Prozent mehr Geld für Beschäftigte in der Chemieindustrie

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Chemie-Beschäftigte nehmen in Kassel zum Auftakt der ersten bundesweiten Tarifrunde der Chemie-Industrie an einer Kundgebung teil.

Stuttgart - Eine Einigung war in diesem Jahr kein Selbstläufer. Zwischenzeitlich wurde in der Chemie-Tarifrunde sogar von Streik gesprochen. Sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber mussten am Ende einlenken.

Die Chemie stimmt wieder: Nach zähem Ringen ist im Tarifkonflikt der Chemieindustrie der Durchbruch gelungen. Die rund 550 000 Beschäftigten der Branche in Deutschland bekommen 2,8 Prozent mehr Lohn, wie Gewerkschaft und Arbeitgeberverband am Freitag in Stuttgart mitteilten. Außerdem zahlen die Arbeitgeber in den kommenden Jahren kräftig in den sogenannten Demografiefonds ein, mit dem Betriebe etwa Maßnahmen zur Altersvorsorge oder Alterszeitzeit finanzieren können.

Die Verhandlungsführer sprachen von einem „fairen Kompromiss“. Die Verhandlungen verliefen diesmal für die Branche verhältnismäßig schwierig. Drei Verhandlungsrunden auf Bundesebene waren zuletzt vor zehn Jahren notwendig. Bis zum Schluss wurde auf Gewerkschaftsseite auch ein Arbeitskampf nicht ausgeschlossen. Rund 100 000 Beschäftigte waren auf die Straße gegangen, um der Forderung der Gewerkschaft Nachdruck zu verleihen. Am Ende habe sich aber wieder gezeigt, dass die Sozialpartnerschaft stark sei, sagte Chemie-Arbeitgeberpräsidentin Margret Suckale. „Es gibt extrem stabile Nylonfäden in der Chemie“, sagte der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis.

Die Einigung spiegelt einen Kompromiss wider: Die Tariferhöhung gilt erst nach einem Leermonat. Für Unternehmen in besonderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kann sie sogar zwei weitere Monate nach hinten geschoben werden. Ausgehandelt wird das mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretern vor Ort. „Wir müssen in einem Tarifabschluss Vorsorge treffen, dass sich von der kleinen Schuhcremefabrik bis zur BASF alle wiederfinden“, hatte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hans-Carsten Hansen, im Verlauf der Gespräche gemahnt.

Auf beiden Seiten seien die Gräben zugeschaufelt worden, sagte Hansen nun. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich 4,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Die Arbeitgeber wollten die Entgelte nach zwei Leermonaten nur um 1,6 Prozent erhöhen und lediglich 200 Euro in einen sogenannten Demografie-Fonds einzahlen. Die Laufzeit sollte dafür 15 Monate betragen.

Nun soll der Fonds 2015 mit 550 Euro je Beschäftigten und 2017 mit 750 Euro aufgestockt werden. IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann sprach von einem „großen Zukunftsprojekt“. Damit gehe das Volumen in die Richtung, um für ältere Arbeitnehmer eine Drei- oder Vier-Tage Woche zu gestalten.

Bei der Laufzeit haben sich die Arbeitgeber dagegen mit 17 Monaten durchgesetzt. Wirksam wird die Tarifänderung in den Tarifbezirken Nordrhein, Rheinland-Pfalz und Hessen wird die Tarifänderung am 1. April, in anderen Bundesländern tritt sie erst im Mai oder sogar Juni in Kraft.

dpa

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