Tarifkampf

Bahn-Streik: Grube will Lokführern "Vorschlag" unterbreiten

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Bahnchef Rüdiger Grube.

Berlin - Mit einem neuen Vorstoß will die Deutsche Bahn dem Bahn-Streik der Lokführergewerkschaft GDL ein Ende setzen.

Konzernchef Rüdiger Grube kündigte in der "Bild"-Zeitung (Mittwochsausgabe) einen "Vorschlag zur Befriedung der Lage" an. "Es kann und darf so nicht weitergehen", mahnte er. Der erste Streiktag im Personenverkehr brachte für viele Bahnfahrer am Dienstag Verspätungen und Zugausfälle mit sich. Nur etwa jeder dritte Fernzug fuhr. Im Regionalverkehr sah es teilweise noch viel schlechter aus.

Grube sagte der "Bild"-Zeitung, der Tarifkonflikt dürfe "nicht auf dem Rücken unserer Kunden und Mitarbeiter ausgetragen werden". Er wolle am Mittwoch gemeinsam mit Personalvorstand Ulrich Weber einen Lösungsvorschlag vorlegen. Der Konzern lud für den späten Vormittag zu einer Pressekonferenz ein. Details zum geplanten Vorstoß des Unternehmens waren zunächst nicht bekannt.

Die Verhandlungen stecken derzeit in einer Sackgasse. Die Arbeitgeberseite hatte der Lokführergewerkschaft GDL laut Verhandlungsdokumenten im April mehrfach angeboten, einen "neutralen Experten" von außerhalb zu den Tarifgesprächen hinzu zu ziehen. Die Verhandlungen seien "derart festgefahren", dass sie ohne einen "neutralen Experten nicht mehr in ein sachgerechtes Format und zu einem zeitnahen Ergebnis zu bringen sind", hieß es in einem Schreiben an GDL-Chef Weselsky, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

Die GDL lehnte dies jedoch ab und sperrt sich weiterhin auch gegen eine Schlichtung. Weselsky bekräftigte erneut, dass er keinen Grund für eine Schlichtung sehe. "Unsere Ziele sind rechtmäßig und das, was wir tun, ist zulässig", sagte er am Montagabend in den ARD-"Tagesthemen".

Indirekt drohte Weselsky mit weiteren Streiks. Auf die Frage, ob mit weiteren Arbeitsniederlegungen zu rechnen sei, sagte der Gewerkschaftschef: "Wenn das Bahn-Management unbeeindruckt auf uns zeigt unter der Überschrift 'das sind die Streikhanseln', dann werden die Mitglieder der GDL - die Lokführer und Zugbegleiter - das Management weiter abstrafen wollen!"

Die Gewerkschaft will noch bis Sonntagfrüh den Zugverkehr in Deutschland lahmlegen. Täglich würden voraussichtlich rund 3000 Mitglieder ihre Arbeit niederlegen, erklärte die GDL am Dienstagnachmittag. Sie warf der Deutschen Bahn erneut vor, eine "Unterwerfung" der GDL unter die Tarifregelungen der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu verlangen und die Gespräche zu verschleppen. Knackpunkt in dem Streit ist derzeit die Eingruppierung von Lokrangierführern.

Die Deutsche Bahn führt derzeit sowohl mit der EVG als auch mit der GDL Tarifgespräche. Sie gesteht beiden Gewerkschaften zwar eigenständige Tarifverträge zu, in denen jeweils all ihre Mitglieder repräsentiert sind. Zugleich will der Konzern aber auch verhindern, dass für eine Berufsgruppe unterschiedliche Arbeitsbedingungen gelten.

Durch den noch bis Sonntag angekündigten Streik der Lokführer fielen am Dienstag zwei Drittel der Fernzüge aus. Lediglich 245 von sonst 804 Fernzügen konnten laut Bahn nach einem Notfahrplan fahren. Der Regionalverkehr war vor allem in den östlichen Bundesländern eingeschränkt, da die GDL dort viele Mitglieder zählt. Dort waren laut Bahn lediglich fünf bis 15 Prozent der Regionalzüge unterwegs.

AFP

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