Arbeitskräfte gefragt - 2,75 Millionen Jobsucher erwartet

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Die Zahl der freien Stellen entwickelt sich weiter positiv - im zweiten Halbjahr aber etwas langsaner als zuvor. Vor allem die Gesundheits- und Sozialbranche sucht nach Fachkräften. Foto: Sven Hoppe

Die Zahl der freien Stellen ist derzeit so hoch wie nie. Vor allem in Gesundheits- und Sozialberufen suchen viele Firmen nach gutem Personal. Die Beschäftigung entwickelt sich weiter positiv - in den kommenden Monaten aber wahrscheinlich langsamer als bisher.

Nürnberg (dpa) - Gut ausgebildeten Arbeitskräften sollte die Jobsuche derzeit leicht fallen: In deutschen Betrieben hat es noch nie so viele offene Stellen gegeben wie im Juli. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Mittwoch kletterte die Arbeitskräfte-Nachfrage in diesem Monat saisonbereinigt auf ein neues Allzeithoch.

Die Nürnberger Bundesbehörde beruft sich dabei auf ihren monatlich ermittelten Stellenindex BA-X. Dieser stieg im Juli um zwei Zähler auf 192 Punkte - und damit auf ein Rekordhoch. Die absolute Zahl der freien Stellen will die Bundesagentur am Donnerstag zusammen mit den Arbeitslosenzahlen für Juli veröffentlichen.

Die BA führt die seit Monaten steigende Arbeitskräftenachfrage auf die "gute wirtschaftliche Lage" zurück. Aber auch die in den vergangenen Jahren auf Höchstwerte gestiegene Zahl der Beschäftigten führe zu einer anhaltend hohen Nachfrage.

Denn dadurch gebe es eine größere Fluktuation - und damit auch einen höheren Bedarf nach Ersatzkräften. Mehr Teilzeitbeschäftigung wirke sich ebenfalls auf die Zahl der gemeldeten Stellen aus.

Die wachsende Nachfrage nach Mitarbeitern zeige sich in fast allen Branchen. Die meisten neuen Jobs entstünden in der Zeitarbeit sowie in Dienstleistungssektoren wie dem Gesundheits- und Sozialwesen. In beiden Bereichen liege der Bedarf aktuell um mehr als ein Viertel höher als vor einem Jahr. Aber auch in den Sparten Verkehr und Logistik sowie Verwaltung und Handel gibt es mehr freie Stellen.

Das Münchner Ifo-Institut geht von einer positiven Entwicklung der Beschäftigung aus - die Dynamik schwäche sich derzeit aber etwas ab: In der Industrie etwa gab das Beschäftigungsbarometer des Instituts nach sieben Anstiegen in Folge erstmals wieder nach.

Auch nach Ansicht von Volkswirten deutscher Großbanken bleibt der Arbeitsmarkt in Deutschland damit stabil. Für den Juli gehen die Ökonomen von etwa 2,75 Millionen Arbeitslosen in Deutschland aus. Dies wären rund 40 000 mehr als im Juni, aber etwa 120 000 weniger als vor einem Jahr. Nach Abzug der im Juli meist stärkeren Saisoneffekte könnte die Zahl der Jobsucher um 5000 gesunken sein.

Beim Ausblick auf die kommenden Monate sind die Volkswirte etwas skeptischer: Sie rechnen damit, dass sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr etwas verlangsamt. "Es geht weiter aufwärts am Arbeitsmarkt, aber mit gebremstem Tempo", sagte der Volkswirt der DZ-Bank, Michael Holstein. Damit wird es auch nach Ansicht von Jobvermittlern zunächst keinen deutlichen Abbau der Erwerbslosenzahl mehr geben. Die Griechenland-Krise spielt dagegen wohl weiter keine große Rolle.

Einzelne Ökonomen gehen auch davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf leicht zunehmen könnte. Die meisten Volkswirte rechnen jedoch allenfalls mit einer stagnierenden Erwerbslosigkeit.

BA-Pressemitteilung

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