Nach "Extra 3 Song"

Böhmermann legt gegen Erdogan nach - ZDF löscht Schmähkritik

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Das ZDF löschte Böhmermanns Erdogan-Schmähkritik

München - Medien sollten Kritik nicht mit Beleidigung verwechseln, so Erdogans Reaktion auf den "Extra 3"-Song. Steilvorlage für Jan Böhmermann. Seine Satire nimmt das ZDF jedoch aus der Mediathek.

Aus den Augen, aus dem Sinn - das hat sich wohl das ZDF mit seiner schnellen Löschaktion gedacht. Der Stein des Anstoßes ist ein Beitrag aus der Donnerstags-Ausgabe von Jan Böhmermanns "Neo Magazine Royale". Darin verliest er ein Gedicht mit dem plakativen Namen "Schmähkritik", in dem er - im Fernsehen wohlgemerkt - sagt, was er alles im Fernsehen nicht sagen darf. 

Während im Hintergrund die türkische Flagge neben einem Foto von Recep Tayyip Erdogan weht, zieht Böhmermann heftigst vom Leder. Unter anderem sagt er (auf Deutsch, im unteren Bildrand werden die türkischen Untertitel dazu eingeblendet), der Staatspräsident habe einen kleinen Penis und sei pädophil - was er aber im TV nicht sagen kann.

Damit ging der 35-Jährige dann wohl auch dem ZDF ein Stückchen zu weit - der Beitrag verschwand am Freitag aus der Mediathek. Böhmermann arbeite in dem Gedicht mit Bildern, die sich unterhalb der Gürtellinie abspielen. Aus diesem Grund entspreche seine Schmähkritik nicht den Ansprüchen des ZDF und habe auch nichts in der Mediathek zu suchen, erklärt das ZDF die überraschende Selbstzensur.

ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler erklärte: „Wir sind bekannt dafür, dass wir bei unseren Satire-Formaten breite Schultern haben und den Protagonisten große Freiräume geben.“ Weiter hieß es in der Stellungnahme: „Aber es gibt auch Grenzen der Ironie und der Satire. In diesem Fall wurden sie klar überschritten. Deswegen haben wir in Absprache mit Jan Böhmermann beschlossen, die Passage aus der Sendung herauszunehmen. Das betrifft das Sendungsvideo in der Mediathek, Clips auf Youtube, sowie Wiederholungen.“

Das kommentiert Jan Böhmermann auf Facebook

Jan Böhmermanns Managerin kommentierte den Vorfall nicht und verwies auf die entsprechenden Erklärungen des Senders in Mainz. Auf seiner Facebook-Seite war am Abend folgender Eintrag zu lesen: „Ich denke, wir haben heute am 1. April 2016 gemeinsam mit dem ZDF eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind. Endlich!“

Die Twitter-Nutzer warfen dem ZDF vor, vor Erdogan einzuknicken. Andere waren sich sicher, dass es sich um einen Aprilscherz handelnmuss.

Unterdessen knackte Böhmermanns "Be Deutsch!", in der er im Rammstein-Stil gegen die neuen Rechten im Land ansingt, die Fünf-Millionen-Klicks-Marke.  

Am Donnerstag konnten sich User noch die Sendung in der Mediathek anschauen. Geplant war außerdem die Folge heute nach der "heute Show" erneut auszustrahlen. Die Sendung wird stattdessen in einer gekürzten Version über den Bildschirm laufen. 

Zuvor hatte ein Satire-Beitrag des NDR-Magazins "extra 3" über Erdogan heftige Reaktionen der türkischen Regierung ausgelöst. Der Beitrag hatte sich kritisch mit Verletzungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei sowie mit dem Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen Kurden im Südosten des Landes auseinandergesetzt. Die türkische Regierung bestellte deshalb den deutschen Botschafter ein und verlangte eine Löschung des Beitrags.

mr/AFP

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