"Wie der Wind sich hebt"

Das letzte Anime-Epos des Großmeisters

Köln - Man stelle sich vor: der erfolgreichste Film des Jahres in Deutschland wäre ein einheimischer Zeichentrickfilm über das Leben von Hugo Junkers. Undenkbar, aber in Japan ist das möglich.

Hayao Miyazaki hat die Biografie des legendären Flugzeugingenieurs Jiro Horikoshi in ein bildgewaltiges Anime-Epos gegossen.

Waren die großen Erfolge von Miyazaki früher der Welt des Fantastischen zugetan, irritiert er nun mit einer über weite Strecken realistisch anmutenden Filmbiografie, auch wenn die zum Großteil frei erfunden ist. Einzig die Traumsequenzen des jungen Ingenieurs Horikoshi erinnern an die vorherigen Werke, ansonsten weht ein Hauch morbider Resignation durch den Film.

Es mag daran liegen, dass es erklärtermaßen der letzte Film des kultisch verehrten Animationskünstlers Miyazaki ist oder am Thema: Erzählt wird, wie ein idealistischer Ingenieur das leistungsfähigste, also verheerendste Jagdflugzeug der japanischen Armee entwickelt. Der Vorwurf der Verherrlichung des japanischen Militarismus geht dabei ins Leere.

Miyazaki interessiert sich eher für das fatale Dilemma eines Hochbegabten, der das tut, was er am besten kann und die Folgen nicht überblickt. Er will ein schnelles und wendiges Flugzeug bauen, und es gelingt ihm, trotz der eher rückständigen Technik, die Japan zur Verfügung steht. In einer Szene fragt der weltfremde Wunderknabe seinen besten Freund, mit wem man denn schon alles Krieg führe. China, USA und Russland bekommt er dann als Antwort, und daraufhin murmelt er gedankenverloren: „Wir werden alle zugrunde gehen.“ Zeichentrick- aber bestimmt kein Kinderfilm

Rubriklistenbild: © Universum Film

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