Film der Woche

Oscarwürdig: Jake Gyllenhaal in "Southpaw"

Nach dem Kinobesuch möchte man am liebsten selbst zum Seil greifen, um sich wie Billy Hope (Jake Gyllenhaal) in „Southpaw“ für neue Aufgaben zu rüsten. Foto: tobis film

Antoine Fuqua schickt mit Jake Gyllenhaal in „Southpaw“ einen oscarwürdigen Kandidaten ins Rennen

Es gibt diese Filme, nach denen man das Kino verlässt und noch für eine ganze Weile in einer anderen Welt schweben darf. Dieser hier ist so einer.

„Southpaw“ hat schon vorab Schlagzeilen gemacht – kein Wunder, Jake Gyllenhaal trainierte sich für die Rolle des Halbschwergewichts-Weltmeisters Billy Hope mal eben einen Rambo-Körper an. Viel beeindruckender aber als die optische Veränderung ist sein Spiel. Wir nehmen ihm die Wandlung vom gefeierten Boxer zum absolut Gescheiterten, der alles verliert, in jeder Sekunde ab.

„Hope“ – der Name ist Programm. Mit ihm, diesem Rechtsausleger (so der deutsche Begriff für „Southpaw“), der als Linkshänder eigentlich im Ring benachteiligt ist, erleben wir die ganze Palette menschlicher Gefühle in ungemein kurz erscheinenden 124 Minuten einmal, manche sogar mehrmals. Liebe, Glück, Dankbarkeit, Hass, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Reue – und dann der Neuanfang. Antoine Fuqua lässt nichts aus. Der Regisseur hat mit Filmen wie „The Equalizer“ und „Training Day“ bewiesen, dass er weiß, wie man Sieger- und Verliererbiografien zu einer einzigen großen Gewinner-Geschichte vereint.

Box-Fans könnten enttäuscht sein: Hey, hier gibt’s ja kaum Jabs und Haken – kurz, viel zu wenige Kämpfe zu bestaunen. Aber darum geht’s in „Southpaw“ nur zweitrangig. Fuqua nutzt das Boxer-Milieu, weil sich in diesem Mikrokosmos so wunderbar all das, was den Menschen ausmacht, beschreiben lässt. Denn dieser Sport ist ja mehr als plumpes Draufhauen. Tick (Forest Whitaker), der väterliche Freund, den es in jeder Aufsteigergeschichte geben muss, und der auch Hope am Ende wieder auf die rechte Spur bringt, beschreibt es treffend: Boxen ist wie ein Schachspiel. Wer hier nicht mitdenkt, hat schon verloren. Alles Kopfsache. Mit Hope dürfen wir sehen, was in einem jeden steckt, wenn der Geist mitspielt. Was mentale Kraft bewirken kann. Und wie andersherum die Hoffnungslosigkeit, das innere Aufgeben alles zerstört. Fuqua erzählt davon so eindringlich, dass man am liebsten selbst das Springseil herausholen möchte, um sich für neue Aufgaben zu stählen.

Sein Ensemble – neben Gyllenhaal insbesondere Rachel McAdams als Hopes Jugendliebe und Whitaker als einsamer Wolf –, die hervorragende Kamera (Mauro Fiore), die jeden Blutstropfen, jede Träne und jeden Anflug von zartem Lächeln einfängt, tun den Rest dazu, dass man hier weinen, lachen und Hoffnung schöpfen darf. Oscarwürdig. (In München: Mathäser, Cinemaxx, Gloria Premium Palast, Münchner Freiheit, Museum Lichtspiele OV, Cinema OV.)

„Southpaw“ mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker

Regie: Antoine Fuqua

Laufzeit: 124 Minuten

Katja Kraft

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