Filmtrailer und Kinokritik

"Love": Erotikdrama in 3D

Der argentinische Regisseur Gaspar Noé lässt in seinem 3D-Spielfilm „Love“ die Liebe nicht gerade heftig lodern. Hier unsere Filmkritik:

Im Grunde seines Herzens ist Gaspar Noé Romantiker im ursprünglichen, anti-klassischen Sinn – im glühenden Sehnen. Wenn der Regisseur von „Irréversible“ und „Enter the Void“ nach Schmerz und Extase einen Film über die Liebe verspricht, nähert man sich mit so hohen wie bangen Erwartungen. Zumal das Formale gewohnt kühn klingt: 3D nicht Blockbustern überlassen, die Darstellung von Sexualität nicht dem Porno, sondern beides in den Dienst von Kunst und Wahrhaftigkeit nehmen. Von jugendlicher Liebe erzählt „Love“ im Rückblick. Von Murphy (Karl Glusman), der mit der Mutter seiner ungeplanten Tochter zusammen lebt (Klara Kristin), sich aber an seine große Liebe Elektra (Aomi Muyock) erinnert. Noé will dabei 3D für größeren Naturalismus verwenden, doch es wirkt meist distanzierend künstlich. Sexualität ist ein zentrales Element der Identität, und Projekten wie „Intimacy“, „9 Songs“ oder „Nymphomaniac“ gelang es, mit unsimulierten Szenen Wesentliches über Charaktere zu erzählen.

In „Love“ indes scheinen die Liebesakte, pardon, selten tiefer zu dringen, haftet ihnen doch die sterile, tableauhafte Kombinatorik von Softcore-Pornografie an. Was emotionale, psychologische Studie sein möchte, schafft es zumindest, in seinem Protagonisten die unangenehmen Wesenszüge junger Männer mit mehr Geschlechts- als sonstiger Reife abzubilden. Murphy zerfließt in Selbstmitleid, ist so rücksichtslos wie anspruchheischend gegen die Frauen. Doch begreift „Love“ auch, was für ein Unsympath er ist? Im mutigen Ensemble ist Glusman schauspielerisch das schwächste Glied. Ihm fehlt das Charisma, einen Widerling faszinierend zu machen. Das seltsamste Manko an „Love“ ist jedoch, wie wenig er vom Brennen der Liebe einfängt. Eine für Noé ungewohnte Lethargie liegt auf ihm – als würde der Rückblick vom erkalteten Ende auch das Lodern des Anfangs ersticken.

Von Thomas Willmann

„Love“

mit Karl Glusman

Regie: Gaspar Noé

Laufzeit  121 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „9 Songs“ mochten.

Rubriklistenbild: © SnackTV

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