Unbedingt im Kino ansehen

"Der letzte Wolf" gehört auf die Leinwand 

„Der letzte Wolf“ bietet gewaltige Panoramen der mongolischen Steppe – aber eine arg simple Geschichte. Dennoch sollte man den Film unbedingt im Kino sehen. 

Achtzehn Jahre ist es her, dass die chinesische Regierung den Regisseur Jean-Jacques Annaud („Der Name der Rose“) mit einem Einreiseverbot belegte. Schuld daran war sein energisch china-kritischer Spielfilm „Sieben Jahre in Tibet“, in dem Brad Pitt den österreichischen Bergsteiger Heinrich Harrer, Freund des Dalai Lama, spielte. Mittlerweile erweist man sich im Land der Mitte versöhnlicher. Für seinen aktuellen Spielfilm „Der letzte Wolf“, die Adaption eines der populärsten chinesischen Bestseller, durfte Annaud wieder in China drehen. Das Ergebnis aber ist seltsamerweise so unpolitisch wie noch nie zuvor.

Faszination der Wölfe

Während der Kulturrevolution schickt man den Pekinger Studenten Chen Zhen (Shaofeng Feng) Ende der Sechzigerjahre in eine entlegene Ecke der Mongolei. Dort soll der Intellektuelle den Schafe hütenden Nomaden Chinesisch beibringen. Chen fügt sich überraschend schnell in die Gemeinschaft dort ein und lernt die Gesetzmäßigkeiten kennen, unter denen Mensch und Tier in dieser unwirtlichen Natur zusammen leben. Besonders faszinieren den jungen Stadtmenschen die Wölfe, die gefürchtetsten und gleichzeitig auch am meisten verehrten Tiere der Region, die in Rudeln allgegenwärtig sind. Als nach einer offiziellen Anordnung der Wolfsnachwuchs getötet werden soll, um den Bestand klein zu halten, versteckt Chen eines der niedlichen Wolfswelpen und zieht es bei den Menschen auf. Das gibt natürlich Ärger von allen Seiten.

Unbedingt im Kino ansehen

„Der letzte Wolf“ muss man sich unbedingt im Kino ansehen. Nur auf der großen Leinwand kann man angemessen in den gewaltigen Panoramen der unberührten mongolischen Steppe und den einmaligen Natur- und Tieraufnahmen schwelgen. 50 Wolfswelpen wurden trainiert, um später als ausgewachsene Tiere vor der Kamera zu agieren. Dieses penible Ringen Annauds um Authentizität spürt man in vielen Momenten. Die großartigen Bilder und die Wölfe täuschen über die genau genommen arg simple Geschichte hinweg. Die Figuren machen so gut wie keine Entwicklung durch, nur das Wölfchen wächst ordentlich heran. Das sieht zwar putzig aus, ist aber für zwei Stunden doch recht dünn. Annaud war immer der richtige Mann für den episch angelegten Film, egal ob es um Klostermorde oder Bären in freier Wildbahn ging. Leider hat er sich von dem jüngst verstorbenen Komponisten James Horner einen Klangteppich darüber klatschen lassen, der nahezu jede berührende Szene in einem Kitschmeer versenkt.

„Der letzte Wolf“

Mit Shaofeng Feng, Shawn Dou 

Regie: Jean-Jacques Annaud 

Laufzeit: 119 Minuten

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Rubriklistenbild: © dpa

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