Mischung aus Wilhelm Busch und Aquarell

"Die Legende der Prinzessin Kaguya"

Isao Takahata setzt mit „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ neue Maßstäbe – seine Bilder sind eine Mischung aus Wilhelm Busch und Aquarell.

Isao Takahatas Werke sind weltberühmt. Und das nicht nur bei eingefleischten Anime-Fans. Kinderserien der Siebziger wie „Heidi“, „Marco“ und „Anne mit den roten Haaren“ zeigen die Handschrift des japanischen Regie-Altmeisters und Mitbegründers des Studio Ghibli, aus dem Zeichentrickfilme wie „Prinzessin Mononoke“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“ stammen. Magie verströmen diese Werke alle.

Mit seinem neuen Film „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ setzt Takahata allerdings noch einen drauf. Davon wie hochkarätig, feinsinnig und liebevoll diese Produktion ist, künden allein die Bilder. Sie sehen aus wie eine Mischung aus Wilhelm Busch und Aquarell, witzig und schwärmerisch, frech und voller Melancholie. Farbe kommt nur in minimalen Mengen zum Einsatz. Und wenn die Figuren wüten, entgleisen ihre Konturen, werden fahrig, flattern. Neben all der optischen Schönheit erzählt Takahata, der auch das Drehbuch schrieb, eine Geschichte, die so tiefsinnig wie traurig, so bezaubernd wie schrecklich ist. Die Vorlage, auf der sie basiert, stammt aus dem zehnten Jahrhundert.

Doch ist es den Machern gelungen, dem Märchen der Mondprinzessin, die auf die Erde kommt und sich in die leid- und lustvolle Raserei der Bewohner verliebt, ein zeitgemäßes Antlitz zu verpassen, ohne es zu banalisieren. Die Komplexität des Inhalts, das Schwanken zwischen Sinnfragen und Lebenshunger, Humor und Ernsthaftigkeit, spiegelt sich dabei stets in den Bildern.

Trotz aller Melancholie und einer großen Portion Skeptizismus verbirgt sich hinter den Wendungen der Geschichte ein Plädoyer für das Menschsein. Illustriert wird dies – und das ist selten – an einer weiblichen Figur. Noch mehr als ihre männlichen Zeitgenossen bekommt diese die gesellschaftlichen Zwänge und Tabus zu spüren. Noch mehr als ihre männlichen Zeitgenossen aber kann sie dagegen angehen.

von Katrin Hildebrand

Rubriklistenbild: © Universum Film GmbH

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